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„Was Ein Tiroler In Sibirien Erlebte“

„Was ein Tiroler in Sibirien erlebte“

Unter diesem Titel berichtete der Tiroler Anzeiger am 7. April 1932 über den (vermutlich) letzten Tiroler Heimkehrer aus der russischen Gefangenschaft. Im August 1914 war der damals 21jährige Bauernsohn Josef Hofer (vuglo Huisler) aus Neustift im Stubai infolge der allgemeinen Mobilmachung zum k. k. Landesschützenregiment „Innichen“ Nr. 3 eingerückt. Mit dem 1. Marschbataillon seines Regiments fuhr Hofer auf den russischen Kriegsschauplatz, wo er am 28. September 1914 schwer verwundet in russische Gefangenschaft geriet. Er war einer von insgesamt rund 2,1 Millionen österreichisch-ungarischen Offizieren und Soldaten, die zwischen August 1914 und Dezember 1917 den russischen Truppen in die Hände fallen sollten. Für Hunderttausende von ihnen endetet – bedingt durch Revolutions- und Bürgerkriegswirren – die Gefangenschaft nicht im November 1918, sondern erst in den Jahren 1920 bis 1922. Zwar kehrten auch nach Abschluss des offiziellen Repatriierungsprozesses noch vereinzelt sogenannte Spätheimkehrer aus der Sowjetunion zurück, aber die Heimkehr des Stubaiers Josef Hofer knapp 14 Jahre nach dem Kriegsende war eine Sensation; die regionale und überregionale Presse berichtete ausführlich.

Auch Boulevardzeitungen wie die Krone berichteten ausführlich über die späte Heimkehr von Josef Hofer. In der Ausgabe vom 14. April 1932 schaffte es die Geschichte gar auf das Titelblatt.

Dem Berichterstatter des Tiroler Anzeigers schilderte Hofer seine außergewöhnlichen Erlebnisse im Russland der Kriegs-, Revolutions- und Nachkriegszeit ausführlich:

Auszug aus dem Bericht des Tiroler Anzeigers vom 7. April 1932.

Und auch der Innsbrucker Fotograf Much Heiss rückte mit seiner Kamera aus, um Josef Hofer mit seiner Frau (er hatte 1923 die Witwe Katharina Kostikowa geheiratet) und ihren Kindern abzulichten. Einzelne Abzüge aus dieser außergewöhnlichen Serie scheinen sogar als Fotoansichtskarten in Umlauf gewesen zu sein.

Tirols letzter Heimkehrer aus Sibirien“ im Kreise seiner Familie, aufgenommen von Much Heiss im April 1932

In Fulpmes und Neustift wurde Josef Hofer mit seiner Frau und seinen Kindern feierlich empfangen. „Erst abends konnte er den Heimweg auf sein Anwesen, das noch eine halbe Stunde von Neustift entfernt auf dem Berge liegt, antreten. Freunde und Bekannte haben ihm dieses kleine Anwesen erworben, das bisher von seiner 78 Jahre alten Mutter verwaltet wurde.“ Bemerkenswert scheint, dass Hofer in den 18 Jahren, die er fernab des Stubaitals verbracht hatte, die heimatliche Mundart völlig verlernte. „Er spricht hochdeutsch, während seine Familie überhaupt nicht deutsch kann“, so der Berichterstatter des Tiroler Anzeigers. Am 3. Feber 1965, knapp 33 Jahre nach seiner Heimkehr, starb Josef Hofer in Neustift.

(Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck)

Dieser Beitrag hat 11 Kommentare
  1. Lieber Herr Matthias Egger,
    da ich ein Russlandanhänger (Land, Sprache, Menschen) bin , habe ich Ihren Bericht mit großem Interesse gelesen und darf Ihnen dazu recht herzlich gratulieren.
    Es ist erstaunlich was ein Mensch alles aushalten kann.
    Ein herzliches Doswidanja
    Willi Hauser

  2. Die Namen der Familienmitglieder auf dem Bild 3964 lauten von links nach rechts:
    Paula Hofer, Alexandra Hofer, Mutter Katharina Hofer, Johann Hofer, Anna Hofer, Vater Josef Hofer, Martina Hofer, Alexander Hofer.

    1. Herzlichen Dank Herr Auer für die Zuordnung der Familienmitglieder auf dem Bild 3964! Kennen Sie die Nachfahren von Josef & Katharina Hofer oder besitzen Sie eine der Karten aus dieser Serie mit entsprechender Beschriftung?

          1. Mich würde der Ort der Hofstelle der Familie Hofer interessieren. Die Fotografie läßt mehrere Deutungen zu. Obergasse? Ober/Unteregg? Oder..?

  3. Über die genauere Lage der Hofstelle der Familie Hofer sollten die Söhne der Paula Hofer ( verh. Stern, Autenhöfe) Hans Stern und Klaus Stern Auskunft geben können. Wobei das eine Bild (mit der „sommerlichen Kleidung) eher in Stackler aufgenommen worden ist.

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