Ein Ausflug zur Messe in den Fünfzigern – vom Trockenrasierapparat bis zur neuzeitlichen Gummimatratze
Wir befinden uns im Jahr 1950. Aufgrund des Zweiten Weltkriegs musste die Messe Innsbruck zwölf Jahre lang pausieren. Am Samstag, den 26. August um 14:00 Uhr startete die „18. Export- und Mustermesse“. Diese ging neun Tage lang, bis zum 03. September 1950. Im Vergleich zu den Messen davor wurde die Ausstellungsfläche vervierfacht und es wurden über 209.000 Besucher:innen gezählt. Davon reisten viele aus Italien und Deutschland ein. Um den Grenzübergang leichter zu machen, wurden während der Messetage erweiterte Grenzscheine eingeführt, die sechs Tage lang gültig blieben. Und der damalige Landeshauptmann erließ eine Sondergenehmigung, damit alle Innsbrucker Geschäfte am Mittwochnachmittag, den 30. August offen blieben.
Bei der Messe 1950 hat offenbar ein Eiffelturm aus 50.000 abgebrannten Zündhölzern und 5.000 Metern Blumendraht, den zwei „Grazer Invalide“ gebaut hatten, besonders viel Eindruck gemacht. Die Tiroler Nachrichten berichteten darüber und bemerkten, dass man zum ersten Mal auch eines dieser Zündholzkunstwerke bei der Innsbrucker Messe erstehen konnte. Die erste Messe nach dem Zweiten Weltkrieg gab „in sinnfälliger Form einen Bericht über die von den einzelnen Wirtschaftszweigen geleistete Aufbau- und Wiederaufbauarbeit“. Doch was wurde bei einer Messe in den Fünfzigern überhaupt ausgestellt?
Am 22. Mai 1954 beschrieben die Innsbrucker Nachrichten bis ins kleinste Detail, was man bei der damaligen Frühjahrsmesse alles zu erwarten hatte und wo man es finden konnte. Im Gegensatz zu den Jahren davor soll sich der Inhalt der Messe gar nicht so sehr verändert haben, stattdessen sei die Qualität stark verbessert worden. Es waren Musterrestaurants vorhanden und Gastwirtschaftsbetriebe vertreten. Maschinen modernster Technik wurden ausgestellt, zum Beispiel Koffernähmaschinen, Waschzentrifugen, Backrohre mit Umluftheizer, Schreibmaschinen, Diktiergeräte. Außerdem gab es Musikinstrumente und Möbel (deren neue Holzfaser-Hartplatten „durch ihre Oberflächenbearbeitung staunenswerte Effekte erzielen“). Kleintellerschneider, Schleifmaschinen und schwenkbare Fräsmaschinen stehen nebeneinander. Des Weiteren fand man betriebsfertig montierte Klein-Skilifte, Stahlgussteile, Trockenrasierapparate, Espressomaschinen, Hautentferner, Krawattenhalter, Pelze, Kessel, neuzeitliche Gummimatratzen zum Campen, Motorroller, Melkmaschinen, Klein-Betonmischer, Haus-Saunen, Hitzeschutzanzüge und vieles mehr.
(Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck, Ph-39945)
Die Firma Wüster – Messestand rechts im Hintergrund – firmiert heute unter Juwel H. Wüster GmbH und erzeugt Kunststoffprodukte für Haus und Garten; die Komposter dürften vielen bekannt sein.
Der Herr mit dem dunklen Anzug leicht links der Bildmitte könnte der kürzlich verstorbene Dieter Bachmann sein.
Heißt der zweite Herr von Links zufällig mit Vornamen „Julius“? Beim ersten bin ich mir nicht sicher, ob’s nicht ein „Oskar“ war?