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Der März 1848 (I)

Der März 1848 (I)

Der März 1848 begann in Mitteleuropa, wie viele andere Monate zuvor auch schon: unscheinbar und ohne besondere Vorkommnisse. Zwar gab es vereinzelt Meldungen von Aufständen in Paris, aber Paris war weit weg und in der Habsburgermonarchie herrschte Ruhe und Ordnung. Alles schien seinen gewohnten Gang zu gehen. Im Untergrund aber brodelte es und schon bald war es mit der Gemütlichkeit vorbei, am Ende des Monats März sollte mehr passiert sein, als in Jahrzehnten zuvor und eine Revolution – die sogenannte Märzrevolution – die Grundfeste der Habsburgermonarchie erschüttert haben.

Diese Märzrevolution hatte zahlreiche Ursache, wobei sich die Unzufriedenheit mit einem überkommenen politischen System und der fehlenden Möglichkeit der politischen Mitbestimmung sowie die wachsende wirtschaftliche Not der Arbeiterschaft vermischten, sodass es letztlich nur noch den berühmten Tropfen benötigte, der das Fass zum überlaufen brachte. Dieser Tropfen war der Sturm auf das Ständehaus in Wien, nachdem zuvor die Studenten und Professoren der Universität Wien 12. März 1848 dem Kaiser eine Petition überreichen wollten, in der sie Presse- und Redefreiheit, eine Verfassung sowie der Einrichtung einer Volksvertretung geforderten hatten. In der Folge brachen in den kommenden Tagen gewaltsame Unruhen in Wien aus. Als rasch klar wurde, dass eine Niederschlagung des Aufstandes nicht möglich war, entließ Kaiser Ferdinand Fürst Metternich, den dominierenden Staatsmann Österreichs in den vorangegangenen Jahrzehnten, und sicherte seinen Untertanen die Ausarbeitung einer Verfassung sowie die Einführung der Pressefreiheit und die Aufhebung der Zensur zu. In kurzen Abständen folgten in den nächsten Tagen zahlreiche Verordnungen mit neuen Zusicherungen an die Bevölkerung. Bezeichnend ist dabei der Tonfall der kaiserlichen Erlasse: als ob nichts geschehen wäre, werden dort in väterlicher Milde die Wünsche der „treuen Völker“ erfüllt.

Wiener Zeitung, 16. März 1848.

Während in anderen Teilen der Monarchie auch erste Unruhen ausbrachen, blieb es in Innsbruck ruhig. Hier hatte man die Phase des Aufstands übersprungen – oder man könnte auch sagen verschlafen – und ging direkt dazu über, die zugesicherten Freiheiten zu feiern. Die Nachrichten über die Zugeständnisse des Kaisers trafen hier um den 17. März über private Briefe ein. Am 18. März reagierte schließlich auch der Magistrat der Stadt Innsbruck, indem er – wie im Titelbild nachzulesen ist – die Bürger aufforderte Ruhe und Ordnung zu bewahren. Gleichzeitig sprach man vom Beginn einer neuer neuen Ära, und einer „segensreichen Zukunft“. Dieses Flugblatt ist nur eines von vielen, die in den kommenden Wochen und Monaten erscheinen sollten. Mit der Aufhebung der Zensur und der Einführung der Pressefreiheit begann auch die Ära der Massenpresse in der Habsburgermonarchie.

Der Magistrat hatte die Bürger*innen der Stadt auf aufgefordert, die Häuser am 20. März zu illuminieren. An diesem Tag planten die Studenten einen Fackelumzug aus Anlass der Gewährung der neuen Freiheiten und die Stadt sollte sich an diesem Tag von seiner besten Seite zeigen. Auch die Symbolik ist dabei natürlich interessant, das Licht der Fackeln und in den Häusern sollte wohl in eine neue, hell erleuchtete Zukunft weisen.

Wie in Wien waren auch die Studenten in Innsbruck in der ersten Reihe. Anders als in der Hauptstadt beschränkten sich die Innsbrucker Studenten aber darauf, die Erfolge ihrer Wiener Kommilitonen durch öffentliche Demonstrationen zu feiern. Es gab zwar auch Nachrichten, die Studenten hätten einige Jesuiten, als Symbolfiguren eines von der Kirche dominierten und rückwärtsgewandten Bildungssystems, beleidigt und tätlich angegriffen, allerdings lässt sich heute nicht mehr genau sagen, ob dies tatsächlich stattgefunden hat. Der Präfekt des Gymnasiums dementierte dieses Gerücht jedenfalls öffentlich:

Ob dieses Dementi echt war oder dazu diente, die Situation zu beruhigen, muss heute dahingestellt sein – der einzige vermeintlich revolutionäre Akt in Innsbruck im März 1848 ist somit nicht gesichert. Die Studenten sollten aber in den kommenden Wochen noch genug Möglichkeiten haben, um von sich reden zu machen. Davon werden wir aber mehr in den kommenden Teilen dieser Serie erfahren.

(Stadtarchiv/Stadtmuseum VO-77; VO-28)

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