Notabilitäten zu Gast in Igls – Teil V
Wir bleiben noch im Sommer 1910 und schauen uns an, wer uns neben der Familie Bienerth in der Sommerfrische sonst noch so über den Weg läuft. Im Kurpark treffen wir auf Stephan Baron (ab 1918 Graf) Burián von Rajecz (1852-1922), den k.u.k. Finanzminister. Seit 1903 ist er in diesem Amt und heuer verbringt er seinen Sommerurlaub zum ersten Mal in Igls. Zunächst geht er aber ein paar Tage nach Brixen, erst dann lässt er sich in dem mondänen Höhenluftkurort südlich von Innsbruck nieder. Und auch ihn ruft zwischendurch die Pflicht. Ende Juli muss er zur Audienz nach Bad Ischl reisen, um „dem Monarchen über die Vorgänge im bosnischen Landtage, insbesonders über den faktischen Zusammenschluß der Serben und der Mandicgruppe und über die Pläne der bosnischen Landesregierung“ zu referieren. Um den 10. August dürfte er dann über München nach Wien zurückgekehrt sein, um – wie Baron Bienerth – an den Feierlichkeiten rund um den 80. Geburstag des Kaisers teilzunehmen. Danach fährt Burián aber nicht mehr nach Igls zurück, sondern besucht Verwandte in Siebenbürgen …
Und was erwartet uns eigentlich im Sommer 1910 in Igls? Nun, da wären „das idyllisch gelegene neue Kurhaus“, „ein exquisites Vergnügungsprogramm“ und „der prächtige Lawn Tennisplatz“, auf dem Anfang August sogar ein internationales Turnier ausgetragen wird. Das wollen sich angeblich auch Prinzessin Marie Therese von Bayern (1849–1919) und ihre Tochter, Prinzessin Hildegard von Bayern (1881-1946), nicht entgehen lassen. Zumindest vermeldete am 15. Juli 1910 Dillinger’s Reisezeitung deren Ankunft „zum längeren Aufenthalte“. Allerdings lassen sich über ihre Sommerfrische in Igls keine weiteren Informationen finden …

(Titelbild: StAI, Ph-34634)