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Tausche Betonwüste Gegen Luftlöcher Und Straßenschlamm

Tausche Betonwüste gegen Luftlöcher und Straßenschlamm

Am 11. Mai 1870 berichteten die Neuen Tiroler Stimmen: „Der Bahnhofplatz verspricht immer schöner zu werden: das dort bald vollendete Hohenauer’sche Haus zieht durch sein prachtvolles Material die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich. Wie wir vernehmen, wird noch heuer ein neues Zinshaus auf diesem Platze in Angriff genommen, das hoffentlich auch mit Geschmack errichtet wird. So dürfte bald das Häßlichste, was auf dem Bahnhofplatz zu sehen ist, der Bahnhof selber sein, der in seiner geringen Höhe und mit seinen quadratischen Luftlöchern (Fenster genannt), den Eindruck macht, als ob es darauf abgesehen gewesen wäre, der Stadt Innsbruck einen recht häßlichen Bahnhof zu verschaffen.“

Zehn Jahre später, am 10. Mai 1880, bemerkten die Innsbrucker Nachrichten mit spitzer Feder: „Der Abgang einer Trottoirs über den Bahnhofplatz ist bei dem nassen Wetter, wie es seit mehr als 14 Tagen im Zuge ist, sehr fühlbar. Dem Publikum, welches dort aus Nothwendigkeit oder um der Erholung willen verkehrt, stellt sich die Herstellung eines zweckmäßigen Trottoirs als ein geradezu dringendes Bedürfniß dar. Für Weiterreisende ist es eine höchst unangenehme Sache, wenn sie mit kothigen Schuhen oder gar mit nassen Füßen in das Coupe einsteigen müssen; für ankommende Reisende ist es jedenfalls auch nicht einladend, gleich beim Austritt aus dem Bahnhof sich bis zum Eingang in die Rudolfstraße durch den Straßenschlamm durcharbeiten zu müssen ein Trottoir über den Bahnhofplatz bevor die Fremdensaison im vollen Zuge ist, dürfte also nicht unter die Luxusbauten zu rechnen sein.“

Wie diese zwei Zeitungsberichte exemplarisch zeigen, sorgte die Gestaltung des Bahnhofplatz (heute Südtiroler Platz) schon im ausgehenden 19. Jahrhundert immer wieder für Diskussionen. Für die meisten Nachgeboren dürfte die Kritik – Letten hin oder her, von den „quadratischen Luftlöchern“ nicht zu reden – jedoch nur schwer nachvollziehbar sein. Man vergleiche nur einmal das einladende, ja geradezu idylllische Ambiente auf unserem Titelfoto mit der kalten Betonwüste, die heute die Reisenden an dieser Stelle empfängt. Wer würde da den Schlamm bei Regen nicht gerne in Kauf nehmen wollen, wenn er dafür die Betonwüste eintauschen könnte? 😉

(StAI, Slg Kreutz ohne Sig.)

Dieser Beitrag hat 5 Kommentare
  1. Keine Privatautos erfinden 😉 und erst recht keine Kriege führen, es könnt, bis auf ein paar platzsparende Straßenbahngleise, heut noch so ausschauen. Aber die „Bahnhofsoffensive“ hatte es Jahrzehnte später wohl trotzdem gegeben, mit bekanntem Ergebnis.
    Die dem Bahnhof gegenüberliegenden Häuser waren außer dem Hotel Europa auch nichts besonderes. Die Bürogebäude im „kapitalistisch-globalen Versicherungsstil“ aber auch nicht. Abreissen oder abreisen.

  2. Eine Serie über die im 19. Jahrhundert tätigen Innsbrucker Fotografen und Verleger wie Czichna, Gratl, usw. wäre vielleicht interessant.
    Zum Tod von Carl Anton Czichna, Sohn von Carl Alexander Czichna, berichten die Innsbrucker Nachrichten von 1899:
    „In Innsbruck wurde den 8. d. M. der
    Kunsthändler und Buchdruckereibesitzer Karl Alexander Czichna,
    welcher am 5. d. in Oetz (im Oetzthale) gestorben war, zur
    ewigen Ruhe bestattet. Verehrt von Allen, die ihn kannten, war
    er ein eifriger Förderer der heimischen Kunst. So ließ er u. A.
    aus der Reihe der weltberühmten „Schwarzen Mander“ in der
    Hofkirche Nachbildungen in verjüngtem Maßstabe schaffen, so von
    der Statue König Arthur’s von England, König Theodorich’s etc.,
    die wahre Kunststücke wurden und heute manchen Salon in Eng­-
    land, in den Niederlanden und in den Unionsstaaten schmücken.
    Die verstorbene Königin-Mutter von Bayern, der tiefbetrauerte
    König Ludwig, die Königin Carola von Sachsen, die oft am
    Brenner Sommerfrische hielt, die jugendliche Königin von Holland,
    die in Jgls bei Innsbruck weilte, zählten, so oft sie nach Inns­
    bruck kamen, zu seinen Besuchern. Czichna, welcher 56 Jahre alt
    wurde, ist im politischen Leben nie hervorgetreten und lebte ganz
    seinem Hause; er war der beste Familienvater und seinen Freunden
    unwandelbar treu. Er hinterläßt eine Witwe, zwei erwachsene
    Söhne und eine Tochter. Die Trauer um sein Hinscheiden ist in
    Innsbruck eine allgemeine.“

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