Bäriges Märchenrätselraten
Diese kolorierte Postkarte hat mich gleich beim ersten Anblick in ihren Bann gezogen. Eigentlich war ich auf der Suche nach Fotos von Braunbären in der Innsbrucker Umgebung. Doch auch dieses Bild hat mir die Datenbank ausgespuckt.
Es handelt sich um ein Stück aus einem der Postkartenalben von Günter Sommer. Noch eine Reihe weiterer märchenhafter Karten sind darin enthalten. Alle Darstellungen nehmen Bezug auf jeweils ein Märchen. Geschichten wie Hänsel und Gretel, der Froschkönig oder Rotkäppchen wurden gleich im Titel vermerkt. Auch bei unserem heutigen Foto war das der Fall, allerdings war mir dieses Märchen gänzlich unbekannt. Ich dachte vielmehr, der Titel wäre eine literarische Beschreibung des Bildes.
Zu sehen ist ein kleines Kind im weißen Kleid mit Puppe in der Hand. Es wirkt, als käme es geradewegs aus dem Bett gekrochen, doch stattdessen sitzt es auf dem Rücken eines Braunbären. Träumerisch blickt es von seinem Reittier herab, das nur ein kleines Stück größer ist als es selbst. Der Bär trägt einen gelben Kranz aus Blumen um den Hals. Den Kopf hat er zur Seite geneigt, das Maul leicht geöffnet. An seinem rechten Ohr zieht ein Zwerg. Dieser hält einen Wanderstock in der Hand und scheint den Bären den Weg entlang zu führen, mitten durch den Wald. Das Kind scheint so abgelenkt zu sein, als würde es vom Zwerg nichts mitbekommen.
Trotz des grimmig dreinblickenden Zwergs, der den Bären unsanft hinter sich herzieht, ist die Stimmung des Bildes mit seinen satten Farben und dem verträumten Kind auf seine Weise friedlich. Was das ungewöhnliche Trio im Wald erlebt, lässt sich nur durch eine Recherche herausfinden. Es sei denn, sie kennen das Märchen und die Moral der Geschichte schon? Ich muss zugeben, dass ich obwohl ich den Titel kenne, das Märchen bislang noch nicht gelesen habe und sehr gespannt bin auf Ihre Interpretationen in den Kommentaren.
(Stadtarchiv/ Stadtmuseum Innsbruck, sommer44-026)
Märchen kenne ich keines – wohl aber die Bezeichnung „Träumelinchen“, die früher gebraucht wurde.
Wann „früher“?
Nun, in meiner Volksschulzeit habe ich es gehört, wenn eine Mitschülerin ihren Gedanken nachhing, ohne zuzuhören…