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Über Die Freiburger Brücke…

Über die Freiburger Brücke…

…sollst du nicht gehen. So lautete zumindest das Motto der werten Damen und Herren auf unserem Bild hier. Wir befinden uns in der Maria-Theresien-Straße auf einer Demonstration gegen die Errichtung der Freiburger Brücke im Jahr 1974.

Dass die Demonstrationen nicht wirklich gefruchtet haben, sieht man, wenn man heute am Innrain entlangschlendert und sich plötzlich die Betonbrücke vor einem erstreckt. Zugegeben: als Kind habe ich sie immer als nützliche Abkürzung zu McDonalds empfunden, aber, wenn man im Stadtarchiv seine Zeit totschlägt…äh ich meine natürlich voller Ehrfurcht dort verbringt, so erfährt man das ein oder andere düstere Geheimnis über gewisse Bauwerke der Stadt, wie auch in diesem Fall.

Die städtische Politik sah in den 70er-Jahren ein dringendes Bedürfnis darin die Freiburger Brücke, damals noch Holzhammerbrücke, errichten zu lassen. In einem Zeitungsbericht vom Juli 1974 schrieb man, dass die Stadtführung an der Realisierung der Brücke festhalten will. Zu diesem Entschluss kam man trotz eines Gesprächs mit der „Bürgerinitiative Holzhammerbrücke“, denn die ,,Stadtgemeinde müsse im Interesse der Verkehrserfordernisse neuerlich an Land und Bund appellieren, eine rasche Verwirklichung des Brückenprojekts in die Wege zu leiten.“ (TT,1974, Nr.154, S.3)

Daraufhin folgte der erste Protest gegen die Freiburger Brücke; am 29.07.1974 versammelten sich rund 700 Anrainer vor dem Rathaus, um das Projekt zu Fall zu bringen. Der Bau der Verbindung zwischen Innrain und Fischnalerstraße würde nicht im Interesse der Stadtbewohnerinnen und Stadtbewohner erfolgen, sondern nur Begünstigungen für die dort ansässigen Unternehmen schaffen, denn die Brücke galt als wichtige Verbindung zwischen dem Industriegebiet im Westen (Höttinger Au) und im Osten (Reichenau, Rossau). Man argumentierte damit, dass so eine schnellere Verbindung für die Unternehmen geschaffen werde. Je kürzer der Transportweg desto größer ist der Profit für die Unternehmen, weshalb sie natürlich Druck ausübten, damit die Brücke nach 40 Jahren Planung endlich gebaut werden würde. Das war zumindest die Meinung der Demonstrantinnen und Demonstranten.

Diese Vorgehensweise schnitt sich jedoch mit den Interessen der Bevölkerung, die vor allem Sorge um ihre Wohn- und Lebenssituation hatte. Bewohnerinnen und Bewohner schilderten zuvor schon eine gesunkene Lebensqualität, der Lärm und der Gestank aufgrund des vielen Verkehrs sei nachts nicht auszuhalten und man hätte in der Stadt nicht genug Möglichkeiten öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen, um die Auslastung der Straßen zu verringern. Der Südring wäre verkehrstechnisch jetzt schon total überlastet und man befürchtete, dass die Anrainer rund um die Freiburger Brücke dasselbe Schicksal ereilen würde. Als Folge des erhöhten Verkehrsaufkommens nannte man Nervosität, Magenerkrankungen, Kopfschmerzen sowie ein höheres Risiko an Krebs zu erkranken aufgrund des ständigen Kontakts mit den Abgasen.

Nach ewigem Hin und Her und weiteren Protesten wurde schließlich Ende der 70er-Jahre mit dem Bau begonnen, Anfang der 80er erfolgte die Fertigstellung. 1981 wurde die Holzhammerbrücke feierlich in Freiburger Brücke umgetauft. Den Namen erhielt sie aufgrund einer Partnerschaft der Stadt Innsbruck mit der Stadt Freiburg im Breisgau (Deutschland).

Stadtarchiv Innsbruck, Ph-17552: Taufe der Freiburger Brücke 1981 mit Gästen aus Freiburg im Breisgau

(Stadtarchiv Innsbruck, Ph-17596)

(Verena Kaiser)

Dieser Beitrag hat 5 Kommentare
  1. Es ist ja so verständlich, daß sich die Anrainer damals aufgeregt haben. Ich kannte die kurze Holzhammerstraße noch in ihrer Abgeschiedenheit. Auch wenn es die theoretische Möglichkeit gab, von der Mandelsbergerstraße in die heute noch ruhige Noldinstraße abzubiegen, um dann ums Eck über die Holzhammerstraße in die Egger Lienz Straße zu gelangen, taten das nur Mütter mit den Kindern an der Hand. Ein stiller Ort. Am einen Ende der Straße das Lebensmittelgeschäft Gächter, am anderen ein Friseur. Auf der anderen Straßenseite ein paar villenähnliche Wohnhäuser mit Garten. In den 60ern ein paar Neubauten, ein bescheidener Supermarkt „SB Besele“ wurde eröffnet und am Eck zur damals nur als Gasse vorhandenen Innerkoflerstraße etablierte sich das Cafe Taroc, heute ein Inder.
    Und daraus soll eine Hauptverkehrsstraße werden? Die schon erwähnte einstige Autofreundlichkeit der Innsbrucker kam ins Wanken. Aber betroffen waren nur die Bewohner der Ostseite des Mandelsberger Blocks und der paar anderen, eben erwähnten, Wohnhäuser. Die paar Anrainer waren zu wenig. 700 Stimmen weniger schluckte die Lugger ÖVP spielend, und die restlichen Bewohner der Stadt kannten keine Solidarität. Und „die Wirtschaft“ war wohl schon damals der heimliche Regent. Und der Herr Obenfeldner wurde als möglicher Bürgermeister sowieso nicht ernstgenommen. Also einfach den Tag des Protestes aussitzen.
    Vielleicht hätte man im unbewohnten Bereich westlich des Bahnviadukts schadloser eine Verbindung zum Fürstenweg und der Kranebitter Allee bauen können. Aber da hätten Unternehmen für ihren eigenen Vorteil etwas von ihren Grundstücken abgeben müssen. Nix da!

    Und für die unsinnige Namensgebung durften zur Einweihung sicher ein paar Mitglieder der Freiburger Stadtregierung gratis ein paar Tage in Tirol verbringen. Richtig, eine Innsbrucker Straße gibts in Freiburg auch. Und eine Andreas Hofer Straße…mamma mia.

  2. Die Planungen für die Trasse der Holzhammerbrücke reichen interessanterweise bereits ins Jahr 1913 zurück. Die Trasse von 1913 wurde dann 1936 vom Gemeinderat beschlossen und 1952 im Flächenwidmungsplan eingetragen. Von den ersten vorausschauenden Planungen bis zur Eröffnung hat es freilich über 70 Jahre gedauert…. Ob gut Ding eben Weile braucht?

    Im Amtsblatt von 1974 gab es diesbezüglich sogar einen eigenen Bericht „Die Holzhammerbrücke – eine zwingende Notwendigkeit“:
    http://amtsblatt.stadtarchiv-innsbruck.at/bild.php?id=4606

    Darin heißt es als eine Art Trostpflaster für die betroffenen Anrainer u.a.:
    „Für jene Anrainer , die durch den Verkehr auf der neuen Brücke in
    ihren Lebensgewohnheiten echt geschädigt würden, erklärte der Bürgermeister
    noch einmal, wie bereits eine Woche zuvor im Stadtsenat, die
    Bereitschaft der Stadtverwaltung, bei einem allfälligen Wohnungstausch behilflich sein zu wollen“…..

  3. Interessant ist auch, dass die Holzhammerbrücke 1974 als eine 320 m lange kreuzungsfreie Hochbrücke über den Innrain und die Fischnalerstraße geplant war. Der Innrain und die Fischnalerstraße wären in einer Höhe von 4,70 m überquert worden:
    http://amtsblatt.stadtarchiv-innsbruck.at/bild.php?id=4607

    Schlussendlich wurde die Holzhammerbrücke jedoch in einer abgespeckten Variante als niveaugleiche Flachbrücke mit Straßenkreuzungen errichtet.

  4. Zumindest brauchen sich die, die man auf dem ersten Photo erkennt, nicht zu schämen, dass sie bei dieser Gegendemonstration dabei waren. Wer Straßen sät….

    Habe gerade ein wenig in der Verkehrsgeschichte Freiburgs gelesen. Die Stadt ,die wir in den 80´er Jahren so neidvoll betrachteten und uns fragten, warum sich Innsbruck an seiner Partnerstadt kaum ein Beispiel nahm, war 1974 auch erst im Begriff die verkehrspolitsche Kehrtwende zu einzuleiten. Damals hatten nämlich beiden Städte noch munter an ihren Innenstadtringen gebaut. In Freiburg wird er jetzt gerade rückgebaut. Wie lange es braucht, bis Innsbruck folgt, ist fraglich.

  5. Hab mir gerade noch einmal das Politikerbildl angeschaut, darauf sieht man ja die Freiburger Abordnung mit freiem Auge. Zwei Schwarzwälder Trachtenmädle und dazwischen der von diversen Internetquellen als legendär eingestufte Freiburger Oberbürgermeister Eugen Keidel mit einer mit Stadtwappen geprägten Mappe. Lugger hält noch zwei unscheinbare Zettelchen in der Hand, Gutscheine für die Trachtenmädle vielleicht. Oder etwa das Freiburger Gegengeschenk?

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