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Der Bau Des Kraftwerks Mühlau (I)

Der Bau des Kraftwerks Mühlau (I)

In den Jahren 1949 bis 1951 erbaute die Stadt in Mühlau das sogenannte Trinkwasserkraftwerk. Seit der Inbetriebnahme im Jahr 1953 versorgt es bis heute Innsbruck mit Strom und Trinkwasser. Das Wasser für das Kraftwerk wird oberhalb von Mühlau in drei Stollen und einem Wasserschloss auf 1140 Meter Seehöhe gefasst und dann durch zwei parallel verlaufende Druckrohrleitungen zum Krafthaus in Mühlau geleitet. Dort wandeln Turbinen den Wasserdruck in elektrische Energie um. Etwa 32 Millionen kWh Strom erzeugt das Kraftwerk auf diese Weise im Jahr. Nachdem das Wasser die Turbinen angetrieben hat, fließt es weiter in unterirdische Sammelbecken und deckt von dort aus den Großteil des Innsbrucker Trinkwasserverbrauchs.

Das Stadtarchiv verwahrt zum Bau dieses kombinierten Wasserkraftwerks ein umfangreiches Album, in dem die Bauarbeiten festgehalten sind. In einer kleinen Serie möchte ich einige Bilder dieses Albums zeigen.

Die Planungen zum Kraftwerk waren bei Baubeginn 1949 schon mehr als ein Jahrzehnt alt. Nach einigen Vorarbeiten in den 1930er Jahren war das Projekt im November 1939 durch den Landeshauptmann von Tirol bewilligt worden. In der Folge intensivierte die Stadt die Planungen. Ziel dieser ersten Phase war es, die bisherige Wasserfassung in der Mühlauer Klamm durch eine neue Fassung etwas weiter westlich auf einem Waldrücken zu ersetzen. Dazu war es auch notwendig die Stollen aus den 1880er Jahren, die das Wasser unterirdisch sammelten, neu anzulegen. Hierzu waren eine Reihe von geologischen Erkundungen erforderlich, für die der bekannte Geologe Otto Ampferer verantwortlich zeichnete. Nach seinen Vorgaben wurden die Stollen zur Wasserfassung angelegt. Wenngleich es dabei zu einigen Schwierigkeiten kam, so trafen seine Voraussagen zur geologischen Situation weitgehend zu und stellten damit den Erfolg des Projektes sicher.

Plan des Geologen Otto Ampferer für die Anlage der neuen Stollen zur Wasserfassung. Am unteren Ende der Karte ist auch die neu geplante Wasserfassung auf der Seehöhe 1140 m eingezeichnet. Stadtarchiv/Stadtmuseum, Mühlauer Wasserfassung, Pläne 1932-1942.

Ende September 1941 begannen die Arbeiten für den Bau der neuen Stollenanlage nach den Plänen, wie sie in der Abbildung oben zu sehen sind. Hierzu war es notwendig, den Rosnerweg von der Hungerburg zu verbessern, sodass darüber der Baustellenverkehr und die Anlieferung von Material erfolgen konnte. Überdies wurde auf der Baustelle am Rosnerweg Wohnbaracken und Werkstätten errichtet und ein Schrägaufzug zu den Stollen bzw. hinunter nach Mühlau Rodungen installiert. Den gesamten Herbst und Winter hindurch wurde daran gearbeitet, teils unter widrigen Bedingungen mit Neuschnee und klirrender Kälte, wie aus dem Bautagebuch hervorgeht. Was in den bisherigen Veröffentlichungen zum Bau dieser neuen Stollenanlage zur Trinkwasserfassung nie erwähnt wurde, aber aus den Bautagebüchern eindeutig hervorgeht, ist, dass neben den Arbeitern der Firma Innerebner & Mayer aus Innsbruck auf dieser Baustelle auch Zwangsarbeiter und bis zu 40 Kriegsgefangene eingesetzt wurden. Dieses Kapitel der Baugeschichte ist bisher ein weitgehend dunkler Fleck, wird aber derzeit näher erforscht.

Ab dem Frühjahr 1942 wurde schließlich mit dem Vortrieb der neuen Stollen zur Wasserfassung begonnen. Das Bautagebuch der Firma Innerebner & Mayer gibt darüber regelmäßig Auskunft und lässt den Fortschritt erkennen. Bis Kriegsende konnten die unterschiedlichen Stollen gut vorangetrieben werden. Nach 1945 ruhten die Arbeiten für eine Zeit, wurden aber schließlich wieder aufgenommen. Da die Arbeiten an den Stollen auch sichergestellt hatten, dass ausreichend Wasser gefasst werden konnte, ging man nun in die zweite Phase des Projekts über, die Arbeiten für das Kraftwerk in Mühlau und die Druckleitungen.

Im Frühjahr 1949 begann die Firma Innerebner & Mayer mit diesen Bauarbeiten. Wie im Titelbild zu sehen ist, musste teils schweres Gerät zum Bauplatz westlich des Schillerhofes geschafft werden, was die Bevölkerung staunend beobachtete. Für den Transport von Material und Aushub verlegte die Firma auf der Baustelle sogar Schienen. Der oben erwähnte Schrägaufzug auf Schienen ist im folgenden Bild aus dem August 1949 zu sehen.

(Stadtarchiv/Stadtmuseum Ph-A-835-1; 20; 21)

Dieser Beitrag hat 12 Kommentare
    1. Freue mich ebenfalls auf diese Serie, da wir diese Gegend recht oft bei unseren Spaziergängen erkunden und auch schon des öfteren den Schrägaufzug gegangen sind. Schade, dass der „Schrägaufzug° langsam in Vergessenheit gerät.

      1. Lieber Herr Ebner,

        können Sie uns dazu näheres schildern? Ich kann leider dazu gar nichts sagen, ob es noch Reste des Aufzugs gibt. Besonders im Herbst, wenn sich die Blätter der Bäume verfärben kann man die ehemalige Schneise gut erkennen, da der Baumbestand dort etwas anders ist als in der direkten Umgebung.

    2. Lieber Herr Roilo,

      das klingt spannend. Vielleicht können Sie uns dann im vierten Teil der Serie, wenn wir dann in das Jahr 1953 vorstoßen werden, dazu noch etwas schreiben!

  1. Der Ausbau der Mühlauer Wasserfassungsanlagen erfolgte seinerzeit mit ERP-Hilfe (Marshall-Plan).

    In der Österreichischen Nationalbibliothek gibt es auch einige Fotos und Baustellenfotos, davon sehr interessant u.a.:
    – zwei Fotos mit Arbeitern unter Tage im Haupttunnel in 1700m Höhe.
    – Blick durch das leere Trinkwasserreservoir vor Inbetriebnahme (130 Meter lang, 40 Meter breit und 6 Meter hoch!)
    – der Fassungsturm in 1140 Meter Höhe vor der Fertigstellung.
    – Gunther H. Froebel, Bundespräsident Theodor Körner und Bischof Paulus Rusch in der ersten Sitzreihe anlässlich der Eröffnung

    1. Das Mühlauer Kraftwerk wurde von der Innsbrucker Baufirma Innerebner & Mayer in den Jahren 1946 bis 1953 errichtet. Da es zu dieser damaligen Zeit praktisch keine Bagger dieser Größenordnung zum Ausleihen gab, dürften diese Geräte aus dem Fundus der Firma sein. Beide Bagger sind noch Seilbagger, also ohne Hydraulik. Der am oberen Bild gerade auf dem Tieflader durch Mühlau transportierte Bagger mit Gitterausleger ist der gleiche, den man am zweiten Bild vorne mit einer Hochlöffelausrüstung sieht. Dieser könnte bereits ein Nachkriegsmodell sein, ist aber sicher kein Menck, wenn er auch in Größe und Design dem Menck M 90 (etwa 28 Tonnen) ähnelt. Der M 90 hat allerdings die Fahrerkabine auf der linken Seite, außerdem fehlt der für den M 90 charakteristische, als Zahnstange ausgebildete Löffelstiel. Runde Löffelstiele mit diesem Führungselement hatten O&K Seilzugbagger. Der zweite Bagger ist auch eher ein Demag oder Weserhütte aus der Vorkriegszeit

    2. Beim LKW wage ich FIAT und Lancia eher auszuschließen.
      Von der Form des vorspringenden Kühlers her könnte es ev. ein Alfa Romeo sein auch wenn ich das konkrete Modell im Internet nirgends gefunden habe.

      Gerade in der unmittelbaren Nachkriegszeit gab es eine große Fahrzeugvielfalt weil kriegsbeschädigte LKW (und auch PKW) in größerer Anzahl wieder instandgesetzt wurden und man sich beim Wiederaufbau nicht immer am Original orientiert hat sondern tw größere künstlerische Freiheiten angewandt wurden.

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