Der Taxistandplatz Maria-Theresien-Straße – und was der mit dem Umbau des Stadtarchivs zu tun hat
Heute ist es nicht mehr vorstellbar, dass in der Maria-Theresien-Straße Autos fahren. In der Straßenmitte eine Insel für die Passagiere der Straßenbahnen, am Rand für unzählige Busspuren.
Und es gab vor der Spitalskirche einen Taxi-Standplatz. Viele von uns sind das ein oder andere Mal spätabends dort eingestiegen um den Heimweg abzukürzen. Das ist die höflichste Umschreibung für den Heimtransport eines Rausches. Etwa in der Kategorie, dass man ein Bein aus dem Bett stellen musste, dass sich nicht das Zimmer um einen dreht. Ich kenne das allerdings nur aus der Literatur…
Aus der Geschichte des Stadtarchivs darf eine Episode aus der Bürgermeisterschaft von Herwig Van Staa kurz berichtet werden: Es geht um den Umbau des Stadtarchivs, der dann im Jahr 2000 beschlossen wurde. Dagegen gab es zuvor rathausinternen Gegenwind. Ein damals junger Verantwortlicher hat sich beim Bürgermeister laufend für den Umbau eingesetzt. Auf dem gemeinsamen Weg ins Rathaus, auf der Höhe der Spitalskirche stieg der bürgermeisterliche Blutdruck deutlich über den Siedepunkt. Er riss mir ein „feindliches“ Schriftstück aus der Hand, schlug es auf die Kühlerhaube eines Taxis und schrieb eine für uns wichtige Weisung quer drüber. Beim Rufzeichen hat er mit dem Kugelschreiber so fest auf die Kühlerhaube geschlagen, dass es eine Delle im Blech gegeben hat. Es wird mir ewig unvergesslich bleiben, wie der aus seinem Schlaf aufgescheuchte Taxifahrer vom Fahrersitz zugeschaut hat, aber sich aber ganz verdattert nicht getraut hat, zu reagieren… Naja, es hat uns sehr geholfen.
(Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck; Ph/G-11.893)
Ja, der Staa, berühmt und berüchtigt für seine jähzornigen Wutausbrüche. Immerhin eine veritable Sachbeschädigung, aber wenn einer anscheinend Narrenfreiheit hat…
Was mich aber wirklich interessiert ist das schmale „Haus“ zwischen Kirche und dem Gebäude, wo einstens der Ghedina drin war. Letzter Nutzer war eine jetzt geschlossene Kaffeebar, davor hab ich ein Messergeschäft und einen Zeitungshändler in Erinnerung. Die Gemischtwarenhandlung Rasierzeug und Souvenirs habe ich hingegen vergessen. Die Adresse Nr. 4 teilt sich dieses Ministadthaus mit dem Nebengebäude. Müßte eine interessante Vorgeschichte und Innenarchitektur haben. Auf dem Stadtplan von 1750 ist dort noch eine enge Gasse zum Friedhof eingezeichnet. Gibt es dazu etwas im Archiv?
Gut erinnere ich mich noch an den Schärmer mit seinen Norwegerpullis und Souvenirtextilien aller Art. Tischdecken mit der Annasäule, Polsterbezüge mit dem Goldenen Dachl und Halstücher mit der Triumphpforte.