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8 Monate Anno 1902 (53)

8 Monate anno 1902 (53)

Heute ist es soweit. Abschied von Andlklaus. Für Marie damals natürlich nur für einige Monate, aber für dieses Tagebuch (und damit diese Seite) war es das. Und der Sommer ist vergangen, ohne dass ich in diese Gegend hinaufspaziert wäre…

Weil es, so viel sei verraten, auch der Abschied von Hall ist, sei hier noch einmal die Lokalbahn, die Marie so häufig benutzte und mehr oder weniger liebevoll erwähnte, gewürdigt. Mit Dampf betrieben, wie anno 1902; elektrifiziert wurde sie erst ein paar Jahre später. Links im Hintergrund übrigens die Hausaufschrift „Hallerbötin Dignös“. Eine Hallerbötin hatten wir schon einmal, lang lang ist’s her…

Nun wird also wieder nach Innsbruck übersiedelt, aber die Hoffnung, endlich wieder einmal für einige Zeit in der Stadt zu bleiben, an die wir uns laut Titel auf diesem Blog eigentlich erinnern sollten, wird sogleich enttäuscht. Nein, drei Tage nach der Übersiedlung war bereits eine Reise nach Paris geplant. Ins „Reich der Träume“, wie Marie aus Anlass des Abschieds dichtete. Offenbar ein langgehegter Wunsch. Und wenn ich ihre Reime richtig deute, dann mischte sich in Maries Vorfreude auch eine gewisse Unsicherheit, ob sich die Realität wohl mit ihren Vorstellungen decken würde….

6. Oct. [1902] Montag. Heute wurde nach Innsbruck übersiedelt; Regen u. sehr kalt. Lb. Frau Mutter besorgte das Sperren etc, weshalb wir schon um 1h per Tram herauf fuhren, wo es bedeutend wärmer u. angenehmer ist; nur die Zimmer sind heuer noch nicht aufgeräumt. Lb. Onkel Nicolaus befindet sich nun wohl, weshalb wir am Donnerstag nach Paris wollen.

7. u. 8. Oct. [1902] vergiengen mit Einpacken für die Pariser-Reise etc. Fr. Mutter war auch heroben, um noch Abschied zu nehmen.

So leb‘ denn wohl, mein Land Tirol,

Morgen zieh‘ ich fort von hier

Wenn’s in der Ferne uns geht wohl

Hoff‘ ich auf Wiederseh’n mit Dir!

Ich grüß‘ Euch noch, Ihr Tannenbäume,

Wappenzier vom T’roler Land!

Morgen geht’s in’s Reich der Träume,

Wo manche Sehnsucht Ruhe fand.

Gallien, fernes Gallien Du,

Wie wirst Du mir wohl scheinen? –

Bringst‘ Du dem alten Wunsch Ruh? –

Lehrst Du mich lachen oder weinen? –

Jetzt scheint die Antwort mir ganz leicht,

Wer weiß, wie dann es ist! –

Am besten mich der Spruch dann däucht:

Der glücklich, der vergisst!

Innsbruck, den – October 1902.

Text: Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck, Cod-2072-1 (Transkription: Katharina Schilling)

Bild: Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck, Ph-32163.

Hier geht es: Zum nächsten Eintrag (falls schon vorhanden), zum vorhergehenden Eintrag und zurück an den Beginn des Tagebuchs.

Dieser Beitrag hat 6 Kommentare
  1. Der Sinn des Manövers erschließt sich mir auch nicht, das Ochsengespann zieht die Lok? Hinüber zur kleinen Remise? Ausschauen tuts eher, wie wenn die Lok mit einem Beiwagen dran im Rückwärtsgang an die anderen zwei Beiwagen ankoppeln möchte.

  2. Habe mit dem Herrn Kreutz über das Bild gesprochen. Irgendwie schaut es nach einer Fotomontage aus, es sind zwei Querformatbilder zusammengestellt.

    1. DAS ist eine gute und m.M. die einzig richtige Erklärung. Für eine Photomontage spricht auch das Verschwinden der zweiten, dünneren Kette im Nichts, oder eine Geisterhand hält sie am Schweben, bis sie knapp links vom Baumstamm aufhört. Statt dessen sieht man abstrakte Krakeleien, die die „Naht“ im wahrsten Sinn des Wortes vertuschen.. Die dicke Kette wurde in ähnlicher Weise, jetzt, wo der Verdacht erhoben wurde, sogar recht plump gegen die Gesetze der Mechanik dazugemalt.

      Wahrscheinlich ein Spottbild. Und eine Rarität.

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