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Stadtteil Untere Felder

Stadtteil Untere Felder

Am 1. Oktober 1878 wurde das Schicksal Wiltens besiegelt. Aus dem klosterverwalteten Schnürldorf mit Banderlgasse, Mäntlgasse, Engelmühlgasse und Fischergasse rechts- und linksseitig der Leopoldstraße sollte die erste ernstgemeinte Stadterweiterung der Landeshauptstadt entstehen. Innsbruck, kurz zuvor noch ein besseres Dörfl am Ende der Eisenbahnstrecke ohne Anschluss nach Süden und Westen, mauserte sich in diesen Jahren zum transalpinen Verkehrsknotenpunkt, zur Garnisonsstadt, zur Schul.- und Universitätsstadt und versucht seither, sich selbst auferlegten unerreichbaren Zielen (von Weltstadt © Hilde Zach bis Alpin-Urbanes Dorf © Werbeagentur der Uni) zu nähern. Träumen ist ja erlaubt.

Den obenstehenden Plan-Vertrag (hier in einer interaktiven Fassung mit Überblendemöglichkeit zur Openstreetmap) haben die Stadtgewaltigen Innsbrucks und die Dorfvorsteher Wiltens in der Absicht unterzeichnet, aus den Wiltener Feldern ein neues Viertel zu bauen. Zunächst wird die Grenze nach Innsbruck neu eingemessen, damit man hier die Grenzstraße (heute Maximilianstraße) verlegen kann. Dazu müssen die agrarisch genutzten Parzellen abgeschnitten und parifiziert werden.
Das letzte Haus Wiltens Richtung Westen ist die Glasmalerei-Anstalt, ein wenig weiter im Süden erkennt man noch die Glasfabrik, das Gasthaus Templ steht auch schon/noch. Wenn sich jemand wundert, warum die Schöpfstraße heute so verläuft wie sie verläuft, hier ist die Erklärung: Einige Wege bestanden schon und auch die Fischergasse und die Templstraße haben seither an Länge, Bebauung und Bedeutung zugenommen aber liegen im Grunde immer noch so da wie auf den Feldern der Prämonstratenser.

Das Bahnhofsviertel drückte von rechts oben herein, noch stand kein Pavillon der Klinik, nur die halbe Ausgabe des Westfriedhofs wurde bereits benützt. Schwer vorstellbar, was in den 20, 30 Jahren danach auf diesen Feldern entstehen würde. Es waren Jahre des Frieden und des Wachstums, des Wohlstands, der versuchten (und so weit auch gelungenen) Stadtwerdung des Dachldorfs. Zur Jahrhundertwende 1900 wird Wilten nicht wiederzuerkennen sein. Davon später mehr.

Dieser Beitrag hat 6 Kommentare
  1. Kurios ist auch wie die im Plan eingezeichnete Müllerstraße zu ihrem Namen gekommen ist. Es handelt sich um keine Berühmtheit oder prominente Figur aus der Geschichte, sondern um einen biederen Wiltener Handwerker:
    Pate für den Namen ist ein Tischlermeister Müller, seines Zeichens Hausbesitzer in dieser Straße, der anno 1868 zur Anlegung der Straße einen Teil seines Grundes dem öffentlichen Gut abgetreten hat.

  2. Wie man auf diesem so lehrreichen und spannenden Plan erkennen kann, handelt es sich auch bei der Innerkoflerstraße um einen ehemals landwirtschaftlichen Feldweg.

  3. Der Plan war 1878 schon nicht mehr ganz auf dem neuesten Stand. So fehlt z.B. das bereits 1874 erbaute große Wirtschaftsgebäude des Templwirts Anton Eller.

    Laut dem Vorarlberger Volksblatt vom 27. März 1904 hat es mit diesem Gebäude folgende Bewandtnis, vom Zeitkolorit her aufschlussreich ist auch die Elegie auf die rapide Urbanisierung Wiltens:

    „Abbruch eines großen Ökonomiegebäudes. Im Jahre
    1874 führte Herr Anton Eller (Templwirt) in
    Wilten neben seinem Garten ein großartiges, allen
    Anforderungen der Landwirtschaft entsprechendes
    Futterhaus mit Pferde- und Kuhstall auf. Eller
    war seinerzeit der größte Bauer von Wilten,
    welcher stets 20-30 Kühe und 10-12 Pferde
    im Stalle hatte. Dieser schöne Stall wird gegen-
    wärtig abgebrochen, um an dessen Stelle zwei
    große Zinshäuser aufzuführen. Es ist nun ein-
    mal mit der Landwirtschaft überall schlecht be-
    stellt. Die Klage über Dientboten und Steuern
    nimmt kein Ende mehr und jeder sucht seinen
    Boden besser zu verwerten, was in der Nähe
    aufstrebender Städte um so leichter fällt. Wo
    man noch vor zehn Jahren hier über blühende
    Wiesen und zwischen üppigem Getreide sich er-
    gehen konnte, stehen heute stattliche Häuserreihen
    mit schönen Läden und Auslagen. Leider ver-
    schwindet damit das Ländliche und mit ihm die
    gesunde Luft und für Kranke und Schwächliche
    die Gelegenheit, sich derselben teilhaftig zu machen.“

  4. Sehr interessant ist auch eine geplante Straße zwischen Casino und Landhaus 2, welcher in dieser Form nie realisiert wurde.

  5. on der späteren Schöpfstraße führt genau gegenüber der auf einsamer Flur stehenden Glasfabrik ein Feldweg, der in einem langgezogenem S zur späteren Anichstraße führt. Straße wurde daraus zwischen A, Hoferstr. und Speckbacherstraße keine.
    Warum schreibe ich das jetzt wieder? Gleich nach dem Beginn dieses Feldwegs ist auf alten Karten ein Wegkreuz oder Bildstock eingezeichnet, viellecit sogar eine kleine Kapelle. Auf der vorliegenden Karte fehlt jede Spur davon.

    Weiß man im Archiv Näheres darüber?

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