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Italienische Reise

Italienische Reise

„Bei Scharnitz kommt man ins Tirol. Die Grenze ist mit einem Walle geschlossen, der das Tal verriegelt und sich an die Berge anschließt. Es sieht gut aus: an der einen Seite ist der Felsen befestigt, an der andern steigt er senkrecht in die Höhe.“

So beschrieb Goethe seinen ersten Eindruck von Tirol als er im September 1786 auf der Durchreise nach Italien war. Er verweilt nicht lange, ja er klagte sogar, dass die schnelle Kutsche ihn zu rasch durch das Land brachte. Als er Innsbruck passierte, machten sich die Bürger der Stadt gerade zuhauf nach Wilten auf, um Mariä Geburt zu feiern.

„Bei Zirl fährt man ins Inntal herab. Die Lage ist unbeschreiblich schön, und der hohe Sonnenduft machte sie ganz herrlich. Der Postillon eilte mehr, als ich wünschte: er hatte noch keine Messe gehört und wollte sie in Innsbruck, es war eben Marientag, um desto andächtiger zu sich nehmen. […] Von Innsbruck herauf wird es immer schöner, da hilft kein Beschreiben. Auf den gebahntesten Wegen steigt man eine Schlucht herauf, die das Wasser nach dem Inn zu sendet, eine Schlucht, die den Augen unzählige Abwechselungen bietet.“

So sehr ihn die Berge und die Landschaft begeisterten, sie verleiteten ihn auch zu einigen Spekulationen über Meteorologie. Goethe mutmaßte, dass die Gravitation der Erde „pulsierte“ und in den Bergen, wo sie stärker sei, für das Wetter dort verantwortlich sei, da sie die Fähigkeit der Luft beeinflusse, Feuchtigkeit aufzunehmen. Er räumte allerdings ein, dass Zeitgenossen seine Theorien oft etwas belächelten.

Nachdem er den Brenner überquert hatte und bis zum Gardasee gekommen war, nahm er einen Spaziergang auf das dortige Castello Scaligero, wo er sich niederließ und die Burg skizzieren wollte. Die Anrainer verdächtigten ihn jedoch der Spionage, da die Burg damals an der Grenze zwischen Österreich und dem Gebiet Venedigs lag – es gelang ihm aber ohne größere Komplikation weiterzureisen.

Castello Scaligero – KR-NE-4695

(Signatur Bi-k-1636-2)

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