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„Mit Der Schwebebahn Den Berg Hinauf Gekrochen“

„Mit der Schwebebahn den Berg hinauf gekrochen“

Am 8. Juli 1928 ging die Sektion I (Seegrube) der Nordkettenbahn in Betrieb und wenige Tage später auch die Sektion II (Hafelekar); die Landeshauptstadt war um eine Attraktion reicher. In der Lokalpresse wurde geradezu euphorisch über die Eröffnung berichtet:

„Der gewaltige Eindruck, den jeder Fremde durch den Anblick der Nordkette vom Landschaftsbild unserer Stadt schon vom Tale aus erhält, wird noch mehr gesteigert sein, wenn er nun mühelos von oben aus die Reize unserer Alpenwelt in ihrer ganzen Lieblichkeit und Herrlichkeit genießen kann. Wem es aber aus dem Hafelekar zu einer Gipfelrast zu rauh und stürmisch ist, und wer dem Tal entfliehen will, wo oft trüber, dumpfer Nebel lagert, der wird gerne zur Seegrube ziehen, wo in windgeschützter Lage warm und klar die Sonne leuchtet. Die Nordkettenbahn zu bauen, war ein glücklicher Gedanke unserer Stadtvertretung, vielleicht war es gar ein Haupttreffer …“, konnte man etwa am 9. Juli 1928 im Allgemeinen Tiroler Anzeiger lesen.

Nicht zuletzt wegen solcher Tiefblicke wurde der Nordkettenbahn rasch zu einem Touristenmagnet.

Nur knapp ein Jahr nach der Eröffnung begann mit dem „Schwarzen Freitag“ (25. Oktober 1929) eine Weltwirtschaftskrise. Trotz der schwierigen Zeiten scheint die Bahn die Hoffnungen erfüllt zu haben, wie ein Blick in das Gästebuch der kleinen, von Jakob und Mena Wolf geführten, ‚Pension‘ in der Hafelekar-Bergstation aus den Jahren 1930 bis 1933 zeigt. Aus aller Herren Länder kamen die Touristen, die sich in jenen Jahren im Gästebuch verewigten. Hier eine kleine Auswahl:

„Unvergesslich bleiben mir die Tage der gastlichen Stätte am wunderbaren Hafelekar“, notierte etwa Robert Swarowsky aus Teplitz-Schönau (Teplice) in Tschechien, der sich vom 23. bis zum 28. Juni 1930 mit seiner Frau am Hafelekar einquartiert hatte. Ein Ehemann aus Kanpur (Indien) verweigte sich am 31. August 1930 mit dem Eintrag: „My wife & I enjoyed our short trip to this beautiful place very much and had a nice tea.“

Ein anderer Gast notierte „Der ‚unsterbliche Lump‘ am Hafelekar.“ Allerdings setzte einer seiner BegleiterInnen (?) hinzu: „Aber mehr Lump als unsterblich!!“ Ein frisch vermähltes Ehepaar aus Berlin-Treptow dichtete Ende Mai 1930:

„Ein junges Ehepaar, verheiratet vier Wochen,
Kam mit der Schwebebahn den Berg hinauf gekrochen.
Ein jeder dachte, was dort ich wohl seh‘.
O Schreck, sie sahen nur Nebel und Schnee.
Zum Mittag, da kam die Sonne heraus.
Und sie kletterten beide zum Kreuz hinauf.
Tiroler Land, wie bist Du schön
sie sahen beide die Sohne aufgehn.
Doch nicht die Landschaft nur wollen wir loben
Nein auch den Wirt, Herrn Wolf, und das Essen hier oben.
Noch einmal nach Innsbruck gewendet den Blick,
denn morgen verlangt uns die Heimat zurück.“

Über dem Nebelmeer trifft die Gondel am Kar ein …

Auch aus Danzig, Neapel, Stockholm, Helsinki und Tokio kamen die Reisenden, die sich im Gästebuch verewigten. Selbst eine Gruppe von Polizeioffizieren aus Hangzchou in China besuchte im Juli 1932 im Rahmen einer Studienfahrt das Hafelekar.

(Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck, Cod-1010 / Archiv der Nordkettenbahn)

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare
  1. Wer noch heute mit ziemlich ähnliche Kabinen fahren will, wie sie 1928 zum Hafelekar fuhren, dem ist die Fahrt mit der ca. gleich alten Krossobana von Rjukan nach Gvepseborg an der Hardangervidda zu empfehlen. Die Kabinen sind rot und blau gestrichen und heißen n.m.E. Preisel- und Heidelbeere (tranebaer & blabaer).
    https://de.wikipedia.org/wiki/Krossobanen

    1. Lieber Herr Schönherr,

      vielen Dank für diesen äußerst interessanten Hinweis! Abgesehen von den Kabinen verbindet die NKB mit der Krossobanen nicht nur das Baujahr, sondern auch die Fa. Adolf Bleichert & Co aus Leipzig, die beide Bahnen erbaut hat.

      Schönen Abend,
      Matthias Egger

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