skip to Main Content
#bilderschauen --- #geschichtenlesen --- #gernauchwiederimarchiv
8 Monate Anno 1902 (33)

8 Monate anno 1902 (33)

In den heutigen Einträgen erwähnt Marie jemanden, der in den bisherigen Tagebuchausschnitten noch nicht vorgekommen ist: Excellenz v. Wannisch mit Frau. Interessant ist das insbesonders, da der pensionierte Feldmarschall-Leutnant Wilhelm Edler von Wannisch in der Karlstraße 14 wohnte – also im gleichen Haus wie die Familien Wollek und Posch/Cornet.

Wie aus dem Nachruf im Allgemeinen Tiroler Anzeiger vom 31. März 1922 hervorgeht, war der am 6. Oktober 1836 in Kapfenberg geborene Advokatensohn mit 18 Jahren als Kadett dem Infanterieregiment 14 beigetreten und hatte an den Schlachten von Magenta, Solferino und Königgrätz teilgenommen. „Während der nun folgenden verschiedenen Verwendungen im Generalstabe […] trat er anfangs der 70er-Jahre zum erstenmal in nähere Beziehungen zu Tirol: während eines längeren dienstlichen Aufenthaltes in Innsbruck vermählte er sich hier mit der Tochter eines angesehenen Innsbrucker Bürgerhauses, Luise, geb. Kramer.“

Die Beziehung zu Tirol blieb zunächst auf das Familiäre beschränkt, den der Dienst rief zur Okkupation nach Bosnien und dann nach Graz, in die Vojvodina nach Ungarisch-Weisskirchen (heute Bela Crkva in Serbien) und ins siebenbürgische Großwardein (Ordea in Rumänien).

Jedoch verbrachte die Familie die Sommerfrische zumeist in Tirol, vor allem in Matrei. „Nach 40 Dienstjahren trat er im Jahre 1894 in den Ruhe­stand und wählte sich als großer Naturfreund die Haupt­stadt unseres Landes, zugleich die Heimat seiner Gattin, als Aufenthalt.“ In seiner Pension publizierte Wannisch insbesondere zu Eisenbahnfragen und Militärthemen. Darüber hinaus waren er und seine Gattin in verschiedenen gesellschaftlichen und sozialen Funktionen aktiv; dies im Detail nachzurecherchieren oder nachzuverfolgen würde hier zu weit führen.

Staunenswert war dabei insbesondere der Umstand, daß das zunehmende hohe Alter des Feldmarschalleutnants sei­ner geistigen Frische, dem lebhaften Interesse für alle öf­fentlichen Angelegenheiten keinen Eintrag zu tun schien. Wie der alte Herr bis vor kurzem noch mit bewundernswer­ter Rüstigkeit, aufrecht und elastisch feines Weges schritt, wie er bis wenige Wochen vor seinem Tode seine schönen, festen Schriftzüge beibehielt, so blieb auch sein Gedächtnis frisch, sein Geist rege und arbeitsam.

Am 30. März 1922 starb Wannisch im Alter von 85 Jahren, nachdem er fünf Wochen davor einen Schlaganfall erlitten hatte. „Mit ihm verliert unsere Stadt eine der sympathischesten Erscheinungen aus der hiesigen Gesellschaft: das Altösterreichertum verliert einen Mann von goldener Treue, einen hervorragenden, kampferprobten Offizier von glänzenden Fähigkeiten und edelstem Charakter: das konservative Oesterreich verliert einen überaus vertrauenswürdigen Gesinnungsgenossen,“ so der Nachruf.

7. Juli [1902], Montag. Heute vor einem Jahre war in (die) Hall die große Festfeier in der von Waldauf‘schen hl. Kapelle. Wir giengen nach Stallsins; Hr. Jenewein u. ich blieben länger drinnen, um die Alpe zu malen. Wetter sehr schön.

8.VII. [1902] Dienstag. Wieder schön, nur windig.

9. “ [1902], Mittwoch. “ “, 19 Grad Wärme.

10. “ [1902]. Wir befürchteten ein Gewitter, aber umsonst.

11. “ [1902]. Nachmittags regnete es ein wenig; in Largoz hagelte od. schneite es, denn ein Theil der Wiesen war weiß bedeckt. Gegen 9h abends kam Pohl Anton mit Herrn Hauck an; letzterer hatte die Güte, mir verschiedene photografische Sachen heraufzubringen.

12.VII. [1902] Samstag. Anderl-Fest in Judenstein. Man hörte deutlich die Pöller bis herauf; morgens kühl, 4° R im Freien, schön. Abends kam Schmarl mit dem Proviant u. nahm seinen Sohn mit; bis auf ein Bett, war also die ganze Hütte besetzt, denn auch Herr Hauck u. Anton gehen erst morgen heim.

13. Juli 1902, Sonntag.

Wieder begünstigte uns der Himmel zu unserm Kirchgang, an dem wir alle theilnahmen mit Ausnahme des Herrn Haucks, der in Tulfes zur hl,. Messe gieng, u. Anton‘s, welcher nach Hall eilte. Um 8h war der von Hw. Herrn Pfarrer Laux celebrierte Gottesdienst; nach der deutschen Verlesung des Evangeliums war eine Predigt über den Wert des guten Gewissens.

Als nach ½ 9h die kirchliche Feier beendigt war, stärkten wir uns noch in der nahen Veranda, wo wir viel Bekannte trafen, z. B. Excellenz v. Wannisch mit Frau, Erlerbau etc. Erst um ¾ 10h traten wir den Aufstieg an; die beiden Stiftsalpen wimmelte von Touristen. Wir kamen um 11 ¼h auf der Wetterburg an; dort war‘s stille. L. Onkel Nicolaus und Herr Jenewein legten sich nieder, wir Übrigen aßen einen Semmelschmarrn zu Mittag; dann zeichnete ich für Martha ein Briefpapier u. schrieb ihr. Abends giengen die beiden Schmarl nach Hall.

14.VII.1902. Montag. Wieder schön! Wir wollten just uns zum Spaziergang nach Stallsins anschicken, als fortwährendes „Juchez’n“ ans Ohr uns schlug. Wer erschien wohl? – Huisig‘n Franzl mit Madeleine! Wir begrüßten sie herzlichst u. holten dann Milch und Butter.

15. Juli [1902]. Immer schön. Vormittags Stallsinsgang; nachmittags Stickerei u. Photografie. L. Onkel Nicolaus u. Anton giengen mit Herrn Novàk auf‘s Rosenjoch zur Gemsenjagd. Am Samstag, d. 12. l. M., waren l. Tante Anna u. Herr Jenewein sowie ich beim Schwarzbrunnen; es war heiß; doch lag noch sehr tief eine große Lawine.

16. Juli [1902], Mitwoch. Auch wieder schön; wir standen ziemlich früh auf, um das Schaf einzusalzen; dann gieng‘s nach Stallsins.

17. Juli [1902], Donnerstag. Nachmittags waren im Unterinnthal einige arge Gewitter; bei uns that es nicht viel. Excellenz Wannisch besuchte uns.

Text: Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck, Cod-2072-1 (Transkription: Katharina Schilling)

Bild: Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck, Slg. Günter Sommer Bd. 36, Nr. 21 (Blick auf Rinn, um 1910).

Hier geht es: Zum nächsten Eintrag (falls schon vorhanden), zum vorhergehenden Eintrag und zurück an den Beginn des Tagebuchs.

Dieser Beitrag hat 3 Kommentare
  1. Wieder ein wunderbarer Einblick in die Welt von Marie, vielen Dank!

    Wenn Exzellenz von Wannisch 1836 geboren wurde, kann er nicht schon am 30. März 1822 gestorben sein, wie es im Text geschrieben steht…. Sie meinen wohl bestimmt 1922, lieber Herr Bürgschwentner?

    1. Lieber Herr Auer! Sie haben völlig Recht und somit den Test bestanden. Ich habe diesen Fehler natürlich absichtlich eingebaut um herauszufinden, ob sie den Beitrag auch aufmerksam lesen! 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Back To Top
×Close search
Suche