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Dazu Haben Wir Leider Nichts In Unserer Sammlung…

Dazu haben wir leider nichts in unserer Sammlung…

…ist ein leider immer wieder gesprochener Satz im Archiv und gerade bei spannenden Themen ist es oft sehr ärgerlich, dass kein passendes Objekt den Weg in unsere Sammlung gefunden hat. Genauso ein Fall ist hier zu sehen, denn aus Ermangelung eines Fotos bei uns in der Sammlung mussten wir für dieses Rätsel auf ein Luftbild aus dem Jahr 1947 zurückgreifen, welches im Original im Laser- und Luftbildatlas des Landes Tirol zu finden ist.

Aus der Vogelperspektive sehen wir einen Teil von Innsbruck. Die markanten Gebäude sowie auch Flüsse wie Infrastrukturbauten machen eine ungefähre Einordnung des Stadtviertels sicher nicht wahnsinnig schwer. Doch was ist das für eine fast quadratische Struktur in der Mitte (im roten Kreis)?

Falls jemand nicht nur die Lösung des Rätsels weiß, sondern auch noch „zufällig“ ein zeitgenössisches Bild von gesuchter Struktur für das Archiv hätte, wäre das der sprichwörtliche „Lottosechser“ für uns. Auch wenn es fast unmöglich scheint, gilt wie beim Lotto „träumen wird man ja noch dürfen.“

Vielen Dank an alle Beteiligte für die rege Beteiligung beim Rätseln und Gratulation an Martin Schönherr, der das Mysterium schnell gelöst hatte. Tatsächlich handelte es sich hier um den französischen Besatzungsfriedhof der von 1945 bis 1955 an dieser Ecke war. In meinen neuen Beitrag, zu finden hier, erläutere ich die Hintergründe nochmals genauer. Ein Foto des Friedhofs haben wir leider vergeblich gesucht und wird wahrscheinlich auch nicht existieren. An der Stelle stehen jetzt neuen Häuser an den Friedhof erinnert nichts mehr.

(Laser- & Luftbildatlas Tirol – Land Tirol)

Dieser Beitrag hat 24 Kommentare
    1. Sehr geehrter Herr Auer, für mich sieht das auf dem Luftbild von 1940 nach Gemüseanbauflächen aus. Das auf diesem Bild, mit breiter Zufahrt und der sehr einheitlichen Farbe der einzelnen Flächen könnte wirklich ein Lagerplatz und somit ein Vorgänger des späteren Bauhofes sein.

      1. Ich glaube auch, dass diese Flächen im Eck Kapuzinergasse / Bienerstraße (heute MPreis ??) Schrebergärten sind. Sie weisen jedenfalls auf dem 40er Bild die gleichen Strukturen auf wie sie in den Feldern südlich der Reichenauerstraße zu sehen sind. An diese Schrebergärten im Bereich der heutigen Pauluskirche kann ich mich noch sehr gut erinnern, hatte hier doch eine Hauspartei von uns, die Familie Rutzinger, einen Garten, in dem ich mich sehr oft aufhielt.

  1. Die heutige Adresse des Areals lautet Bienerstraße 10, 10a und 12. In den 1970er-Jahren war hier der Bauhof Saggen.
    Auf den alten Luftbildern schaut das Gelände mit seinen geordneten Reihen wie eine Art Lagerplatz aus….. Laut dem Stadtplan war hier ein Ausläufer der Kapuzinergasse.

  2. Vielleicht hat diese quadratische Fläche irgendwas mit dem ehemaligen Städtischen Bauhof Pradl (Bienerstraße 10) zu tun (Vorläufer, Abstellfläche für Geräte, Lagerfläche für z.B. Kanalbaumaterial etc.)???

  3. Martin Schoenherr hat recht, vor 1956 war hier der sogenannte Französische Friedhof. Später lagerten hier Betonrohre der Stadt in jeder Größe. Bei unseren täglichen Nachhauseweg von der Volksschule Dreiheiligen war dies ein toller Spielplatz für uns und wir kamen daher regelmäßig zu spät zum Mittagessen, was unsere Mütter natürlich nicht gerne hatten.

    1. Sehr interessant! Dass auf einem ehemaligen Friedhofsgelände heute Wohnblöcke stehen, mutet fast etwas makaber an. Sofern nicht bereits vorhanden, wäre eine Gedenktafel aus Pietätsgründen durchaus sinnvoll…..

      Da stellt sich natürlich die Frage, warum man beim Bau der Wohnblöcke keine Gebeine gefunden hat…. Es bleibt rätselhaft: Wer wure hier begraben? Ob man die Toten wieder exhumiert und umgebettet bzw. nach Frankreich geschickt hat?

      1. Das an den Friedhof heute gar nichts mehr erinnert ist wirklich schade da gebe ich Ihnen recht. Zumindest ein Gedenkstein/tafel wäre angebracht denke ich. Das bei den Bauarbeiten keine Gebeine gefunden wurden liegt daran, dass wirklich alle dort Beerdigten exhumiert wurden. Genaueres in meinem neuen Beitrag.

      2. Wie wir nun in den beiden Beiträgen über diesen ehemaligen Militärfriedhof gehört haben, wurden von den französischen Militärbehörden alle Begrabenen exhumiert und nach Frankreich bzw. in den Westfriedhof gebracht. Es gab also nichts mehr zu finden!
        Anders ging es beim alten Pradler Friedhof in der Pradlerstraße zu, der ja gegenüber unserem Haus lag. Der neue Friedhof wurde schon (ohne jetzt irgendwo nachzuschauen) um 1908 (ähnlich wie die ’neue‘ Pradler Pfarrkirche) errichtet, aber bis 1927 gab es hier rund um die alte Pradler Kirche noch Bestattungen – und dann??
        Jedenfalls verlotterte die alte Kirche und wurde dann 1941 von französischen Kriegsgefangenen abgerissen. Allerdings wurde das Abbruchmaterial nicht verführt (mit was auch – es war ja Krieg!), sondern jahrelang gab es hier einen ‚Berg‘, der zusehends verwilderte und für uns ein wunderbarer Spielplatz war. Als dann 1944 auch noch die zwischen alter Kirche und Pradler Volksschule (heutige Leitgebschule) befindliche Turnhalle einen Bombenvolltreffer erhielt, kam zum Steinhaufen noch ein Ziegelhaufen dazu.
        Irgendwann verletzte sich dann ein Bub auf diesem Abenteuerspielplatz und es wurde uns weis gemacht, hier gäbe es Schlangen und es sei besser, nicht mehr da herumzukraxeln!
        Als dann der Krieg vorbei war, wurde die ganze brachliegende Fläche (restlicher Friedhof inklusive ganzer Schulhof) von der Stadt zur Errichtung von Gärten für den Anbau von Gemüse freigegeben. Mein Großvater mütterlicherseits erhielt solch eine Fläche, schnell angrenzend an den Steinhaufen und noch im Friedhofsbereich! Ich durfte hier immer mithelfen.
        Und nun kommt das Makabre: In einer Ecke des Gartens hatten wir unseren eigenen „Friedhof“ in dem wir die beim Umstechen gefundenen Gebeine wieder begruben!

        Heute steht hier die Leitgeb Sporthalle. Ich glaube nicht, dass hier irgendeine Gedenktafel angebracht ist!

        1. Nachdem ich meinen Eintrag nochmals durchgelesen habe, reiche ich eine Berichtigung zum alten Pradler Friedhof nach: Ab 1913 durfte hier niemand mehr begraben werden, 1928 wurde er aufgelassen!

    2. Weit weg mit einem Lagerplatz des Bauhofes Pradl-Saggen war ich also nicht – an den Vorgänger, dem Friedhof der Franzosen, kann ich mich allerdings nicht mehr erinnern!
      Der Städtische Bauhof bedeutete mir aber etwas, von hier aus wurden die Schneeschaufler eingeteilt. Während meiner Gewerbeschulzeit konnte ich hier an den Wochenenden etwas Geld verdienen! Man musste halt früh dran sein! Schon um 5 Uhr stand hier eine Schlange! Es wurde einem eine Schaufel in die Hand gedrückt und dann ging es in Gruppen unter Führung eines städtischen Arbeiters zur Einsatzstelle. Es hieß, die Rinnen entlang der Randsteine und die Gullys freizuschaufeln. Nach etwa vier bis fünf Stunden konnte man das Geld in der Bauhofkanzlei abholen.

  4. Eine Google-Suche ergab:
    Im Buch „Barfuß durch Innsbruck“ von Erich Landauer findet sich eine kurze Erwähnung des Friedhofs als „Marokkaner-Friedhof“. Dabei wird auch erwähnt, dass Herr Landauer, geboren 1935, die Exhumierung und den Abtransport der Toten selbst beobachtet hat.

  5. Auch im Buch „Alt-Innsbrucker Gaststätten – Historische Plaudereien“ von Hugo Klein wird der Friedhof erwähnt. Herr Klein schreibt als Zeitzeuge auf Seite 144:
    „An einem heißen Augusttage ging ich einmal südlich des Bahnviaduktes spazieren und da bemerkte ich , daß einige Kriegsgefangene , von einem Marokkaner mit geladenem Gewehr bewacht , für die Franzosen einen Friedhof anlegten“

  6. Wenn man auf https://www.qiblafinder.org/AT/AT-7/1010159/innsbruck-qibla-locator.html die Orientierung des Friedhofs prüft, wäre die Ausrichtung so möglich (wenn auch nicht ganz exakt). Die Anlage wäre wohl für einen Kenner aus der Orientierung heraus in Verbindung mit dem schmucklosen Raster bestimmbar gewesen. Der Qibla Winkel für Innsbruck mit 128.61° wurde hier aber eher auf auf 115° verzerrt (ich erinnere mich nun, dass wir in Geschichte mal lernten, das die Kaaba in Innsbruck sozusagen hinter dem Glungezer liegt, was zumindest für meinen damaligen Schulstandort ziemlich genau passte und auch für den Marokkanerfriedhof angewandt werden könnte.
    Nur zu „Nachwatten“

  7. Zur etwas falschen Ausrichtung des Friedhofs noch zwei Theorien:
    1) Man nahm die diagonal Straßen als Orientierung und hat das so reingestellt, weil es ungefähr passt.
    2) Die Marokkaner haben den gwohnten Winkle von zuhause „mitgenommen“, was mir zwar kaum glaubwürdig erscheint, aber hier ganz gut passen würde (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Qibla#/media/Datei:Mecca_Direction_Equidistant.jpg)
    Wäre interessant, ob man dazu was in den Dokumenten der französichen Besatzung findet.

    1. Ich würde da eher auf Variante eins tippen – die Akten, die die Stadt dazu noch hat, geben zwar keinen genauen Aufschluss über alle dort Beerdigten, aber es dürfte sich nur zu einem Teil um französische Soldaten aus Nordafrika gehandelt haben. Die Ausrichtung des Friedhofs selbst ist allerdings nie Thema auch bei den Neuplanungen des Friedhofes nicht. Etwaige Dokumente der französischen Besatzung wären dazu sicher spannend, denn undenkbar ist eine Ausrichtung zur Kaaba nach Mekka natürlich auch nicht.

    2. Ich glaube auch, dass diese Fläche einfach dem damaligen Verlauf der Kapuzinergasse angepasst wurde, also im rechten Winkel dazu. Die „Marokkaner“ machten ja nur einen kleinen Teil der Besatzungskräfte aus, aber sie fielen natürlich mit ihren Turbanen besonders auf. Sie hatten auch ein eigenes Musikkorps, welches in der naheliegenden Eugenkaserne stationiert war und wahrscheinlich bei Militärbegräbnissen eingesetzt wurde.

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