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Ein Turm Im Nirgendwo – Im Gedenken An Herbert Geiler

Ein Turm im nirgendwo – im Gedenken an Herbert Geiler

Ich weiß, dass mehrere der Leser dieses Forums schon früher mit dieser Frage beschäftigt waren: Es war eine der interessanten Forschungsfragen, die uns Herbert Geiler stellte. Die Lösung war dann, naja, wir werden es wohl bald lesen. Auch wenn das schon einmal Thema war.

Doch vielleicht stellen wir uns die Frage erneut. Eine klassische und recht fesche Aufnahme „Innsbruck gegen Norden“. Basilika Wilten, Leuthaus, Stift usw. Weite Felder in Wilten. Im Hintergrund die Nordkette. So weit so gut. Auch sonst eine sehr informative Ansicht.

Aber es geht um ganz was Anderes: Westlich der ehrwürdigen Basilika Wilten sehen wir auf weiter Flur zwei Pappeln stehen. Knapp daneben erkennen wir einen vermutlich hölzernen Turm. Die Höhe des Bauwerks dürfte so um die acht bis zehn Meter betragen. Östlich davon scheint eine Mauer in verschiedenen Abstufungen in Keilform auf die Basilika zuzulaufen.

Ein Turm im Nirgendwo. Vielleicht ein Schlauchturm einer Feuerwehr? Aber es gibt keine Stiftsfeuerwehr. Auch wenn das irgendwie ein interessanter Gedanke wäre. Die in dieser Zeit stark wachsende Gemeinde Wilten würde ihre Feuerwehr wohl auch nicht in einem dünn besiedelten Gemeindeteil ansiedeln. Oder etwa doch?

Aber was soll es denn sonst sein? Eben. Genau das ist die Frage.

Stadtarchiv/Stadtmuseum, So-4-258.

Dieser Beitrag hat 12 Kommentare
  1. Also laut den Zeitungsarchiven handelt es sich in der Tat um einen Schlauchturm. Der Turm hat auch nur wenige Jahrzehnte bestanden. Er wurde sicher erst nach Gründung der Feuerwehr aufgestellt.

    In den Innsbrucker Nachrichten von 1905 finden sich anlässlich einer Gemeinderatssitzung deutliche Hinweise:
    https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=ibn&datum=19050429&query=%22steigerturm%22&ref=anno-search&seite=7

    „Baron Graff bat, den baufälligen Feuerwehr-Steiger-
    turm nächst der Wiltener Kirche zu entfernen.
    Der Bürgermeister sagte, er werde veranlassen,
    daß der Turm gestützt wird, bis ein neuer
    zur Aufstellung kommt.“

    Manche meinen es sei ein Wachturm, was jedoch urkundlich nicht nachweisbar sein dürfte. Der Turm war auch Thema dieses Beitrags:
    https://innsbruck-erinnert.at/der-turm-des-waechters/

  2. Die Nähe des Turms zur Basilika und zum Stift ist wohl kein Zufall.

    Da es die schönsten, wertvollsten und wichtigsten Gebäude der damaligen Gemeinde Wilten sind, hatte man es im Fall eines Einsatzes nicht weit zum Löschen.

  3. Was ein Steigerturm da draußen in den Pampas für einen Sinn haben soll, sehe ich nicht ein. Es mag ja ein ernstes Anliegen sein, die Wiltener Kirchenschätze bei Feuersgefahr schnellstens schützen zu können, doch müßten die Schläuche dann halt auf die Feuerwehr warten, die sie dann mühselig Stück für Stück aus dem Turm holt, sie einrollt, um dann umständlich endlich zur Brandstelle zu eilen, die verflixterweise immerzu in der Stadt gelegen ist. Steigertürme hatten sowieso nur den Sinn, die Nassen Schläuche wieder zu trocknen, anschließend rollte man sie auf die Schlauchtrommeln auf und verstaute sie auf den Feuerwehrwagen damit man sie gleich dabei hat, wenn man am Ort des Feuers angekommen ist..

    Wahrscheinlich hat der Baron Graff samt dem Zeitungsmenschen keine Ahnung gehabt, was er da sieht.

    1. Baron Graff war der Branddirektor, also schon eine fachkundige Auskunftsperson für den Sinn des Turms.
      Interessant wäre natürlich, ob das Gerätehaus der Wiltener Feuerwehr in der Nähe des Turms war. Den genauen Standort des Gerätehauses habe ich bisher nicht eruieren können.

      Die Mitteilung des Deutschtirolischen Feuerwehr-Landes-Verbandes von 1910 bringen einen feuerwehrhistorisch sehr spannenden Bericht, wie damals in Wilten eine Feuerwehrübung abgehalten wurde:

      „Wilten. (Feuerwehr-Hauptübung.) Für 21. Juli abends halb 8 Uhr war in
      Wilten die Hauptübung der Feuerwehr angesagt. Hiezu erschienen beim Gerätehaus 70 Mann.
      In Stellvertretung des Branddirektors Baron Graff war der Löschinspektor Max Klammer
      anwesend, welcher folgende Aufgabe gestellt hatte: „In der Neurautgasse Nr. 6 ist in der gefüllten Scheune ein Brand ausgebrochen, der das Dach ergriffen und bis zum Eintreffen
      der Feuerwehr mehr als die Hälfte des Daches in Flammen gesetzt hat. Zeit des Ausbruches
      2 Uhr früh, bei herrschendem Südwind, Wasserverhältnisse normal.“ Das Kommando über
      die Übung hatte Kommandant Sebastian Müssigang. In richtiger Erfassung der Lage ließ er die
      Wehr auf zwei Seiten anrücken. Ein Teil rückte über die Karmelitergasse, ein Teil über
      die Leopoldstraße zum Brandobjekte ab, hiedurch kam dies in die Mitte. In drei Minuten
      nach dem Angriffssignal war das Wasser auf dem Objekte. In Rücksicht auf die ziemlich
      feuergefährliche Umgebung ließ der Kommandant vier Strahlen geben und zwar zwei aus dem
      Hydranten der Leopoldstraße, und zwei aus dem in der Neurautgasse. Mit drei Leitern und
      einer Schlauchlinie vom Boden aus wurde dem Brande zu Leibe gerückt. Die Spritze stand
      beim oberen Dorfbrunnen in Reserve. Die Sanitätsabteilung hatte ihren Standort in der
      Leopoldstraße. Nach Beendigung der Übung wurden die Geräte in das Magazin eingestellt
      und sodann zum Gasthaus „Neuhaus“ abmarschiert. Kommandant Müssigang gab hier
      bekannt, daß der Herr Bürgermeister Greil und Branddirektor Baron Graff leider am
      Erscheinen verhindert waren. Er drückte der Mannschaft für den stets bewiesenen Eifer den
      Dank aus und gab der Erwartung Ausdruck, daß die Wehrmänner auch in der übungslosen
      Zeit ihrer freiwilligen Pflicht stets eingedenk sein und die Kameradschaft nicht aus dem Auge
      lassen mögen. Ein „Gut Heil!“ wurde zur Bekräftigung der Worte gebracht. Löschinspektor
      Max Klammer belobte die Übung; die Lösung der Aufgabe sei vollkommen richtig, der
      Anmarsch ruhig und rasch gewesen, er habe Zeugnis gegeben, daß die Wehr zu einer der besten
      zu zählen sei. Redner sprach die Hoffnung aus, daß die Wehr auch weiterhin auf dieser
      Stufe bleiben möge.“

    1. Lieber Herr Auer, vorweg vielen Dank für diese interessanten Fundstücke aus der Wiltener Feuerwehrgeschichte! Mich irrtiert zwar etwas die geringe Höhe des Turmes (er scheint mir vergleichsweise niedrig für einen Steigerturm), aber die von Ihnen recherchierten Indizien und die erkennbaren Öffnungen sprechen meiner Ansicht nach dafür, dass wir hier den alten Wiltener Steigerturm sehen.

      Bei der Mustertung der FF Wilten am 16. Mai 1906 wurde übrigens auch der Umbau des Stiegenhauses des „Pinihauses“ – in der unmittelbaren Nachbarschaft des neuen Spritzenmagazins der FF Wilten gelegen – in einen Steigerturm besprochen:https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=ibn&datum=19060518&seite=3&zoom=33

      1. Vielen Dank für die interessanten Hinweise, lieber Herr Egger!

        Das mit dem dem Steigerturm im Pinihaus würde zeitlich gut zusammenpassen.
        Sobald der neue Steigerturm fertig war, wird man den baufälligen und obsolet gewordenen Turm bei der Basilika abgerissen haben.

        Im Franziszeischen Kataster von 1856 ist der Turm jedenfalls noch nicht vorhanden. Auch auf alten Fotos um 1870 sieht man ihn noch nicht. Um 1910 ist der Turm hingegen dann plötzlich weg.

        Ohne die wunderbaren Zeitungsarchive würde man bei solchen Mysterien der Stadtgeschichte oft ziemlich im Dunkeln tappen.

  4. Wir sind von der viasavis-Innseite und wissen das Wiltener Feuerwehrhaus auch noch ehemals in der Liebenegg-Strasse.
    Wenn dieser Holzturm am Foto lt. den Recherchen von Herrn Auer tatsächlich ein „Schlauchturm“ der Feuerwehr war, könnte die Erklärung wie folgt sein:
    Zur damaligen Zeit wurden auch bei der Feuerwehr noch Pferdegespanne eingesetzt,-
    man kann sich vorstellen welche Zeit es braucht mit den Pferden zum Feuerwehrmagazin zu kommen, einzuspannen und dann per Fuhrwerk zum Brandort zu eilen.
    Lt. den Überlieferungen gab es auf die Gemeinden verteilt „Feuerwehrdepots“ an bestimmten Stellen,
    Hydranten waren im Wiltener Gebiet damals warscheinlich vorhanden,- mit Schlauchmaterial und Strahlrohr
    konnte man von diesen Hydranten aus rasch einen Löschangriff auch ohne Pumpe starten.

    In Hötting waren solche Depots bei bestimmten Häusern (meist Bauernhöfen) angelegt.

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