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Wer Bin Ich_Anni Kraus

Wer bin ich_Anni Kraus

Unsere Leserin Barbara hat das Rätsel sofort gelöst. Schön, dass Anni Kraus noch nicht in Vergessenheit geraten ist. Sie zählt zu den bekanntesten Mundartdichterinnen Tirols.

Lieber Erwin Schneider in Erinnerung an ihre Schulzeit.

Wenn die Berg streitn

Habt’s ös no nia ünsre Berg gheart streitn?
Dö hadern schun seit urdenkliche Zeitn.
Grad in der Früah muaß man die Loser aufsperrn,
da kriagt man nette Sachelen z’hearn.
Der „Patscherkofl“ isch der zwiderste Gsell,
a alter Stänkerer, meiner Seel.
Hat er nit heut an‘ Schneaball gschmissn,
und der „Frau Hitt“ ihrn Neblschleier derrissn!
Dabei lacht er no voll Hinterlischt
und sagt: „Weibele, i mecht grad fragen,
wia d’heut aufglegt bischt?“
Die arme Haut, zerscht ganz derschrockn,
beutlt’n Schnee von ihre Lockn.
„Mein Herr, Sie vergessn wohl, ich bin eine Dame,
Frau Hitt, bitte, ist mein Name“
„Geah du uralte Schachtl, mit dein fuaßlahmen Gaul,
bisch ja schun lang zun Schneuzn z’faul.“
„Und Sie haben eine Glatze, Herr Patscherkofl,
und sind ein Charakter, schon mehr als schofl,
sonst würden Sie nicht gestatten, daß dies
Menschengezücht,
tagtäglich auf Ihrem Kopf herumkriecht.
Ich steh allein hier, ganz nahe dem Himmel,
und spucke auf dieses Menschengewimmel.“
„Hosch recht, du arrogante Nockn,
bleib alloan auf dein Spleen obn hockn.
Die Innschbrugger hom a Gaudi mit meiner Glatzn
und i laß mir sie gern a bißl kratzn.“
„Geah mach di‘ decht nit gar so rar“,
schreit jetz‘ voller Wuat das „Hafelekar“,
„i bin ja schliaßlich a no auf der Welt
und dazua no a Trumm heacher gstellt.
Tua du di‘ jo nit protzn,
gegn mi‘ bischt du a Totzn!“
Jetz‘ brüllt der „Glungezer“: „Gebts amol Ruah,
i bin nervös und will no schlafn in der Fruah.“
Bis jetz‘ hat die „Nockspitz“ still zuaglost.
Auf oamol sagt sie ganz erbost:
„Mei klassische Nasn
hun i gestern von an Künstler o’maln lassn.“
Auf dös hin muaß der „Bettlwurf“ derartig lachen,
daß die ganzn Inntaler aufwachn;
und böshaft spöttlt die „Martinswand“:
„Die klassische Nasn, dö passt holt eini ins gschearte
Tirolerland.“
„Und ich befehle, jetzt ist Schluß!
Ich seh der Sonne ersten Strahlengruß,
da habt ihr zu schweigen,
und euch als Majestät zu zeigen. „
Königin „Serles“ hat so gsprochn,
drauf sein die Dickköpf z’sammenkrochn.
Und still, ganz still weards auf die Gipfl,
verschlafn reckn sich die Tannenwipfl,
die Sunn streicht drüber in goldener Pracht. –
Jetz‘ hom die Innschbrugger die Augn aufgmacht.
Sein ganz damisch von der Herrlichkeit
und vergessn auf Politik und Streit.
Und i bet im Stilln frisch und fromm
„Gott Lob und Dank, daß miar die Serles hom!“


Anni Kraus wurde am 2. April 1897 als Anna Maria Schumlitz in Mutters geboren. Mit neun Jahren verlor sie die Mutter und kam mit ihren vier Geschwistern zu ihrer Großmutter. Diese organisierte für Anni einen Schulplatz im Hospiz in Hall. Als 14-jährige musste sie die Schule verlassen, um zum Unterhalt der Familie beizutragen und um sich um ihre Geschwister zu kümmmern. Im Jahr 1922 heiratete Anni den Instrumentenmacher Kraus, zwei Jahre später kam ihre Tochter auf die Welt. 1941 starb ihr Mann.

Anni Kraus verfasste 1922 ihre ersten Prosaarbeiten in Hochdeutsch für verschiedene Zeitungen. Die ersten Mundartarbeiten folgten erst 1936. In der damaligen Innsbrucker Urania trug Anni Kraus ihre Gedichte zuerst im Freundeskreis vor, bald wurde das Publikum größer. Der erste Gedichtband erschien 1950 und war ein voller Erfolg. Es folgten bald zahlreiche weitere Bände. Anni Kraus verfasste über 1000 Gedichte.
Ihre Gedichte spiegeln die Verbundenheit mit der Heimat, die Freude an der Natur und ihre Liebe zu den Menschen.


1973 erhielt Anni Kraus den Ehrenring der Stadt Innsbruck. Auf dem Foto feiert Anni Kraus ihren 80. Geburtstag. Anlässlich der Feierlichkeiten erschien das Buch „Anni Kraus. Dichterleben. Lebensdichtung“ von Karl Lubomirski. Nachdenklich hält sie die Schrift in den Händen und trägt auch den Ehrenring.
Am 7. Mai 1986 starb die Dichterin. Eine Straße im Saggen, dem Stadtteil, indem sie bis zu ihrem Tode wohnte, wurde 2011 nach Anni Kraus benannt.

(Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck, Ph-13819 und Ph-13820, 1977)


Dieser Beitrag hat 2 Kommentare
  1. Danke, dass ich diese liebenswertr Person jetzt besser kenne. Das zitirte Gedicht kenne ich schon lange, wer es verfasst hat, weiß ich erst jetzt.

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