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Satellit Auf 500 Meter

Satellit auf 500 Meter

Nach einigen Balkonbildern und einer Reihe der Ballonfahrt verdächtigten Aufnahmen aus Flugzeugen heute das erste Bild aus dem Ballon. Laut der Beschriftung wurde es aus einer Höhe von 500 Metern aufgenommen. Um so gerade wie möglich nach unten fotografieren zu können, nahm der ungenannte Bildautor die in die Aufnahme lugenden Sandsäcke des Korbes in Kauf und verstärkte damit auch die schwindelerregende optische Wirkung.

Inhaltlich ist der Ausschnitt für alle Freund*innen des Stadtteils Wilten interessant, sowie für Medizinhistoriker*innen und Friedhofsforschende. Zentral im Bild ist der Steinmetz Linser. Sein ausgedehntes Werkstattareal lag nördlich des Westfriedhofs, mehr oder weniger genau dort wo sich heute die Chirurgie befindet. Am unteren Bildrand führen die Schöpf- und die noch recht unbebaute Müllerstraße in die Stadtmitte. Die Klinikpavillions sind an ihren typischen Grundrissen zu erkennen, den interessantesten Einblick bietet hier wohl das heute die Institute der „Haut“ beherbergende Ensemble ganz rechts: Hier lag zu dieser Zeit die Psychiatrie, ganz dem Unverständnis der Epoche entsprechend mit großer Mauer rundherum, deren archäologische Reste heute auch noch auf dem Boden zu sehen sind. Man erkennt im Ballonbild gut die nach Männern und Frauen getrennten Garten-Spazierwege. Das massive Treppenhaus bildet in der Mitte so etwas wie ein lokales panoptisches Überwachungswerkzeug.

Die Datierung der Gebäude würde ganz gut zur bereits hier und hier ausführlich beschriebenen Innsbrucker Ballon-Begeisterung des frühen 20. Jahrhunderts passen. Wir sind also etwa im Jahr 1910.

(Sammlung Prada)

Dieser Beitrag hat 5 Kommentare
  1. Leo Stainer hat wohl bei derselben Gelegenheit auch den heutigen Landhausplatz aus dem Ballon fotografiert. Dieses Foto mit dem Areal der Fuggergasse, Handelsakademie, Welsergasse und Salurner Straße ist auch sehr interessant.

  2. Ich bin mir nicht ganz sicher ob Leo Stainer selber fotografiert hat. In den Adressbüchern 1899-1953 hat er den schönen Beruf „Formator“ (später auch „Formator und Kaufmann“). Auf der Rückseite dieser Karte ist er eindeutig der Verleger (per Zweitstempel, Erstverleger ist W. Stempfle).

  3. Das 1910 erbaute Gebäude der Bürgerschule an der Ecke Müllerstraße – Peter Mayr Straße ist noch nicht einmal in seinen Anfängen erkennbar, also Aufnahmedatum noch vor 1910.

    Die hohe Mauer um das „Irrenhaus“, wie man die Psychiatrische damals genannt haben wird, hatte schon Sinn. Man vergißt völlig, daß sich dort auch damals jede Menge Suizidgefährdeter und auch gemeingefährlicher Psychopathen zur Behandlung befanden, denen man das Davonlaufen nicht leicht machen durfte. Damals gab es keine Funkgeräte, kaum Telefone, etwaige Suchmannschaften mußten sich durch Zuruf verständigen. Wenn ein Suizidgefährdeter einmal draußen war, hatte die Psychiatrie vielleicht 5 Minuten Zeit, ihn noch rechtzeitig vor dem Sprung in den nahen Inn zu erwischen.

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