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Die Moderne In Innsbruck

Die Moderne in Innsbruck

… oder doch lokaler Brutalismus?
Das Gebäude ist zu bekannt, um hier als Rätsel eingestellt zu werden. Die Szene hat etwas dystopisches an sich. Wie in einem Stanley-Kubrick-Film flieht der letzte Überlebende der architektonischen Apokalypse ausgerechnet per Fahrrad nach Süden. Der Bettelwurf verortet alles steinern in Innsbruck, dem alpin-urbanen Dismaland der Architektur, in dem städtebaulich scheints immer alles erlaubt war und das deshalb genau so aussieht, wie es aussieht. Seit den 1980ern kursiert das Gerücht auf der Technik-Uni, dass Münchener Architektur-Studenten bei ihren Exkursionen nach Venedig immer auch einen Stopp in Innsbruck einlegten, um zu sehen, wie man es besser nicht machen sollte.

Eine der vergnüglichsten facebook-Gruppen ist die „Brutalism Appreciation Society“, in deren Thread sich die unglaublichsten Beispiele gewagter architektonischer Versuche, die Moderne in Beton zu fassen, bewundern lassen. Was man dort nicht einstellen darf: Häuser wie dieses.

Dieser Beitrag hat 4 Kommentare
  1. Herr Hundertwasser hat u.a. mit seiner „Waldspirale Darmstadt“ 30 Jahre nach dieser Scheusslichkeit gezeigt, wie man so eine grosse Fläche auch anders gestalten kann… (gemeint ist die gesamte Hunoldstrasse nördlich dieses Betonmonsters….).

  2. Ich glaube, man dürfte das sogar in der Brutalism Appreciation Society einstellen; auch wenn es recht braver Brutalismus ist: es ist Brutalismus. Ich fände es sehr spannend, wenn Sie das Bild dort einstellen würden, Herr Hofinger. Ich bin ja gleichermaßen verwundert wie erfreut, dass die Brutalism Appreciation Society im Stadtarchiv bekannt ist. 🙂
    Epischer Brutalismus ist uns in Innsbruck leider komplett versagt geblieben, es waren immer brave Kompromisse, und bei den Hochhäusern immer mindestens zehn Stockwerke zu wenig (beim Landesgericht zum Beispiel). Wann immer ich in der „Society“ ein Foto poste, dann habe ich es irgendwo in Osteuropa aufgenommen. Und die letzten brutalistischen Fleckerln werden in dieser Stadt auch irgendwann verschwunden sein, so wie aktuell das „Raiqa“ gerade ein solches ersetzt. Aber, wie gesagt, super, dass trotzdem jemand zumindest dran denkt!
    Das Gebäude im Bild wirkt irgendwie beeindruckender und solitärhafter als heute, vielleicht auch einfach deshalb weil es neu war? Ich würde mir wünschen, dass eine eventuelle Sanierung die brutalistischen Aspekte hervorstreicht und auch der Denkmalschutz Brutalismus als Architekturstil verstärkt anerkennt.

  3. Wahrscheinlich wegen der senkrechten dunklen Fensterbänder hat mich das Gebäude immer ein wenig an den Raketenhangar des Kennedy Apce Center erinnert (dessen Architektur aber ansprechender ist).
    Es gab und gibt bessere brutalistische Architektur in Innsbruck. Z.B. den Büroturm des Autohauses Linser, der auf dem Areal des West stand.

    Von der alten Raika wird uns nach dem Umbau einiges erhalten bleiben. Leider nicht die Wasserspiele im Hof (zwar kein Lawrence Halprin, aber immerhin…) – die außerdem schon vor langer Zeit der schönen petrolfarben Fließen beraubt wurden. Vom lichtschluckenden Nussholz(?)Ambiente mit dunkelorangen Hochflorvelourteppich und den bombastischen Glitzerlampen in der alten Schalterhalle rede ich noch gar nicht.
    Die drei schönen Bankgebäude von Architekt W. Stigler jun. beim großen Gott, in der Rauchstraße (heute Tankstelle) und in der Schützenstraße sind ebenso leider verschwunden.
    Immerhin gibt es die Petrus Canisuskirche und die St. Norbertkirche (kennen wir hier schon, ähnlich kontroversiell diskutiert) , die man in etwa auch noch diesem Stil zurechnen könnte. Ganz sicher dazu gehört der Mariahilfpark und als sehr frühes diesbezüglich richtungsweisendes Beispiel die Pauluskirche. Bei der TU erkennt man es nur mehr teilweise.
    Den Liebhabern dieser auch sehr leidenschaftlich gehassten Architektur sei https://www.sosbrutalism.org/cms/15802395 empfohlen.

  4. Ich bin ein Ketzer. In einem der oberen Stockwerke würde ich ganz gern wohnen. Erstens ist das innere Hochhaus der einzige Ort, wo man es nicht sieht, zweitens (Hauptgrund) die freie Aussicht. Wenn ich mir was wünschen darf, eine Wohnung an der Westseite. Die Bude darf halt nicht Feuer fangen.

    Natürlich ist es schiach. Grottenschiach. Und man hört noch immer nicht damit auf, solche Mahnmale fehlenden Schönheitssinns zu bauen. Damals war wenigstens „alles grad und glatt“ genauso in wie jeden Meter mit dem Auto zurücklegen gelebter Zeitgeist.

    Aber daß man nach den halbwegs gelungenen Pemabauten (wird man später auch für scheußlich halten) das Pema3 nach einer Raubkopie des Bauplans für das Interturist in Bucuresti errichtet…..

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