Schlangenmenschen
In einer Schlange zu stehen ist eine zwar oft unangenehme aber zumindest egalitäre Kulturtechnik, deren Regeln denkbar einfach sind: hinten anstellen, kein Vordrängeln. Über Grenzfälle, wie für jemanden den Platz zu halten, lässt sich natürlich streiten bzw. gab und gibt es wohl unzählige – auch handfeste – Diskussionen. In der Schlange zu stehen gehört für uns zum täglichen Brot, mal sind die Schlangen länger, in denen man wartet, mal kürzer. Während das Anstehen lange Zeit Ausdruck eines Mangels war und wir dieses etwa mit Lebensmittelausgaben in Krisenzeiten verbinden, ist in der Schlange zu stehen heute oft ein kleines Übel. Ja, oftmals ist dies fast schon Teil des Marketings und Ausweis darüber, wie begehrt ein Produkt oder eine Dienstleistung ist. Dann campen Menschen sogar vor Geschäften, wenn es etwa um den Verkaufsstart einer neuen Spielkonsole oder eines Turnschuhs geht. Man ist Teil einer Gruppe, teilt eine gemeinsame Erfahrung und diese dann im Internet: #dielaengsteSchlangederWelt #Warten #noCutsnoButsnoCoconuts
Gleichzeitig hat sich ein in unseren Breiten das in der Schlange stehen häufig in den virtuellen Raum verlagert und man hängt ewig in der Warteschlange einer Hotline – da stehe ich mir doch lieber meine Beine in den Bauch, als zum hundertsten Mal dieselbe Tonbandansage zu hören. Auch die Menschen auf dem Bild stehen noch ganz real in einer Schlange und warten darauf, ihr Geld wechseln zu können – noch so etwas, worauf wir heutzutage nur mehr selten warten müssen. Wissen Sie, wo die Menschen stehen?
(Stadtarchiv/Stadtmuseum KR-NE-3226)