skip to Main Content
#bilderschauen --- #geschichtenlesen --- #gernauchwiederimarchiv
8 Monate Anno 1902 (17)

8 Monate anno 1902 (17)

Am 27. April 1902 bot sich Marie die spontane Gelegenheit, mit Frau Wollek nach Schwaz zu fahren (das 3 Jahre zuvor zur Stadt erhoben worden war). Der diesbezügliche Tagebucheintrag ist der ideale Anlass, um einen etwas genaueren Blick auf die Familienverhältnisse zu werfen.

Wir rufen uns in Erinnerung, dass Marie am 16. Februar 1883 geboren wurde, ihre Mutter Marie Fuchs 12 Tage darauf im Kindbett verstarb. Da ihr Vater bereits ein Jahr später, am 10. Februar 1884, wieder heiratete, wuchs Marie bei verschiedenen Verwandten und in Thurnfeld auf. Die Ehe von Dr. Albert Cornet mit Angelika von Gasteiger war sehr kinderreich, innerhalb der folgenden 11 Jahre kamen in bewundernswert knappen und regelmäßigen Abständen neun Kinder zur Welt. (Die in Klammern gesetzten Informationen stammen zumeist aus den Todesanzeigen der Eltern, die beide 1932 verstarben.)

  • 19. März 1885 Josefine Cornet (später verh. mit Sergius von Miloradovitch)
  • 28. Oktober 1886 Albert Cornet (später Dr., Sektionsrat im Handelsministerium)
  • 22. Oktober 1887 Friederike „Frieda“ Cornet (später verh. mit Robert Blaas)

Josefine wurde wie Marie in der Fallmerayerstraße 9 geboren, Friederike hingegen in der Maria-Theresien-Straße 46 in Innsbruck. Ab Herbst 1888 lebte die Familie dann in Schwaz, wo Albert Cornet am 6. Oktober 1888 eine Advokaturskanzlei in der Oberen Marktgasse 136 (später Franz-Josef-Straße 152 bzw. heute Franz-Josef-Straße 8) eröffnete und wo auch die folgenden Kinder geboren wurden.

  • 20. Oktober 1888 Rudolf Cornet (Dr., Advokaturskandidat, fiel am 4. April 1916)
  • 27. September 1889 Bianka Cornet (später verh. mit Hermann Baron Handel-Mazzetti, Regierungsrat)
  • 15. Oktober 1890 Wilhelmina „Wilma“ Cornet (später verh. mit Louis Unterlechner, Kaufmann)
  • 6. September 1891 Elisabeth „Elsa“ Cornet (später verh. mit Emil Iten, Fabrikant)
  • 20. November 1893 Valeria Cornet
  • 24. Februar 1895 Anton Hermann Cornet (später Dr., Rechtsanwalt)

Diese Schwazer Komponente ist auch insofern interessant, da Marie die „liebe Mutter“ im Eintrag von letzter Woche auf dem Weg nach Volderwald und auch in der Vergangenheit bei Hall-Fahrten besuchte (z. B. zu Ostern), bzw. diese (wenn erwähnt) mit der Tram – also aus Hall – heraufkam. Ich bin deshalb bislang davon ausgegangen, dass die ganze Familie in Hall wohnte, was aber offensichtlich nicht der Fall war (und im Nachhinein fällt nun schon auf, dass Marie dort stets nur die liebe Mutter, aber nie den lieben Vater besuchte). Das gibt nun zwei Rätsel auf: Wie war der Alltag der Großfamilie Cornet zwischen Schwaz und Hall organisiert? Und wer sind die bereits öfters erwähnten „Hallerhauskinder“ – bei der (Stief)Mutter in Hall lebende Halbgeschwister oder aber Verwandte mütterlicherseits?

25. April. Ich hatte es sehr eilig, um das Geburtstagsgeschenk für l. Tante Anna fertig zu bringen.

26. April, Geburtstag der lieben Tante Anna!

Morgens schloss ich vor allem die heute Gefeierte in mein Gebet ein; beim Kaffee gratulierte ich gewöhnlich, dann aber richtete ich im Speiszimmer die Geschenke her: einen gestickten Tastenschützer, eine Vase aus Glas mit 2 Rosen darin, ein Teller mit „Vergißmeinnicht u. 2 Teller selbstgebackener Wr. Hohlehippen. Beim Nachhausekommen wurde die liebe Tante Anna damit überrascht, während ich in der leçon française war. Unterdessen kam die liebe Frau Mutter herauf u. brachte einen Sudhafen. Nachmittags blieben wir zuhause und nähten an meinem neuen blau- und weiß gestreiften Satinkleidchen.

27. April, Sonntag. Unverhofft interessant gestalte sich der heutige Sonntag für mich. Vormittag war Frau Wollek herüben u. erzählte, dass sie nachmittags nach Schwaz fahre, eine Freundin besuchen. Ich fasste diese Gelegenheit gleich beim Schopf u. bat die liebe Tante Anna, mich hinunterfahren zu lassen, was sie auch erlaubte. Auch Frau Wollek nahm mich gerne mit u. so verließen wir um 1.22 per Bahn Innsbruck u. dampften in‘s Unterland. Leider war kein zu Reisen so angenehmer Frühlingstag, denn es blies ein eisiger Ostwind u. die Wolken hiengen tief in die Berge hinein. In Schwaz begleite mich Fr. Wollek zur Behausung, wo der liebe Papa wohnt u. auf meine Frage nach demselben hieß es, nur Frl. Josefine sei zu sprechen. Frl. Josefine erschien dann u. war erstaunt mich zu sehen; sie erzählte, Papa sei fischen gefahren, Mama habe sich die Influenza geholt u. liege im Bett. Sie führte mich zu ihr hinein u. sie war sehr freundlich mit mir. Ich musste dort Kaffee trinken u. dann führte mich Josefine zu Frau v. Gasteiger, welche mich ebenfalls willkommen hieß. Beide giengen dann mit mir zur Franziskanerkirche, um mir den sehenswerten Kreuzgang zu zeigen, der aber leider geschlossen war u. läuten wollte ich nicht. Nach kurzer Besichtigung der neu geadelten Stadt, kehrten wir in die Wohnung des lieben Papa zurück, der mittlerweile selbst angekommen war u. mich herzlichst empfieng. Ich wurde trotz meines Sträubens mit Bier und Salamie bewirtet, u. um ¾ 6 Uhr holte mich Frau Wollek wieder ab. Da es aber noch viel zu früh zum Zug war, lud sie Papa ein, sich hereinzusetzen u. so verfloss die letzte ½ Stunde auch noch sehr angenehm. Nun bedankte u. verabschiedete ich mich u. wir giengen dem Ostwind trotzend zum Bahnhof. Dort blickten wir hinauf zu dem Georgenbergerweg! – Blühende Kirschbäume blicken von oben herunter, schade, dass keine Sonne scheint! – Nun fuhren wir heimwärts u. waren im Nu in Innsbruck angelangt! – Abends kam Fr. Wollek herüber.

Text: Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck, Cod-2072-1 (Transkription: Katharina Schilling)

Bild: Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck, Ph-15687. Die undatierte Postkarte zeigt die Franz-Josef-Straße in Schwaz, in der Maries Vater Dr. Albert Cornet wohnte und arbeitete.

Hier geht es: Zum nächsten Eintrag (falls schon vorhanden), zum vorhergehenden Eintrag und zurück an den Beginn des Tagebuchs.

Dieser Beitrag hat 21 Kommentare
  1. Die Tochter Valeria wurde 1893 auf den Namen Valeria Anna Angelika Maria getauft. Patin war Anna von Gasteiger, Advokatensgattin in Neumarkt am Wallersee bei Salzburg. Die Patin wurde durch Josefine von Gasteiger bei der Taufe vertreten.

    Valeria Cornet starb am 29.03.1968 in Solbad Hall.

  2. Der Sohn Anton wurde 1895 auf den Namen Anton Hermann Andrä von Rinn Maria getauft, eine ungewöhnliche Namenskombination, welche die damalige Frömmigkeit illustriert.
    Er heiratete 1934 im Wiener Stephansdom seine Frau Mathilde. Er starb 1979 in Innsbruck.
    Pate war Hermann von Gasteiger, Vater der Mutter und somit sein Großvater.

  3. Pate der Tochter Elisabeth Cornet war Otto von Gasteiger, k.k. Bezirks-Commissär in Mährisch-Schönberg, vertreten durch Josefine von Gasteiger. Eine weitverzweigte Familie!

  4. Die Tochter Wilhelmina wurde laut dem Taufbuch nicht am 15. sondern am 5. Oktober geboren. Patin war Josefine von Gasteiger, Landesgerichtsratsgattin.

    Sie und Elisabeth wurde noch im Haus Marktgasse 136 geboren, die Kinder Valeria und Anton jedoch im Haus Marktgasse 111. Entweder wurden die Häuser umnummeriert, oder die Familie ist umgezogen, vielleicht in eine größere Wohnung wegen der wachsenden Kinderzahl.

    Die Heirat mit Alois Unterlechner war 1920 in Rotholz. Sie starb 1960 in Innsbruck.

  5. Die Tochter Blanka wurde auf den Namen Blanka Angelika Maria getauft. Sie heiratet 1914 in Schwaz und stirbt 1978 in Innsbruck.

    Patin war Frau Blanka von Hebenstreit, Statthaltereirats-Gattin von Innsbruck, was auch die Namenswahl erklärt.

  6. Die Patin von Marie, geboren 1883, war Antonia Cornet, Witwe in Hall, vertreten durch Maria Cornet.

    Die Patin von Friederika war Anna von Strassern, Hauptsteuer-Einnehmers-Gattin. Der Vater Albert Cornet war damals k.k. Finanz-Prokuraturs-Konzipient.

  7. Der Pate von Albert Hermann Josef Maria Andreas von Rinn Cornet war Hermann von Gasteiger, k.k. Landesgerichtsrat.

    Die Patin von Josefine Cornet war Josefine von Gasteiger, k.k. Landesgerichtsratsgattin, wohl die Frau des Hermann von Gasteiger.

    Auffällig ist auch, dass Buben einen männlichen Taufpaten und Mädchen eine weiblichen Taufpaten bekamen. Heute ist das nicht mehr so streng.

  8. Die Heirat von Dr. Johann Christian Grass mit Marie Cornet war 1912 in Hall.

    Der Bräutigam stammt interessanterweise aus Bürs in Vorarlberg. Er ist Sohn des Tischlermeisters Anton Grass und der Josefa Ganterer. Von Bürs hatten wir hier bereits das eine oder andere Rätselfoto.

    Die Trauzeugen waren Karl Grass, Bauer, und der akademische Maler Franz Fuchs, ein Verwandter mütterlicherseits von Marie.

  9. Die Beerdigung des Großonkels Reinhold von Gasteiger war im Jänner 1905 in Innsbruck:

    „(Beerdigung.) Gestern nachmittag 4 Uhr
    fand nnter ehrender Teilnahme die Beerdi-
    gung des Herrn Reinhold von Gasteiger,
    Obersten i. P, statt. Den großen Trauerzug
    eröffnete ein Halbbataillon Kaiserjäger mit der
    Regimentsmusik, dann folgte die Geistlichkeit,
    der Leichenwagen, flankiert vou Chargen des
    Landesschützen-Regiments Innsbruck, die Ange-
    hörigen, sowie die Verwandten des Verstorbe-
    nen und eine große Zahl anderer trauernder
    Teilnehmer darunter befanden sich. in Vertre
    tung des Herrn Statthalters der Stalthalterei-
    Vizepräsident Freiherr v. Reden, Sektionschef
    v. An der Lan, die Generale Köveß von
    Köveßhaza und v. Rukavina, Bezirks-
    hauptmann Baron Rungg, Pllatzkommandant
    Oberstltn. Czerny, Offiziere, Beamte der Statt-
    halterei, Gerichts- und Militärbeamte u. a. Den
    Leichenzug beschlossen zwei Kompagnien Lan-
    desschützen.“

    1. Die Tante Anna wurde am 26. April 1865 auf den Namen Anna Maria Margereta Alacoque Fuchs getauft, Vorbild ist eine Nonne und Mystikerin aus dem 17. Jahrhundert.
      Sie feierte 1902 in dieser Woche des Tagebuchs also den 37. Geburtstag.
      Tante Anna hat sich über die Geschenke von Marie bestimmt sehr gefreut.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Back To Top
×Close search
Suche