skip to Main Content
Der Bilderblog aus dem Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck
Wackere Pokalsiege 1959 Und 2026

Wackere Pokalsiege 1959 und 2026

Mit dem heutigen Titelbild nehme ich Sie mit ins Gestern. Im wahrsten Sinne des Wortes. Die in der Bildmitte zur Dokumentation mehr oder weniger historischer Ereignisse gezückten Handys lassen es bereits vermuten: Hier wird gleich etwas (historisches) passieren. Beim Stand von 0:0 in der 42. Minute schickt sich am gegenüberliegenden Elfmeterpunkt nämlich Adrian Lechl an, die Führung für den FC Wacker Innsbruck zu erzielen, der innerhalb weniger Minuten noch zwei weitere Treffer nachlegte (Florian Kopp 44′, Rami Tekir 45+1‘). Nach einer weniger spannenden zweiten Hälfte kürten sich die Schwarz-Grünen vor der Rekordkulisse von offiziell 10.288 Zuseherinnen und Zusehern mit einem 3:1 gegen die WSG Juniors zum Tiroler Cupsieger.

Gerade noch rechtzeitig, da sich der seit Freitag frischgebackene Regionalligameister bekanntermaßen nach vier Jahren im Amateurfußball wieder in Richtung Zweite Bundesliga und Profitum verabschiedet – und somit nicht mehr im Tiroler Cup antreten darf.

Genau in diesem Umstand liegt auch begründet, warum von den gestern im Stadion anwesenden Schwarz-Grünen wohl kaum jemand auch beim letzten regionalen Cupsieg anwesend gewesen sein dürfte. 1959 war das, in jener Saison, als der FCW zum ersten Mal überhaupt Tiroler Landesmeister werden sollte und fünf Jahre, bevor der erstmalige Aufstieg in die Staatsliga und der Legendenstatus folgte. Samt den Meisterfeiern, ÖFB-Cup-Siegen, Europacupauftritten, an die sich sehr viele sehr gut erinnern.

„Es ist etwas Eigenartiges um den Tiroler Fußballcup“ konstatierten die Tiroler Nachrichten 1959. „Bis es zum Finale kommt, plätschert er ziemlich harmlos dahin, um dann in der Zielgeraden zu einem reißenden Bach zu werden, in dem Dynamik liegt.“ (TN, 14.8.1959, S. 15). Im Halbfinale rauschte Titelverteidiger ISK mit 10:1 über den SVI hinweg, während der FCW ein 9:4 Spektakel in Haiming/Ötztal feierte. Die Tiroler Tageszeitung sprach deshalb vom „erwartete [n] Tiroler Cupfinale: ISK : FC Wacker“. (TT, 13.7.1959). Vor dem Finale war aber definitiv Schluss mit harmlos. Die Presse monierte die „Geheimniskrämerei um die Besetzung“, denn keiner der beiden Vereine wollte tags zuvor die Aufstellung bekanntgeben. (TT, 14.8.1959, S. 11)

Die 22 Fußballakteure hatten im alten Tivoli zunächst mit einem Flitzer der anderen Art zu kämpfen: „Ein niedlicher kleiner Hund ließ es sich nicht nehmen dieses Cupfinale aus nächster Nähe zu betrachten. Weder schnellfüßige Stürmer noch in der Abwehr erfahrene Stopper konnten den kleinen Fußballanhänger einfangen.“ Anschließend sorgte ein früher Doppelschlag des FCW dafür, dass keine zu große Spannung aufkam. „Stellenweis war dieses Finale sogar interessant“, meinte die TN, was nicht gerade nach einer Auszeichnung (TN, 17.8.59, S. 7) klingt. Die TT fand noch klarere Worte.

Es sei „das schwächste Cupfinale, das Tirol seit langem erlebt hat“, was einerseits durch den schweren Boden und die Nervosität der Spieler begründet werden könne. „Die meiste Schuld aber lag an der klassearmen Leistung“ und „planlosen ‚Drescherei'“ des ISK, mit der er offenbar auch die Wackerianer ansteckte. Dass der Sportklub „nur mit vier(!) Stürmern“ angriff brachte ihm in der TT das zweifelhafte Prädikat der „ISK-Pazifisten“ ein. Erst durch den späten Anschlusstreffer (76.) war noch für etwas Dramatik gesorgt. Zu mehr reichte es nicht, was laut TT aber nicht nur dem Wacker entgegenkam: „Das einzige Glück in diesem Endspiel war – daß den 2000 Zuschauern eine drohende Verlängerung von 2×15 Minuten erspart geblieben ist.“

Eine solche gibt es inzwischen übrigens nicht mehr. Auf die reguläre Spielzeit folgt sofort ein Elferschießen (das im vorjährigen Finale die Reichenau gegen den Wacker entschied). Eine solche Dramatik blieb den Zuschauerinnen und Zuschauern gestern in allen drei Spielen erspart. Der Finalmarathon begann nämlich bereits am Vormittag mit der U18, bei der Ebbs die WSG knapp mit 1:0 besiegte. Anschließend ließ die erst vor zwei Jahren ins Leben gerufene zweite Frauenmannschaft des FC Wacker Innsbruck dem SV Telfs beim 4:0 keine Chance und durchbrach damit die fünfjährige Dominanz der Stadtrivalinnen vom SVI (5 Finali, 4 Siege) und vom SK Wilten (3 Finali, 1 Titel). Ein Männer-Frauen Double gab es in den 10-Jahren, in denen auch die Frauen einen Tiroler Cup ausspielen, überhaupt noch nie. Ein wahrlich historischer Tag also.

Abschließend sei noch darauf hingewiesen, dass die Online-Datenlage zum Tiroler Cup der 1950er leider überaus schlecht ist. Die Wikipedia erweckt gar den Eindruck, als habe es zwischen 1953 und 1982/83 überhaupt keinen Bewerb gegeben, somit auch nicht das Finale von 1959. Aber wenn man der TT glauben schenken darf, sollte man darüber ohnehin besser den Mantel des Schweigens hüllen…

(Foto: privat, TT vom 17.8.1959).

Dieser Beitrag hat einen Kommentar
  1. Du meine Güte, die meisten hatte ich gekannt, der Leo Tschenett, der Puffer Max, natürlich den Spoli Fritz! Der erste kniend ist mein Opa, Roman Schramseis, bei Wacker vom 1957 bis 1963 (glaube ich). Ich hätte eine Frage, wäre es möglich einen Scan dieses Bild privat bekommen zu können? Ich wäre von Herzen dankbar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Back To Top
×Close search
Suche