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Chef De Police

Chef de Police

Im Frühjahr 1866 wurde die k. k. Polizeidirektion in Innsbruck aufgelöst und mit der Aufstellung der städtischen Sicherheitswache begonnen. Einen Einblick in das Aufgabenspektrum der Innsbrucker Schutzmänner eröffnet der Tätigkeitsbericht pro 1885. Demnach nahmen die Gesetzeshüter in diesem Jahr über 3.000 Amtshandlungen vor. Nicht weniger als 1.668 Verhaftungen wurden im Berichtsjahr gezählt. Die Gründe hierfür waren breitgefächert und reichten von Gewaltverbrechen über Brandstiftung, Betrug, Diebstahl und nächtlicher Ruhestörung bis hin zur „Wachebeleidigung“. In 1.437 Fällen erstatteten die Wachmänner Strafanzeige, darunter 15 Anzeigen wegen „Stehenlassen von Fuhrwerken ohne Aufsicht“, 116 Anzeigen wegen „Ritschen-Verunreinigung“, 10 wegen „Fahren am Trottoir“ und 5 Anzeigen wegen „Trottoirverunreinigung durch Ausschwenken von Abstaubtüchern“. Absoluter Spitzenreiter war jedoch die nächtliche Ruhestörung mit 314 Anzeigen.

Nicht erwähnt wird im Bericht, dass in diesem Jahr Ludwig Neuner als „Concepts-Praktikant“ in das Polizeiamt eingetreten war, wo er schon bald Karriere machen sollte. 1887 erfolgte die Ernennung zum „Concipisten“, 1889 jene zum „Commissär“. Im Jahr 1897 übernahm er schließlich die Leitung des Stadtpolizeiamtes unter gleichzeitiger Ernennung zum „Ober-Commissär“. Nach 18 Jahren an der Spitze der Innsbrucker Sicherheitswache trat Neuner – mittlerweile zum Magistratsrat befördert – mit 1. Oktober 1915 in den Ruhestand. Nicht einmal zwei Jahre später, am 31. Mai 1917, erlag er einem Schlaganfall.

Obwohl in Neuners Amtszeit einige besondere Vorfälle und Ereignisse fielen – man denke nur an die „Fatti die Innsbruck“ (1904) oder an die Jahrhundertfeier 1809-1909 in Anwesenheit des Kaisers – finden sich in den Printmedien nur verzeinelt Hinweise auf seine Tätigkeit. Schlaglichter auf seine Amtszeit werfen etwa die Ehrenbeleidigungsklage gegen zwei deutschnationale Gemeinderäte im Dezember 1909 oder der Tod des Studenten Max Ghezze in Polizeigewahrsam im Herbst 1912, der weit über die Stadtgrenzen hinaus für Aufsehen sorgte. Leider haben sich jedoch bei uns keine Akten der städtischen Sicherheitswache erhalten. Auch Personalakten fehlen für diese Zeit.

Immerhin findet sich in den Gemeinderatsprotokollen ein Nachruf auf den Polizeichef, den Innsbrucks Bürgermeister Wilhelm Greil am 1. Juni 1917 hielt. Demnach war Ludwig Neuner „ein sehr tüchtiger, pflichttreuer Beamter, streng, energisch aber gerecht. Er hat sich ganz besondere Verdienste um die Stadt erworben namentlich hat er sich durch kluges tactvolles u. doch energisches Auftreten bei den vielen Aufläufen u. Unruhen welche mit den Novemberkrawallen im Jahre 1904 ihren Abschluß fanden sehr verdient gemacht. Auch beim Jubiläumsfeste 1909 hat sich Neuner als Polizeichef glänzend bewährt. Trotz seiner hie u. da etwas rauhen energischen Auftreten[s] war Neuner ein außerordentlich gutmüthiger offener gerader aber liebenswürdiger Character der sich allseitiger Beliebtheit u. großen Ansehens erfreute“, so das Stadtoberhaupt.

Freilich gilt gerade für Nachrufe die Devise de mor­tu­is nil ni­si be­ne. Aber vielleicht können Sie diese biographische Skizze ja noch um die ein- oder andere Facette ergänzen…

(StAI, Ph-G-94 / GR-Protokoll vom 1. Juni 1917)

Dieser Beitrag hat 5 Kommentare
  1. Ludwig Neuner war Magistratsrat und Polizeiamtsleiter. Weiters war er Träger des Franz-Joseph-Ordens sowie Ehrenmitglied des Vereins der Polizeiangestellten in Tirol und Vorarlberg.
    Er wohnte in der Maria-Theresien-Straße 34. Mit seiner Frau Theresia geb. Gremblich hatte er zwei Söhne, nämlich Dr. Paul Neuner, k.k. Assistenzarzt, und Ludwig Neuner junior, k.u.k. Fähnrich.
    Hier finden sich die Todesanzeigen von Ludwig Neuner aus dem Jahre 1917, die eine von der Familie und die andere vom Städtischen Beamtenverein:
    https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=ibn&datum=19170602&query=%22ludwig+neuner%22&ref=anno-search&seite=21

    1. Ja, auf der Abbildung trägt Neuner das Ritterkreuz des FJO, das ihm am 2. Dezember 1908 (60. Thronjubiläum des Kaisers) verliehen wurde. Damals regnete es geradezu Orden: https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=tan&datum=19081202&seite=8&zoom=33&query=%22Ludwig%2BNeuner%22&ref=anno-search

      Interessant ist vielleich auch, das die Beamten – im Unterschied zu den Militärs – vierblättrige Sternrosetten am Kragenspiegel trugen.

      1. Vielen Dank für den Hinweis auf die Ordensverleihung! Dieser Zeitungsbericht illustriert sehr schön, dass es sich beim Franz-Joseph-Orden um einen wahrhaftigen „Massenorden“ handelt, der an sehr viele Personen mittleren Standes verliehen wurde.
        Die Sammlerpreise sind trotz der Häufigkeit dennoch beachtlich:
        Im Dorotheum wurde erst kürzlich ein derartiges Ritterkreuz des FJO samt Original-Etui um 1.100 Euro versteigert.

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