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Nachteulen

Nachteulen

Es ist schwer zu sagen, ob Jörg Thien die Bilderwelt Edward Hoppers kannte. Dennoch verströmt diese starke Aufnahme ein wenig die Aura des berühmten „Nighthawks“-Bildes. Wenn die Nacht über Innsbruck hereinbrach, nahm der Fotograf sein Stativ und machte exakt belichtete Serien von Neon-beleuchteten Schaufenstern und Straßenszenen. Ein paar Bilder haben wir hier schon gezeigt… die bei Regen und schlichter Weihnachtsbeleuchtung entstandenen Aufnahmen sind besonders schön geworden und so wenig sich unsere lieben jugendlichen Leser*innen mit einem iPhone 12 vorstellen können, dass aus diesen Fotos höchste handwerkliche Perfektion zu uns spricht, so gut verstehen es Fotoamateure, die einst in analogen Zeiten ausgezogen sind, um die Lichter der Kleinstadt auf Zelluloid zu bannen.

Nachtrag: Weil hier im Forum recht arge Verwirrung herrschte wo denn diese Tankstelle gestanden sei bin ich einfach untertags noch einmal hingegangen:

Dieser Beitrag hat 19 Kommentare
        1. Lieber Herr Auer,

          Sie sind ohne jeden Zweifel einer unserer härtesten Bild-Rätsellöser, aber haben Sie auch ein Haus zu bieten, das, wie mein Innrain-Beleg, mit baugleichem Eck-Dekor in der Meinhard-Straße hinter der Tankstelle hereinlugen würde? Bis dahin bestehe ich auf der Uni-Kreuzung…

          1. Es gibt noch ein zweites Foto, welches die These untermauert, dass es sich um die Shell-Tankstelle in der Meinhardstraße handelt:
            https://digital.onb.ac.at/rep/osd/?10C4ECE3

            Die Anordnung der Laternen und das große Shell-Leuchtschild passen exakt zum Rätselbild…. Auch die Anordnung der Zapfsäulen stimmt überein.

            Ja, das Hauseck, welches links mit der charkateristischen weißen Ecklisene hereinlugt, müsste als baugleicher Eckdekor zum dreistöckigen Eckhaus Meinhardstraße / Museumstraße gehören, im Luftbild ist das betreffende Haus neben der Tankstelle gut zu erkennen:
            http://innsbruck-erinnert.at/farbe-im-spiel/

            An der fraglichen Stelle am Innrain gibt es weiters kein dreistöckiges Gebäude neben der Tankstelle…..
            Ob diese Argumente überzeugen? 😉

          2. Guten Morgen, Herr Auer! Für mich war es vom Anfang an klar, dass Sie richtig liegen! In erster Linie deshalb, da ich noch die Tankstelle im Kopf hatte, mit den Parkflächen daneben und dem Waisenhaus dahinter. Dies alles wurde ja erst nach dem Auflassen und Zuschütten des Sillkanals ermöglicht. Dass ich trotz der gegenteiligen Meinung von Herrn Hofinger für die Meinhardstraße war, sogar mit einem Argument (Scheuchenstuelsches Waisenhaus bei uns einfach „das Waisenhaus“ genannt), können Sie aus meinem fast zeitgleichen Beitrag gestern abends ersehen. Wobei ich noch feststellen möchte, dass Ihr Beitrag bei mir noch nicht zu sehen war, als ich schrieb.
            Das alte Gebäude des Waisenhauses wurde übrigens 1979 abgerissen, wie aus einem Zeitungsbericht zu entnehmen ist:
            https://www.meinbezirk.at/hall-rum/c-leute/historisches-buch-ueber-die-scheuchenstuel-stiftung_a755041

          3. Guten Morgen auch von mir, ich gebe mich den guten Argumenten und Bildvorlagen geschlagen. Die Tanke war in der Meinhardstraße. Perfide ist, dass auf meinem zum Vergleich herangezogenen Bild,
            http://innsbruck-erinnert.at/gleissende-haeuserschluchten/
            das vor dem Zweiten Weltkrieg aufgenommen wurde, das Waisenhaus diese charakteristischen Eckverzierungen noch nicht zeigt.

  1. Natürlich die Meinhard Tankstelle! Die hätte ich auf den ersten Blick erkannt. Ich habe meinen schon geschriebenen ersten diesbezüglichen Kommentar vor dem abschicken wieder gelöscht, weil ich mir dachte, Offensichtliches brauch ich jetzt auch nicht zu kommentieren. So kann man sich täuschen.

    Aber auch ohne Verortung zeigt das Bild eine mittlerweise beinahe ausgestorbene Spezies, den Tankwart. Es ist ein Vexierbild, erst in der Vergrößerung sieht man ihn deutlich. Dahinter die Kundschaft mit Hut und Mantel. Ein Gentleman, der ausstieg, wenn der Benzinaio am Arbeiten war. Nur Prolos blieben im Auto sitzen.

    https://s20.directupload.net/images/210305/ku98i7xd.jpg

    Die Meinhard Tankstelle mit stadtbekanntem Pächterpaar war Tag und Nacht geöffnet. Sogar zu Weihnachten. Ich erinnere mich an einen Nachbarn, der an einem streng kalten Weihnachtsabend mit drohender Überschreitung der -20 Grad Grenze unbedingt noch Frostschutz nachschütten wollte und dieser nur bei dieser Tankstelle zu erhalten war. Schöne Weihnachten.

    1. Guten Tag Herr Hirsch,
      ich habe eine Frage: Sie schreiben hier – erst in der Vergrößerung sieht man… Ich suche schon länger nach einer Möglichkeit am PC in die Bilder hinein zu zoomen, was habe ich da noch nicht gefunden oder bezieht sich Ihre Aussage auf ein Smartphone-Display?

      1. Schönen Abend Herr Ritzenfeld,

        ich mache , da das Speichern mit der rechten Maustaste nicht geht, einen Screenshot (mit der „Druck“-Taste und speichere diese Kopie mit Strg-V in einem Bildbearbeitungsprogramm ab. Ich verwende dazu das einfache Irfanview Program, welches eine jahrzehntelang bekannte und sichere Software ist. Die Software verfügt außerdem über einige Tricks wie Bildschärfen, Farbkorrektur und Negativumwandlung. Letzteres hilft oft beim Entziffern von unleserlichen Buchstaben, die im Negativ oft besser lesbar sind.
        Sie können aber auch – wenn Sie Windows verwenden, das systemeigene Paint verwenden, kann halt nicht so viel, aber Vergrößern geht auch.
        Ich beantworte gerne Fragen.

        1. Vielen Dank für die ausführliche Antwort Herr Hirsch, die habe ich erst heute endeckt.
          Mit Irfanview arbeite ich schon lange gerne aber auf diese Idee bin ich nicht gekommen.

  2. Vielen Dank Herr Roilo für den Hinweis auf das Scheuchenstuel´sche Waisenhaus! Der Name und Zweck dieses Gebäudes war mir bisher unbekannt.
    Schön, dass dieses Tankstellenbild nun eindeutig lokalisiert ist.

    Auf der Website des Mädchenheims Scheuchenstuel findet sich sogar ein kleines Bild, welches wohl genau den Standort der Tankstelle am früheren Sillkanal zeigt:
    https://www.scheuchenstuel.at/maedchenheim/das-haus/geschichte

    1. Dieses riesige Scheuchenstuel’sche Areal nahm ja seinerzeit ein gutes Drittel des Geviertes Museumstraße – Bruneckerstraße-Brixnerstraße – Meinhardstraße ein. Das Waisenhaus selbst stand nur teilweise entlang der Museumstraße, der Rest war eine Grünfläche, welche am Nordosteck (Museumstraße / Bruneckerstraße durch eine hohe Mauer umschlossen war.
      Diese Mauer kann man auf http://innsbruck-erinnert.at/unterwegs-mit-pfarrer-goehlert-viii/ sehen.
      Während des Krieges befand sich dahinter ein Löschwasserteich (laut einem Eintrag von Herrn Svehla in diesem Beitrag)

  3. Die wechselvolle Geschichte des Scheuchenstuel´schen Waisenhaus ist sehr spannend:

    1843 wurde das Haus von den Jesuiten als Schülerheim erbaut. 1848 kaufte der Brixner Bischof das Haus für ein Studentenheim. Bereits 1849 kaufte jedoch der Turnusverein das Gebäude, um darin ein Militärspital einzurichten. Nachher pachtete die Stadtgemeinde Innsbruck das Haus für Sozialwohnungen bzw. als „Armeleutkaserne“, wie es damals hieß. Die Mieter verheizten jedoch die Zimmertüren, sodass das Haus bald eine Ruine war.
    Anschließend wurde das Gebäude vom Turnusverein renoviert und als Zinshaus selbst vermietet, bis die unermüdliche Wohltäterin Josefine von Scheuchenstuel das Anwesen erwarb.
    1869 übersiedelten die Waisenkinder in das neue Heim.
    So wird die Hausgeschichte in den Innsbrucker Nachrichten vom 20. März 1907 in aller Kürze geschildert….
    https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=ibn&datum=19070320&seite=3&zoom=33&query=%22scheuchenstuel%2Bwaisenhaus%22~10&ref=anno-search

    1. Ein herrlicher und sehr lesenswerter Artikel aus den Innsbrucker Nachrichten 1907! Danke, Herr Auer, dass Sie diesen Link hier eingestellt haben! Ich wiederum bin für mich froh, dass ich gestern das Scheuchenstuel’sche Waisenhaus ins Spiel brachte. Habe dadurch allerhand Neues und Interessantes erfahren

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