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Der Bilderblog aus dem Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck
Das Hotel Tirol (I.)

Das Hotel Tirol (I.)

Zwischen 1871 und 1875 entstand an der Ecke der damaligen Rudolf- und Bahnstraße (heute Brixner- und Bruneckerstraße) das Hotel Tirol. Der imposante Bau war bei seiner Fertigstellung das größte Hotel der Stadt. Das Interieur enttäuschte die durch die eindrucksvolle Fassade geschürten Erwartungen nicht. Die Eingangshalle war von Säulen aus rotem Marmor gesäumt, daran schlossen der Speisesalon, das Lese- sowie ein Rauchzimmer an. Dementsprechend war es auch eine beliebte Herberge für prominente Gäste der Stadt. Von den amerikanischen Hoteliers in den 20er Jahren haben wir gestern schon gehört, aber auch schon kurz nach seiner Eröffnung 1875 nächtigte der osmanische Finanzminister dort. Das Hotel beherbergte nicht nur hochadelige Gäste wie die Herzöge von Sachsen-Meiningen und Sachsen-Weimar, sondern bot auch das passende Ambiente für zahlreiche Veranstaltungen, von Bällen der Studentenverbindungen bis zu Treffen des Beamtenvereins.

Während das Hotel meist nur positiv in der Zeitung auffiel (stets wurde bei Berichten über Veranstaltungen das schöne Ambiente gelobt), wurde es 1883 in der Sektion „Aus dem Gerichtssaal“ der Innsbrucker Nachrichten erwähnt. Es war allerdings nicht die schuld der Hotelleitung, sondern Anlass dafür war ein Zimmermädchen, welches nach eigenem Geständnis das Hotel, ihre Kolleginnen und einige Gäste bestohlen hatte. Sie wurde dafür zu 2 Monaten schweren Kerkers verurteilt – was etwas drakonisch wirkt, wenn man bedenkt, dass sich der Gesamtwert der gestohlenen Gegenstände auf keine 8 Gulden (nach heutiger Währung ca. 120 Euro) belief.

Bereits kurz nach seiner Eröffnung hatte das Hotel den Besitzer gewechselt, als Franz Bandisson es an Carl Landsee, der zuvor das Hotel du Parc in Lugano geleitet hatte, verkaufte. Unter seinem neuen Besitzer wurde das Hotel 1895 um ein weiteres Stockwerk erweitert. Landsee leitete nicht nur sein neues Etablissement mit großem Erfolg, er gründete auch den Tiroler Fremdenverkehrsverein, den Tiroler Automobilklub und engagierte sich bei der Gründung des Tiroler Sportvereins und der Innsbrucker Gastgewerbeschule. 1893 wurde er in den Gemeinderat gewählt, in welchem er bis 1919 saß. Am 8. Februar 1924 wurde ihm die Innsbrucker Ehrenbürgerschaft verliehen. Im Juli des Jahres verstarb er im Alter von 76 Jahren und wurde unter großer Anteilnahme der Stadtbevölkerung am Westfriedhof beigesetzt.

(Signatur Bi-k-2116 – Werbepostkarte für das Hotel Tirol nach der Übernahme durch Carl Landsee)

Dieser Beitrag hat einen Kommentar
  1. Sehr interessant, vielen Dank für die Recherche und den Artikel!
    Falls es weitere Teile gibt: ich fände technische Details besonders interessant. Zum Beispiel könnte ein erstklassiges internationales Hotel dieser Größe zur Eröffnung im Jahr 1876 bereits Fahrstühle besessen haben, diese könnten zu den ersten in Innsbruck gezählt haben. Elektrische Aufzüge gab es jedoch erst später, 1875 waren Fahrstühle noch dampfbetrieben oder hydraulisch mittels Wasserdrucks aus der städtischen Wasserversorgung. Städtische Dampfkraftstationen und ein entsprechendes Netz an Übertragungsleitungen gab es in Innsbruck nicht, also müssten dort entweder ein oder mehrere große Dampfaggregate installiert gewesen sein oder es wurde direkt der hohe Wasserdruck im städtischen Wasserleitungsnetz genutzt; Wassermotoren waren in Industrie und Gewerbe in Innsbruck vor Beginn des elektrischen Zeitalters in Verwendung.
    Auch die Anzahl der Zimmer wäre interessant, die Anzahl der Kellergeschoße, die Infrastruktur unter der Erde und hinter den Wänden und die kommunikationstechnische Ausstattung zum Eröffnungszeitpunkt und in der ersten Zeit – konkret: eine Telegrafiestation für Buchungen und sonstige internationale Kommunikation muss es fast gegeben haben, aber gab es auch Einrichtungen wie Zimmertelegrafie und Rohrpost? Die Beleuchtung muss 1876 natürlich eine Gasbeleuchtung gewesen sein und so ein Hotel zwangsläufig ein Großkunde des Gaswerks. Die beschriebene Eingangshalle muss nachts im Schein einer großen Zahl von Gaslampen erstrahlt sein.
    War das Hotel Tirol vielleicht auch unterirdisch mit dem Hauptbahnhof verbunden, so wie das Hotel Europa heute immer noch? Personentunnels gab es ja ab den 1920ern, soweit ich weiß. Viele Fragen, zu viele wahrscheinlich. 🙂

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