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Wie Spiele Ich Tennis?

Wie spiele ich Tennis?

Mit dieser Frage beschäftigte sich auch das Handbuch des Guten Tones und der feinen Sitten, das seit 1890 in unzähligen Auflagen erschien und jungen Menschen, insbesondere Frauen in allen Fragen des Lebens beriet. Ein Thema waren auch sportliche Betätigungen, die auch schicklich für Frauen waren. Die Liste war dabei relativ kurz und umfasste unter anderem Tennis. Hier ein kurzer Auszug:

„Alle Beteiligten müssen sich bekannt und vorgestellt sein. Du kannst auch als einzelne Dame an einer Herrenpartie teilnehmen, sobald du allen vorgestellt bist […] Trage als Dame einen glatten fußfreien Rock, eine Bluse mit nicht zu engen aber auch nicht zu weiten Ärmeln, statt des Korsetts ein Leibchen ohne Fischbein, Schuhe aus hellem Leder oder Segeltuch mit breiten flachen Absätzen. Ohne Sportschuhe soll niemand den Tennisplatz betreten.

Vergiss als Dame über dem Spieleifer nicht Anmut und Schicklichkeit.

Gar manche Spielerin würde weniger gewaltige Sprünge und Verdrehungen ihres Körpers machen, könnte sie sich ein einziges Mal selber beim Spiel zusehen. […] Einem schwächeren Spieler, namentlich einer Dame gegenüber, steht es dir auch gut an, Rücksicht zu üben und deine Geschicklichkeit nicht voll auszuüben. Ist deine Gegnerin etwas korpulent, kurz von Atem, so hetze sie nicht unbarmherzig ab. Sobald du siehst, daß sie rot wird, schwitzt und keucht, so gib nach, lasse dich wohl auch einmal absichtlich außer Gefecht setzen. […] Sprich die englischen Spielausdrücke, die du gebrauchst, richtig aus.“

Die modischen Empfehlungen scheinen auch die Frauen im Titelbild (datiert auf das Jahr 1919) gekannt zu haben. Ob sie auch die im Benimmbuch empfohlenen Fairness-Prinzipien beherzigt haben, muss freilich offen bleiben, zumindest scheint keine der Damen besonders abgehetzt aus.

Aus: Helene Stökl (Pseudonym von Constanze von Franken), Handbuch des Guten Tones und der feinen Sitten, 1918 (1890).

(Stadtarchiv/Stadtmuseum PH-A-24675)

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare
  1. Man könnte grad meinen, die Dame ganz rechts sieht auf ihrem Smartphone nach, weil irgendein Ton ihr gerade den Eingang einer Nachricht verkündet hat 😉

    1. Die Dame kontrolliert gerade, ob das Gruppenfoto mit der Tennismannsc-aaaah!!frausc-haft gelungen ist.

      Die Beobachtung ist treffend. Solche Handyhaltungen – auch ans Ohr gehaltene Hand – sieht man amüsanterweise auf alten Aufnahmen immer wieder. Sollten gerade einmal keine Rätsel parat sein, einfach ein Wimmelbild mit vielen Leuten drauf zeigen und „Wieviele Menschen benutzten damals schon ein Handy?“ fragen.

      (Aluhutträger wissen es natürlich besser: Das ist eine Angehörige der Galaktischen Zeitpatrouille, die gerade einen Notruf aus dem Andromedanebel erhält)

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