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Im Valle Dei Laghi

Im Valle dei Laghi

Der Innsbrucker Karl Brunner, Jahrgang 1887, später würde er Rektor der Universität Innsbruck werden, ging als junger Mann wie alle seine Alterskollegen an die Front des Ersten Weltkriegs. Die lag ab 1915 sehr nahe an Nordtirol und doch war das Geschehen weit von der Realität der Menschen in ihren Wohnungen und Häusern nördlich des Brenners entfernt. Im Trentino und den angrenzenden Regionen Oberitaliens wird dieser Krieg neben den hohen Verlusten an Menschenleben (die gab es unter den jungen vielfach in Galizien gefallenen Tirolern auch) immer gemeinsam mit den Schäden der Artillerie-Beschüsse und frühen Flieger-Angriffe auf die Dörfer entlang der jeweiligen Frontverläufe erinnert. Der Krieg steckt noch in vielen dieser Dörfern, als wäre er erst letzte Woche zu Ende gegangen.

Als Offizier und Photoamateur nahm Karl Brunner seine Kamera in den Krieg mit. Das ganze Programm mit Stativ und Glasplatten, sicher kein leichtes Marschgepäck. Das Titelbild, das wohl eine Gefechtsübung zeigt, hat den Autor dieser Zeilen bei seiner Liebe zum Trentino als erweiterter Sommergarten mehrerer MK-ler Generationen „erwischt“. Die von Steinmauern eingefriedeten kleinen Felder, der mittelhohe Eichenbewuchs, die Gemüse-, Kastanien- und Weingärten. Wir haben in diesen Flecken zu jeder Jahreszeit gegrillt, geblödelt, im Schlafsack übernachtet oder durchgemacht, Glühwürmchen gefangen, im Tre Faggi oder bei Peppino ein Spuma gekauft oder ein Algida-Eis um 200 Lire, wir haben alle soft skills der Wochenend- und Ferienlagervergnügungen erlernt, die großteils mehr als harmlosen Geschichten dazu würden Bände füllen. Hier schießen junge Tiroler Soldaten auf Pappkameraden, um die erworbenen Fähigkeiten bald an den Südfronten des sinn- und würdelosen Ersten Weltkriegs zu erproben.

(Stadtarchiv Innsbruck, Sammlung Familien Brunner-Nemec)

Dieser Beitrag hat 4 Kommentare
  1. Ach, der Lago Lamar. Die Tre Faggi gibts sowohl Gasthaus als auch in Baumform noch immer.

    Am Thema vorbei, aber neugierig: Wo genau war eigentlich die MK-Feriensiedlung in Terlago?

    1. Lieber Herr Hirsch,

      ja die Bäume und das Gasthaus waren letztes Jahr noch dort 😉
      Das MK Bungalowdorf, völlig ungeniert ohne jede Baugenehmigung von Sigmund Kripp ins Naturschutzgebiet gestellt, lag gefühlt 120 Höhenemeter entlang der Paganella hinter dem See, gute 20 Minuten war man schon immer unterwegs. Vom halben Dutzend verstreuter Bungalows ist fast nichts mehr zu sehen, nur die betonierte Grundfläche des „Zentralbungalows“ kann man heute noch finden.
      Ricci Plaickner SJ musste, so die von ihm selbst verbreitete Legende, jedes Jahr einen Abend lang mit dem Bürgermeister von Terlago bei Rotwein und Grappa verhandeln, ob die Gemeinde nicht doch noch ein Jahr ein Auge zudrücken würde vor dem Abbruchbescheid.
      Zu meinem Schrecken lese ich auf der Openstreetmap:
      „Sede ex colonia estiva ragazzi TEDESCHI“
      https://tyrolean-map.legner.me/#17/46.13835/11.06391/OSM

      Das werd ich ändern. Deutsche Buben! Frechheit.

  2. Mein Gott, Herr Hofinger, da waren wir im letzten August! Die Runde von Vallene direkt zum See und wieder retour war uns zu wenig und wir gingen quer durch den Wald in einer großen Kurve mit Umkehrpunkt an dieser wunderschönen Baumwiese in der Nähe. Zeitgeister würden darin schon wieder einen der inflationären magischen Plätze orten. Dort haben wir wahrscheinlich auf den Resten eines Bungalows gesessen und gejausnet. Auch andere Brocken aus Beton habe ich in Erinnerung, inklusive ein Gebilde wie ein Altar aus Betonresten und etwas weiter vorn ein (garantiert auch ohne Genehmigung errichtetes) verfallendes Wochenendhaus im Wald.
    Wieder was abgehakt.

  3. Und ca. 250m Luftlinie nördlich war zumindest vor ca. 25 Jahren am Weg nach Fai noch das große Betonfundament der ersten Stütze der Diretissima auf die Paganella zu sehen. Nachdem der Altar noch da ist (der damals schon recht desolat wirkte), ist anzunehmen, dass es diesen Platz auch noch gibt – nette Aussichtsplattform ins Tal.

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