Map Stories: #tirol atlas – die aktuellen Pilgerzahlen
In der ungewöhnlichen Publikationsreihe des Tirol Atlas, der von den 1960-ern bis in die 2000-er Jahre analog auf Papier gedruckte Landkarten herausbrachte, ist einen zweiten Blick aus der abgeklärten Gegenwart wert. Die Herausgerber:innen waren so freundlich, das gesamte Material sehr gut gescannt als creative commons online zu stellen, so gehört sich das mit Forschungen, die von öffentlicher Hand bestellt und gezahlt worden sind.
Es fällt auf, dass kurz vor der Erfindung der Euregio, in der dann der hochgeschätzte Trentino auch immer mitgemeint ist, eine Tirolkarte nicht ohne Südtirol erscheinen konnte. Das hat auch druckpragmatischen Nutzen, da Nordtirol so ein breiter dünner Landstrich ist und man auch nie weiß wo man Osttirol im Layout unterbringt. Also wird das dazwischen von den beiden genannten Landesteilen weggerissene Südtirol mitgedruckt. Ein wie der Autor dieser Zeilen in den 1970-er und 1980-er Jahren sozialisierter Schüler hätte einen andere Landkarte gar nicht als sein Heimatland erkannt. Ob es dafür noch mehr Beweggründe gab, haben wir jedenfalls damals nicht hinterfragt.
Als Einstieg in eine kleine Serie mit dem beim Tirol Atlas ausgeliehenen Material ein wenig Volkskunde, die hier im Heiligen Land Nordtirol gern katholische und abergläubische Traditionen zu einer archaischen Mischkulanz vermengt. Das Aufsuchen von geweihten Stätten ist ein allgemein geübter Usus quer durch die spirituelle Weltkarte. Spazieren, fasten, beten, das gibt es überall. Den Machern des Tirol Atlas lagen Zahlen vor, die heute wahrscheinlich nicht mehr zu eruieren wären. Datenschutz, Austritts-Serien und geänderte Wedding-Destinations ließen diese drei Karten heute kaum noch als relevant erscheinen. Zudem müsste man wohl heute auch die Frauen vorkommen lassen, die Anreise der Bräutigame allein auszuweisen ist für ein Hochzeitsbild rückblickend etwas eindimensional gedacht.
In drei Darstellungen werden nun Nord- und Südtiroler Wallfahrtsorte gezeigt, deren herausragende Eigenschaften offenbar zu besonders glücklichen Ehen mit vielen gesunden Kindern führen konnten. Die drei Mappen enthalten wie im Titelbild Absam und Trens, dann nachgereiht Fronwies (St. Lorenzen), Locherboden (Mötz), Maria Rast (Hainzenberg), Mariastein, Riffian und Zinggen (Brixen) und last not least Kronburg (Zams), Maria-Rast (Eppan), Maria Saalen (St. Lorenzen), Mariathal (Kramsach) und Wilten (Innsbruck).