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Olympische Reminiszenzen VI

Olympische Reminiszenzen VI

Exakte Zeitnehmung und Weitenmessungen waren und sind Grundvoraussetzungen von Wettkämpfen. Und so waren geschulte Kampfrichter:innen und ein entsprechendes technisches Equipment wichtige Themen bei der Vorbereitung und Durchführung der Olympischen Spiele 1964. Nicht nur für die Athletinnen und Athleten galt daher das olympische Motto – höher, schneller, weiter – auch bei der technischen Ausstattung hatte sich das Organisationsteam in Innsbruck und das Internationale Olympische Komitee diesem Mantra verschrieben.

In Innsbruck setzte man daher auf Computertechnik aus dem Hause IBM, die schon bei den vorangegangen Spielen in Squaw Valley zum Einsatz gekommen war, die für Innsbruck aber noch einmal deutlich verbesserte wurde. Schon im Pressebulletin Nr. 3 des Organisationskomitees vom Februar/März 1962 ging man ausführlich auf die Technik zur Zeitmessung, die elektronische Datenverarbeitung und vor allem die Übertragung der Ergebnisse ein. Ein absolute Neuheit für Olympische Spiele war das „teleprocessing“, wie man stolz schrieb – die elektronische Übermittlung von Ergebnissen durch Telefonleitungen, die teilweise eigens verlegt werden mussten. So wurde ein olympischer Rekord schon vor Beginn der Spiele eingestellt und das „von einer elektronischen Rechenanlage gesteuerte Informationsnetz den schnellsten und ausführlichsten Ergebnisdienst in der Geschichte der Olympischen Spiele liefern.“

Um Interessierten ein Bild von den Höchstleistungen der Datenverarbeitung zu vermitteln, gestaltete das Organisationskomitee das obige Schaubild und beschriebe die Arbeiten im Vorfeld der Spiele eindrücklich:

„Die IBM-Programmierer müssen den Maschinen zuerst einmal ihre Aufgabe ‚erklären‘. Während grundlegender Vorbereitungsarbeiten durch mehrere Monate hindurch müssen Programmierer die Regeln jeder einzelnen Wintersportdisziplin zusammenfassen und in eine den Maschinen verständliche Sprache übertragen. Zu diesem Zweck müssen annähernd 50.000 Einzelbefehle geschrieben und in die magnetischen Speichereinheiten der Maschine eingespeist werden. Die Speichereinheiten können das Äquivalent von zwei Millionen Wörtern an Befehlen, olympischen Leistungsbewertungsvorschriften und Informationen über die einzelnen Wettkämpfer aufnehmen –  genug also um 20 Romane von durchschnittlichem Umfang zu füllen, und jedes einzelne Informationselement steht innerhalb weniger als einer Sekunde für die Datenverarbeitung zur Verfügung.“

Pressebulletin 3, 1962, Olympische Spiele 1964, Fasz. 154.

Die rasche Verarbeitung und Verbreitung von Zwischenzeiten und Endergebnissen sollte dabei nicht nur Offiziellen und Reporter:innen die Möglichkeit bieten, schneller über den Ausgang von Wettkämpfen zu informieren, sie sollten auch dem Publikum „eine bedeutend lebendigere Anteilnahme an den Kämpfen“ erlauben, wie es hoffnungsvoll hieß. Dazu waren auch zahlreiche elektronische Anzeigetafeln vorgesehen, die ständig mit den aktuellsten Ergebnissen gefüttert wurden.

Olympische Spiele 1964, Fasz. 225/7

Das Rechenzentrum befand sich im Übrigen unmittelbar neben dem damals neu errichteten Pressezentrum in der Universität. Einen Eindruck von dem im Hintergrund werkelnden Technikern und Technikerinnen liefert das folgende Bild: Auf Piste und Loipe schuften die Athleten und Athletinnen im Keller die Nerds.

Olympische Spiele 1964, Fasz. 15.

Nach dem ganzen Hightech, möchte ich Ihnen am Ende noch ein weiteres Fundstück aus unserer Sammlung zu Olympia präsentieren, das im Gegensatz dazu ziemlich Low-Tech ist: eine der zahlreichen Armbinden, die die verschiedenen Offiziellen bei den Spielen kenntlich machten. Diese gab es für die unterschiedlichsten Aufgaben – passend zum heutigen Thema zeige ich Ihnen aber jene für die Zeitmessung – eben ein solche, wie sie die Kampfrichter im Titelbild tragen (fast zumindest – die Aufschrift ist etwas anders).

Olympische Spiele 1964, Fasz. 334.

(Titelbild: Stadtarchiv/Stadtmuseum, Olympische Spiele 1964, Fasz. 225)

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