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Neues Album, Neues Glück I

Neues Album, neues Glück I

Das beste, das einem Innsbruck-erinnert-Schreiberling passieren kann ist eigentlich, dass er ein neues Fotoalbum findet. Denn da sind sicher Sachen drin, die in dieser Form noch keiner auf die Seite gestellt hat. So auch in diesem Fall: in unserem Keller kam eine große Sammlung von 11 Schachteln mit Fotoglasplatten zum Vorschein. Diejenigen mit Innsbruck-Bezug wurden von uns genauer aufgearbeitet und sind jetzt in dieser Reihe zu sehen.

Ich weiß, das Dachl kennen wir alle und haben wir schon X-Mal auch auf Innsbruck erinnert gesehen, aber es rentiert sich doch immer wieder auch einen Blick auf Altbekanntes zu werfen. Wo, denken Sie, gehen wir hier zeitlich ca. um? Der Hosen- und Frisurenmode nach zu schließen vielleicht in den 20ern/30ern/40ern? Das Geschäft in der rechten Laube, wo wir „Schnittware“ und „Bettfedern“ lesen, dürfte das Textilhaus Ludwig Schaufler sein, das auch einige Jahrzehnte dort überdauert hat. Und beachten Sie nicht zuletzt die unglaublich menschenunfreundlichen Absperrungen an den beiden „Füßen“ des Dachls – wenn man da betrunken nach Hause wankt könnte schon so einiges schiefgehen…

(Stadtarchiv Innsbruck, Ph-Pl-1782-2)

Dieser Beitrag hat 21 Kommentare
  1. Sehr wahrscheinlich eine Aufnahme aus der Zeit um 1950/60. Die Röcke und Frisuren könnten auf die Mitte der 1950er-Jahre hinweisen.
    Wie man auf Fotos der Altstadt von 1938 erkennen kann, haben die Geschäfte neben dem Goldenen Dachl damals noch ganz andere Schriftzüge und Schilder.

  2. Hier ist ein Vergleichsbild aus der Vorarlberger Landesbibliothek von 1961.

    Im Wesentlichen hat das Goldene Dachl in diesem Jahr genauso ausgeschaut wie auf dem Titelfoto. Die Eisengitter waren 1961 offenbar auch noch vorhanden. Kleinere Unterschiede sind eine Werbetafel bei der linken Dachrinne und ein Verkaufsstand in den Lauben rechts im Bild:
    https://pid.volare.vorarlberg.at/o:28918

    1. Danke, Herr Auer, dass Sie sich wieder an meinen Onkel erinnern!
      Mit der zeitlichen Einstufung habe ich nun ein Problem! Wie schon einmal erwähnt, besitze ich ein ‚Werkverzeichnis‘ meines Onkels. Anführungszeichen setze ich deshalb, weil ich nicht genau sagen kann, ob die Zeitangaben wirklich stimmen. Ich glaube, dass irgendwann einmal mein Onkel zu seiner Frau Maria geb. Vögele sagte: „Kim her, iatz miassn mir amol zamschreiben, was i alles gmacht hab“. Man muss dazu wissen, dass Tante Mia die einzige Frau in der Verwandtschaft (vielleicht abgesehen von der heuer 106 Jahre alt gewordenen Tante Elsa – Elsa Roilo geb. Müller) war, die eine Schreibmaschine hatte und damit auch umgehen konnte!!
      In diesem maschingeschriebenen ‚Werksverzeichnis‘ (es ist auch so tituliert) steht im Jahre 1949 nur: „Goldenes Dachl – 10 Stück Sandsteinreliefs“ – aus! In Wirklichkeit waren es an der Frontseite sogar 12 Stück: 6 große oben (Personendarstellungen) und 6 kleinere unten (Wappendarstellungen). Die unteren Reliefs hat hauptsächlich (oder gar alle) die Mitarbeiterin meines Onkels, Frau Ilse Giacomuzzi (später soweit ich gehört habe freischaffende Künstlerin, sie soll erst im Jänner 2021 gestorben sein) angefertigt.
      Es gibt auch ein Fotoalbum meines Onkels mit seine Werken, einige Bilder sind dem Goldenen Dachl gewidmet – leider steht im ganzen Album keine Jahreszahl!!

    2. Bilder aus dem Fotoalbum meines Onkels Franz Roilo – siehe auch https://innsbruck-erinnert.at/ein-prominentes-geburtstagskind/
      https://postimg.cc/bDg2nqxH
      https://postimg.cc/vgCw3VtQ
      https://postimg.cc/ykdrkdmj
      Interessant ist der Vergleich der zwei Gesamtbilder des Goldenen Dachls mit dem Titelbild (Fehlende untere Reliefs, mit und ohne Gitter und Geschichtstafel, beschädigter Schriftzug ‚Uhrmacher‘ etc.). Wie kann man diese Bilder zeitlich einordnen?

      1. Das sind sehr spannende Fotos, Herr Roilo, vielen Dank!

        Im Buch „Memoria Austriae: Bauten, Orte, Regionen. Band 2“ heißt es, dass Franz Roilo in den Jahren 1952 und 1969 Arbeiten am Goldenen Dachl durchgeführt hat.

        Das Bild, wo die unteren Reliefs ausgebaut sind, ist wohl das jüngste Foto und könnte von 1969 sein.

        Sehr interessant ist auch die Erwähnung, dass die neuen Reliefs im 2. Stock aus Schweizer Sandstein in St. Margarethen gemacht sind.

        1. Ich kann mich noch erinnern, wie mein Onkel öfters erzählte, dass er damals, zusammen mit jemandem vom Denkmalamt in die Schweiz fuhr und das Rohmaterial aussuchte. Damals sicher noch kein leichtes Unterfangen, wenn auch St. Margrethen direkt an der Grenze liegt. Auch die ganzen Formalitäten und der Transport waren nicht einfach.
          Ein Link zum St. Margrether Sandstein:
          https://materialarchiv.ch/de/ma:material_278/?maapi:f_all_groups=ma:group_937

          Ich nehme an, dass auch die Wappenreliefs im 1. Stock aus demselben Material bestehen.

          Um auch Frau Ilse Giacomuzzi zu würdigen, sende ich dieses Bild: https://postimg.cc/kD5ktf9W
          Vielleicht besitzt ihre Tochter dieses Bild überhaupt nicht!

  3. Der Uhrmacher war der Uhrmachermeister und Juwelier Josef Jabinger. Nach seinem Tode führte Frau Agnes Jabinger noch jahrelang das Geschäft als Witwenbetrieb weiter. Wohnhaft war die Familie in unserem Stöcklgebäude Egerdachstraße 6

  4. Einen Hinweis auf die Datierung liefert auch die Hohlkehle bei der linken Dachrinne, welche beim nächsten Fenster völlig abrupt aufhört.

    1946 geht die Hohlkehle nur bis zur Dachrinne, aber nicht so weit darüber hinaus. Auf Fotos von 1956 und 1961 reicht sie bereits genauso weit nach links wie auf dem Titelfoto.
    Und heute zieht sich die Hohlkehle über die gesamte Fassadenlänge in einem Stück.

    Das Bild ist demnach sicherlich nach 1946 entstanden. Möglicherweise kurz nach der Renovierung von 1952.

  5. Die Knickerbocker wurden in den 50-er Jahren (wieder) modern. Ich erinnere mich an einen ziemlich modebewussten Onkel, der solche Hosen trug, dazu Stutzen mit einem Karomuster. Als Kind fand ich dieses Outfit überhaupt nicht cool – wie hieß das denn eigentlich damals, bärig? lässig? – es hat mich vielmehr belustigt. Weil die rechte der beiden Damen unter ihrem weiten Rock möglicherweise einen Petticoat trägt, tippe ich, die Aufnahme ist zwischen 1955 und 1960 entstanden. Schade, dass man das Auto, das sich im Schaufenster spiegelt nicht besser erkennen kann.

  6. Das Textilhaus Ludwig Schaufler wurde erstaunlicherweise bereits 1845 gegründet. Im Boten von Tyrol vom 4. September 1845 findet sich folgendes Inserat zur Geschäftseröffnung:

    „Unterzeichneter hat die Ehre einem verehrten Publikum
    ergebenst anzuzeigen, daß er das Befugnis zur Aus-
    übung einer Tuch- und Schnittwaaren-Handlung
    erhalten habe.
    Er empfiehlt daher sein ganz neues, bestassortirtes Waa-
    renlager zu den allerbilligsten Preisen, zur geneigten Ab-
    nahme.
    Das Verkaufs-Gewölbe befindet sich in dem ehemals
    Raggl’schen Lokale auf dem Franziskanergraben.
    Innsbruck, den 1. September 1845.
    Ludwig Schaufler.“

    Die Übersiedlung in die Altstadt erfolgte demnach erst später.

    1. Dazu ist noch interessant, dass die Firma Ludwig Schaufler in der Tat nicht nur einige Jahrzehnte überdauert hat, wie im Text geschrieben steht.

      Als Textilhaus Egger besteht die Firma nämlich bis heute.

      In den 1960er-Jahren hieß die Firma „Johann Egger, Ludwig Schauflers Nachf.“ (OHG.)
      Die Firma besteht somit seit 1845 ununterbrochen fort, das sind bald 180 Jahre.
      Eine ganz besondere Firmengeschichte!

  7. Als Anhaltspunkt für eine Datierung ist auch der Brunnen ganz interessant.

    Der Erinnerungsbrunnen unterhalb des Goldenen Dachls wurde 1934 vom Heimatforscher Hans Hörtnagl gestiftet und im selben Jahr aufgestellt. Das dekorative Brünnlein erinnert an den historischen „Platzbrunnen“. Gegossen wurde der Erinnerungsbrunnen von der Firma Grassmayr in Wilten.

    Der Brunnen zeigt einen Engel mit der Innbrücke aus dem Stadtwappen. Der anmutige Engel hält mit der linken Hand die beiden Brunnenausläufe, welche das Brünnlein mit Wasser speisen.

    Der Entwurf stammt vom Künstler Hans Andre. Vom gleichen Künstler stammen auch die Skulpturen an den Erkerfenstern des Hauses Maria-Theresien-Straße 25 beim Sparkassendurchgang. Von Hans Andre ist auch das Relief des Stadtwappens mit ebenfalls einem Engel sowie einem Bürgerpaar am Alten Rathaus.

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