Urkunden – klein und groß
Nicht alle Urkunden sind großformatige Schriftstücke, an denen goldene Siegel an seidenen Schnüren hängen. Alltäglicheres Schriftgut wurde auch weniger repräsentativ gestaltet. Hier sehen wir so ein eher unscheinbares Exemplar. Ausgestellt von Heinrich, von Gotts genaden Chunik ze Behaim und ze Polan Herzeg ze Chernden und Graf ze Tyrol. Der Fürst aus der Dynastie der Meinhardiner befreite mit diesem Schreiben an die Zollmeister von Potzen Lebensmittel, die für die purgen ze Inspruk und ze Hall bestimmt waren, von den Zöllen.
Laut den Regesten zu der Urkundensammlung ist die Urkunde auf kurz nach 1310 zu datieren. Die Urkunde selbst verrät uns nur, dass sie des suntags nach sankt pauls becherung, also am 25. Januar ausgestellt wurde. Zu diesem Zeitpunkt war Heinrich bereits nicht mehr der König von Böhmen. Er war 1307 dazu gewählt worden, aber bereits drei Jahre später verlor er seine Krone wieder, die in der Folge an die Luxemburger überging. König von Polen war er de facto nie gewesen. Beide Titel hatte er über seine Frau Anna Přemyslovna geerbt, nachdem ihr Bruder, Wenzel III. ermordet worden, und damit die männliche Linie der Přemysliden ausgestorben war. In Böhmen hatte er zumindest kurz tatsächlich regiert, in Polen wurde aber ein anderer König als Nachfolger Wenzels gewählt.
(Signatur U-9)