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Eine Tollkühne Fahrt

Eine tollkühne Fahrt

Nicht schlecht staunten einige Passanten, als sie am 22. Juli 1935 an der Sillbrücke am Ausgang der Sillschlucht vorbeikamen. Dort schickte sich der aus Wörgl stammende Peter Kühlechner nämlich an, mit Wasserskiern den Sillfall hinunterzufahren. Schon im Frühsommer hatte Kühlechner mit seinen selbstgebauten Wasserskiern aus Holz die Brixentaler Ache und auch ein Wehr derselben befahren. Nun war er offenbar auf der Suche nach einer neuen Herausforderung – und vielleicht auch nach einem größerem Publikum – und hatte sich dazu die Landeshauptstadt ausgesucht. An die 200 Schaulustige hatten sich schließlich eingefunden, um Peter Kühlechner bei seiner Fahrt zu bestauen. Der Versuch misslang jedoch. Die Skier stellten sich als zu kurz und leicht heraus, sodass Kühlechner stürzte und die Sill seine Skier verschluckte.

Dieser Misserfolg führte indes nicht dazu, das Vorhaben zu begraben. Stattdessen besorgte sich Kühlechner längere Wasserski und kündigte für den 27. Juli einen neuen Versuch an. An diesem Samstag fanden sich nun schon mehr als tausend ZuschauerInnen ein, die diesem Spektakel beiwohnen wollten. Und sie wurden nicht enttäuscht, gleich beim ersten Versuch glitt der wackere Wörgler in „schöner Hockestellung“ über den Wasserfall: erst bange Stille, nun tosender Beifall!

Bericht über die Fahrt von Peter Kühlechner. Innsbrucker Nachrichten, 29. Juli 1935. In dem Bericht finden sich auch einige Hinweise zur Geschichte der Wasserskier – eine sehr faszinierende Geschichte, zu der Sie auch hier noch einiges nachlesen können, wobei es offenbar unterschiedliche Systeme gab! Ein anderer Wasserläufer wurde bereits in unserem Blog behandelt.

Noch zwei weitere Male wiederholte Kühlechner die Fahrt am folgenden Tag, wobei ein Versuch offenbar in vollkommener stilistischer Schönheit gelang. Und damit nicht genug, noch an weiteren Wochenende im August und September befuhr Kühlechner der Sillfall und erregte damit jeweils großes Aufsehen.

In etwa so muss man sich wohl die Wasserskier von Peter Kühlechner vorstellen, wenngleich die „Wildwasserskier“ von Kühberger laut Beschreibung offenbar mit einander verbunden waren. Illustrierte Kronenzeitung, 12. September 1930.

Nach seinen Taten auf der Sill, befuhr Kühlechner im Herbst noch einmal den Inn, und kündigte gleichzeitig für das kommende Jahr noch spektakulärere Aktionen an: Fahrten auf der Brandenberger und Jochberger Ache während der Schneeschmelze. Überdies wollte er noch einmal das Wehr der Brixentaler Ache befahren und dies von einem Filmteam aufzeichnen lassen. Auch Fahrten im Ausland waren geplant. Kühlechner wollte offenbar von dem kleinen Boom, den der Wasserskilauf in diesen Jahren in Österreich hatte profitieren und suchte daher nach neuen Herausforderungen, um noch größere Schlagzeilen produzieren zu können. Die große Leidenschaft, und wohl auch die große Risikofreude, wurden Kühlechner jedoch schon im kommenden Jahr zum Verhängnis. Beim Versuch die Salzach zu befahren kam er zu Sturz und wurde von den Wassermassen verschluckt. Sein Leichnam wurde erst Monate später gefunden.

(Der Sillfall in etwa zu der Zeit als Peter Kühlechner ihn befahren hat: Stadtarchiv/Stadtmuseum Ph-31225)

Dieser Beitrag hat 5 Kommentare
  1. Welchem Zweck deinte das Gebäude direkt über dem Bergiseltunnel (längliches Dach) – wohl dort, wo heute noch das Basin im Wald zu sehen ist? Löschwasserspeicher, Schwimmbecken?

      1. Offenbar bin ich nicht der einzig der sich über diese Bauten wundert. Leider habe ich auch noch keine Erklärung dafür. In wie fern die Vermutung von Herrn Hirsch richtig ist, kann ich nicht einschätzen – ich hatte das eher immer mit den Tunnelbau-Arbeiten in Verbindung gebracht.

    1. Dort gab es einmal mehrere Schießstände mit Schußrichtung der menschenleeren gegenüberliegenden Felsen der Sillschlucht. Man kann die Reste teilweise noch heute sehen. Unterhalb des Museums und des Kriegerdenkmals und eben dort beim Becken )Zielerdeckung?). Nur so ein Gedanke.

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