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Der Bilderblog aus dem Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck
Leintücher Im Wind – Aber Wo?

Leintücher im Wind – aber wo?

Es könnte an einem warmen Sommertag gewesen sein. Vielleicht nicht so heiß wie aktuell, aber die Aufnahme stammt aus einer Zeit, als der Klimawandel noch nicht einmal als Begriff bekannt war.

Hinten ein Ausschnitt der Nordkette. Eher etwas östlicher als sonst gewohnt; Richtung Arzler Scharte. Oder? Diese Frage wird uns noch beschäftigen.

Doch erfreuen wir uns zunächst einmal an der westseitigen Hausfassade. Küchenbalkon wurden diese Erker ursprünglich genannt. Das waren im Wesentlichen Nutzflächen. Hier wurde Wäsche aufgehängt, vermutlich Lebensmittel gelagert. Aber welche? Es ist je zu warm für Kartoffel oder ähnliches Gemüse. Im Krieg gab es auf vielen Balkon (illegale) Hasenställe. Diese hatten gegenüber den Hühnern den Vorteil, dass sie leise sind, nicht scharren, aber trotzdem riechen.

Zum Zeitpunkt der Errichtung dieser Häuser war es nicht schicklich, dass sich die „Herrschaft“ auf den Balkon setzte. Aber wann hat sich das geändert? 1960er? Ein Nutzungswandel vom Nutzen zum Genießen.

Schön, aber wohl schon lange aus der Mode gekommen sind die weißen Leintücher als Sonnenschutz. Manchmal auch in der Form von Vorhängen mit Vorhangschiene. Auf dem Balkon im Vordergrund sitzen Menschen an einem Tisch. Vielleicht sogar ein Knabe in Lederhosen, wenn man das aus dem Hosenträger vermuten kann.

Besonders fesch ist das Stöcklgebäude im Vordergrund. Früher gab es diese recht zahlreich. Ein Blick in die Adressbücher zeigt, dass eine deutliche Durchmischung von Kleinindustrie, Gewerbe und Wohnraum üblich war. Teilweise auch unerfreuliche Nachbarn wie Gerbereien, Nudelfabriken oder Schlossereien.

Doch zurück zur Nordkette. Wer kann aus der Mischung von Ortskenntnis, trigonometrische Fähigkeiten und Geduld die Straßen des Innenhofs bestimmen?

(Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck; Ph/G-11.707)

Dieser Beitrag hat 3 Kommentare
  1. Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir uns in der Pradlerstraße befinden und zwar in den Innenhöfen der Häuser Gaswerkstraße 8 / Pradlerstraße 30 / 32

    1. Sie können sicher sicher sein Herr Roilo. Es stimmt alles überein, das relativ neue Haus mit den dreifachen Fenstern, das Türmchen (welches ich auf einem Haus auf der anderen Straßenseite vermutet und daher nichts gefunden habe), sogar die alte Balkonlandschaft ist auf dem aktuellen GoogleMaps zu erkennen.

      Diese alten Balkone sind – wie ich es aus meiner Gegend gekannt habe, und auch auf dem Foto glaub ich’s wiederzuerkennen – immer aus dem starren Schema des Bauplans ausgebrochen. Einmal mit Bretterverschlag, einmal ohne, oder Luxus pur, verglaster rundum Verbau. Völliger Individualismus dann bei den Konstruktionen der Wäscheaufhängungen, Löcher für die Schnüre oder Drähte, oder kleine Zäpfchen, den Bauernfiguren am Schachbrett abgeschaut, rot, grün, es gab alles.

      Auf den dreieckigen Eisentraversen, die den Balkon abstützten, hatten wir jeden Sommer mehrere Schwalbennester. In einem Sommer war eine derart kalte regnerische Witterung, dass die schon ausgeschlüpften kleinen Schwalben verhungerten oder zu kalt hatten. Danach blieben die Nester leer.

      Als der Wirt des Gasthauses Niedermayr (auch lauthalse Haltestellenankündigung des Schaffners im „C“ !) die Gaststube renovierte, schnappte sich mein Vater eine bestens erhaltene Eckkombination der alten Täfelung inklusive Sitzbank und baute sie am Balkon ein. Oft sind wir aber nicht dort gesessen.

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