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Kommissar Kerchlango

Kommissar Kerchlango

Als Josef Kerchlango am 1. Jänner 1898 als Polizei-Oberkommissär in den Ruhestand trat, konnte er auf eine lange, abwechslungsreiche Karriere zurückblicken, die über 40 Jahre zurvor in Budapest begonnen hatte.

Am 26. März 1835 in Pischätz, Untersteiermark, als Sohn eines Lehrers geboren, besuchte er das Gymnasium in Cilli (Celje) und maturierte 1855 am katholischen Gymnasium in Ofen. Möglicherweise wollte der 20jährige zunächst Theologe werden, ehe er 1857 als Kanzleipraktikant bei der Pester Polizeidirektion zu arbeiten begann. Zu Anfang der 1860er-Jahre wurde Kerchlango nach Innsbruck versetzt, wo er – mittlerweile zum Polizei-Konzepts-Adjunkten befördert – am 8. Mai 1865 die Gelbgießerstochter Maria Bichl (1842-1905) heiratete. Das Paar hatte mehrere Kinder; zwei Töchter starben 1872 bzw. 1878 noch als Kleinkinder, eine andere Tochter ertrank 1907 unter ungeklärten Umständen.

Als im Frühjahr 1866 die Polizeidirektion in Innsbruck aufgelöst und mit der Aufstellung der städtischen Sicherheitswache begonnen wurde, betraute der Bürgerausschuss Josef Kerchlango zunächst kommissarisch und schließlich dauerhaft mit der „Führung der Polizeigeschäfte“ in der Landeshauptstadt. Kerchlango und seine Beamten hatten sich mit Vandalismus, Falschgeld, Einbrüchen und Diebstahl ebenso zu befassen, wie mit der Überwachung von politischen Kundgebungen. Als es Anfang April 1890 in St. Nikolaus – praktisch vor seiner Haustüre – zu einer brutalen Massenschlägerei zwischen Soldaten kam, eilte Kerchlango herbei, „konnte aber nichts anderes thun, als eine Militärpatrouille zu requiriern. Als diese erschien, war die Ruhe bald wieder hergestellt. Sonderbarerweise soll erst jüngst aus ‚Sparsamkeitsrücksichten‘ die Polizeipatrouille bei Nacht vermindert worden sein. Zu gewissen Zeiten ist übrigens eine Militärassistenz unbedingt nöthig. Was soll die Polizei, auch wenn die ganze Mannschaft ausrückt, bei Militärexzessen ausrichten können?“ fragte die Bozner Zeitung in ihrer Ausgabe vom 9. April 1890.

Im Jahr 1897, nach über 30 Jahren an der Spitze des Stadpolizeiamtes, übergab Kerchlango die Amtsgeschäfte an seinen Nachfolger Ludwig Neuner. Polizei-Oberkommissär Kerchlango starb am 5. Juni 1904 in St. Nikolaus.

Todesanzeige aus den IN v. 6. Juni 1904.

StAI, Ph-G-95

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