Kampf dem Hunger
Auf den ersten Blick könnte man diese Aufnahme am Unteren Stadtplatz in Hall verorten. Auf den zweiten dann doch auf die Kreuzung Egger-Lienz-Straße und Andreas-Hofer-Straße. Die endgültige Klarheit ergibt sich durch das Dach-Türmchen des Hauses Egger-Lienz-Straße 10 rechts hinten. Das gibt es bis heute.
Wie selten eine andere Aufnahme lässt uns dieses Bild am Alltag der Menschen Teil haben. Wir befinden uns im Ersten Weltkrieg und die Menschen kommen leider nicht von einer amtlichen Lebensmittelverteilung, sondern ziemlich sicher – von einem der Kartoffelzüge ins Tiroler Oberland zurück. Verkürzt gesagt, war das der verzweifelte und illegale Versuch der Zivilbevölkerung von den (eigentlich) ablieferungspflichtigen Bauern Lebensmittel, vor allem Kartoffel, zu erwerben. Ein hochriskantes Katz-und-Maus-Spiel mit der (Militär-)Verwaltung, die das zu verhindern versuchte. Mit allen menschlichen, moralischen und sozialen Facetten.
Zurück zu unserem Foto. Zahlreiche Menschen strömen auf die Straßenbahn zu. Es herrscht wohl geordnetes Chaos. Es gibt erschütternde Berichte, wie die Polizei am Bahnhof die Heimkehrer abfing, die Beute konfiszierte und die Armen dann auch noch mit empfindlichen Strafen belegte. Wann die Monarchie zu einer Militärdiktatur verkam, ist schwer zu sagen. Die zahlreichen vollen Rucksäcke auf dem Foto lassen auf eine erfolgreiche Fahrt schließen. Wenn nur nicht noch eine Razzia des Militärs kommt.
PS: Ich weiß, dass wir das Bild schon einmal gesehen haben, aber es ist aus meiner Sicht zu wichtig, um es nicht wieder zu zeigen.
(Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck; Kr/Ph-128)