Schönfärberei?
Ein alter Plan, auf den ersten Blick nichts besonderes. Keine stattliche Villa, kein Gründerzeitbau, kein öffentliches Gebäude, „nur“ eine kleine Färberei, die umgebaut werden soll. Der Betrieb gehörte dem Färber und Drucker Franz Schindl (1838-1887), der mit seiner Familie – so scheint es – in eher bescheidenen Verhältnissen neben seinem Betrieb gelebt hat. Eine Kammer, eine Stube und eine Küche – mehr Wohnräume gibt es nicht …
Schindl, ein gebürtiger Höttiger, führte bereits in den 1860er-Jahren einen Färber- und Druckerei-Betrieb im Kirschental bzw. in der Innsbrucker Innenstadt (Gewölbe Nr. 84). Wie einer Zeitungsnotiz zu entnehmen ist, befand sich sein „Auf- und Abgabs-Lokal“ zunächst „unter den Lauben“ und ab November 1867 in „der Riesengasse beim Dialer-Bäcker“.
Im Jahr darauf heiratete Franz Schindl in der Pfarrkirche Mariahilf Johanna Sterzinger (1834-1909), gebürtig aus Nassereith. Das Paar hatte mindestens drei Kinder. Sohn Franz jun. sollte 1902 am Gramartboden den Alpengasthof Frau Hitt eröffnen (mehr dazu hier).
Im Dezember 1879 konnte Franz Schindl seine „neu errichtete Dampf-, Seiden- und Schön-Färberei, Druckerei und Appretur-Anstalt“ eröfffnen.

Die Geschäfte scheinen immerhin so gut gelaufen zu sein, dass Schindl im Herbst 1886 den Innsbrucker Baumeister Alfons Mayr damit beauftragen konnte, seine Färberei in der Höttinger Au umzubauen. Ob es allerdings dazu gekommen ist, bleibt ungewiss, denn Franz Schindl erlag am 11. Feber 1887 einem Blutsturz.

(StAI, Archiv Baufirma Mayr)
Auf der historischen Karte sieht man das dreieckige Gebäude „hinter der Schießstandauer „.
https://hik.tirol.gv.at/?basemap=bm0¢erx=1267426.4806396984¢ery=5985556.168253788¢erspatial=3857&scale=4162.160092483087&category=Detailkarten_georef&map=236
Apropos hinten:
F: Wo ist beim Baum hinten ?
A: Da wo’s Papier liegt.
Nur nicht von der falschen Seite kommen 😉 . Auf dem Bauplan löste man das Problem mit einem Plumpsklo über dem Gießen. Wenn besetzt war, gab es daneben ja immer noch den Steg.
Der Franziszeische Kataster aus dem Jahr 1856 zeigt, dass ein Haus mit diesen Umrissen schon bestanden hat und nur die Färberei als Betrieb neu (und mit Plan genehmigungspflichtig?) war. In der Annonce verweist man auf ein anscheinend allgemein gut bekanntes „Sepp-Haus“. Die Einheirat in das Weichbild von Mariahilf beinhaltete – Phantasie im freien Flug – vielleicht dieses als Mitgift.
Die Raumeinteilung nenne ich einmal durchdacht. Beim die Bodenfläche bestimmenden Winkel zwischen Kammer und Spitz hat man um halbe Quadratmeter gegrübelt. Wenn man in der Küche Licht haben wollte, mußte man halt die Tür offen lassen oder es gab ein Dachfenster.
Einmal nachschauen, ob eine unserer Rundflugmaschinen noch drübergeflogen ist. Die Schießstandmauer stand ja noch ein Zeitl.
Ob der auf dem Bauplan angedeutete angrenzende Metzgermeister Tschon mit seinem wohlriechenden Nachbar Freude hatte? Der Katasterplan zeigt, dass das Dreieck gebaut worden ist.