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Gestrandet In Innsbruck

Gestrandet in Innsbruck

Etwas traurig und verloren sitzt er da, der kleine Hund, der offensichtlich am Bug eines gestrandeten Schiffes angebunden wurde, um Modell zu Sitzen für unser heutiges Rätselfoto. Ansonsten ist nicht viel mehr zu sehen, als das Wasser im Hintergrund und ein paar Bäume, die das andere Flussufer akzentuieren. Viele Anhaltspunkte bietet das Foto ja nicht, aber erfreulicherweise kommen die Rätselfotos diesmal im Doppelpack daher. In der anderen Aufnahme sieht man die Steuerbordseite des Schiffes oder eher Bootes in ganzer Pracht. Dahinter kann man oberhalb einer kleinen Böschung ein langgezogenes Gebäude erkennen. Doch es quälen uns immer die gleichen Fragen: Wo sind wir hier, was für eine Geschichte verbirgt sich hinter dem Boot, und wann genau ist es da gestrandet?

Wie immer viel Spaß beim Rätseln und noch ein schönes Wochenende.

Der Ort der Strandung wurde von Herrn Auer schnell gefunden und sogar die zeitliche Einordnung von Herrn Roilo war sehr genau – wir haben das Foto mit 1950/51 datiert. Über die Geschichte des Bootes kann ich Ihnen leider auch nichts Neues erzählen, da auch uns hierzu keine Informationen bekannt sind. Ich hatte ja insgeheim gehofft, dass einer von Ihnen die Geschichte hinter gestrandeten Boot kennt. Vielen Dank noch an alle fürs Miträtseln.

(Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck, Ph-G-15799)

Dieser Beitrag hat 15 Kommentare
  1. Der Standort ist am Innufer hinter dem Flughafen in der Reichenau.
    In den Beständen der Nationalbibliothek findet sich eine Fliegeraufnahme des Flughafenareals von 1930. Mithilfe dieser Aufnahme lässt sich der genaue Standort wunderbar veranschaulichen:
    https://digital.onb.ac.at/rep/osd/?10BA3764

    Rätselhaft bleibt freilich, welche Bewandtnis es mit diesem Schifflein hat….

    1. Der Ort war gleich richtig – Gratulation von meiner Seite. Über das Schiff haben wir ehrlich gesagt im Archiv leider auch keine Informationen.

  2. Es wird zwar nicht dieses Boot sein, aber es hat immer wieder solche Innsbrucker Seeleute gegeben, die sich einbildeten, ein Boot bauen zu müssen und dann Schiffbruch erlitten haben.

    Ich kann mich noch erinnern – vielleicht kann Herr Hirsch darüber mehr erzählen – dass draußen irgendwo am Sieglanger auch so ein Bootsbauer war, ich sah es immer, wenn ich über den Völserbichl ins Oberland fuhr.

  3. Dieses Schiff wird es wohl nicht sein, aber bereits in den 1930er-Jahren wurde von Arbeitlosen ein Schiff gebaut. Zeitlich würde es passen, aber das Schiff am Beitragsbild schaut eher nicht nach Eigenbau aus…. Die Innsbrucker Nachrichten vom 16. September 1932 berichten:
    „Wieder ein Arbeitslosenschiff. Neuerlich haben drei Arbeits- ­
    lose aus Innsbruck sich zur gemeinsamen Schiffahrt zusammen- ­
    gefunden. Die drei haben sich in einer Scheune in der Rei- ­
    chenau, die als Werft dienen mußte, ein Segelschiff gebaut,
    das nun vom Stapel laufen kann. Dieser Akt wird im Laufe
    des Samstag nachmittags in der Nähe des Gasthauses „Sand- ­
    wirt“ erfolgen. Die Arbeit der drei Schiffbauer ist beachtlich,
    um so mehr, als sie große Opfer von den drei arbeitslosen
    Männern verlangte. Sie arbeiteten täglich 16 bis 18 Stunden
    an ihrem stattlichen Boot und ständig waren sie in Sorge, wie
    sie sich das Material zum Schiffbau und die Mittel zum
    Lebensunterhalt beschaffen sollten. Mancher Schilling wurde
    ja von den Besuchern gespendet, die in diesen schönen Tagen
    zahlreich in die Reichenau wanderten und sich das werdende
    Schiff besahen. Ende des Monats oder Anfang Oktober wer- ­
    den die drei Argonauten ihre Stromfahrt in die Ferne an- ­
    treten können. Hoffentlich haben sie mehr Glück als ihre Vor- ­
    gänger, die, als sie im Juli losfuhren, mit ihrem Floß bekannt-
    lich schon an der Volderer Brücke zerschellten.“

      1. Ja, Herr Roilo, in der Tat haben wir zugleich gesucht und dieselben Schiffbauer gefunden. Wie es mit dieser Geschichte dann weitergegangen ist, ist mir leider auch unbekannt…

    1. Diesbezüglich hab ich jetzt doch noch was gefunden:
      Das in diesem Artikel vom Juli 1932 erwähnte Boot „Tirol“ ist Ende Juli losgefahren und an der Volderer Brücke zerschellt. Die Reichspost vom 22. Juli 1932 berichtet:
      „Das Innsbrucker Arbeitslosenschiff zerschellt. Das Boot
      „Tirol“, das sich fünf Arbeitslose in Innsbruck selbst ge- ­
      zimmert haben, um damit ins Schwarze Meer zu fahren
      und in fremden Ländern Arbeit zu suchen, ist knapp nach
      der Abfahrt von Innsbruck verunglückt. Es trieb an
      einen Pfeiler der Voldererbrücke an, wo es gänzlich zer- ­
      schellte. Von den fünf Insassen konnten sich zwei schwim- ­
      mend ans Ufer retten, die übrigen drei Burschen hatten
      sich an die Trümmer des Bootes angeklammert und
      schwebten in größter Lebensgefahr. Erst knapp vor Pill
      gelang es, ihnen Seile zuzuwerfen und sie ans Ufer zu
      ziehen.“

      Es wird sich bei den Zeitungsberichten vom Juli und vom September 1932 somit um zwei verschiedene Boote handeln.

  4. Hats da nicht einmal in der Reichenau ein Bootsgasthaus am Inn gegeben? MIt irgend einem lustigen Namen, Arche oder irgendwie witzig.

    Von den Siglanger Booten weiß ich leider nichts. Ich sah nur manchmal vermutlich fertig gekaufte Motorboote unter der Karwendelbrücke durchflitzen. Meistens drehten sie beim Huter gleich wieder um. Oder waren das doch die Hobby-Noahs, an die sich Herr Roilo erinnern kann?

  5. Etwas noch zur genaueren örtlichen und zeitlichen Einordnung der beiden Bilder: Das rechte , himmeltraurige Foto mit dem Hund ist in Richtung Osten, also innabwärts aufgenommen. Man sieht rechts den Glungezer, links die seinerzeitige Allee an der Nordseite der Hallerstraße im Bereich der BP-Tankstelle. Das Boot ist also am rechten Innufer gestrandet.
    Das linke Foto zeigt – wie schon Herr Auer schrieb – das langgestreckte Gebäude des Reichenauer Gutshofes beim alten Innsbrucker Flughafen. Man sieht hier rechts auch ein Gerüst – eher ein Lehrgerüst, das zum Bau der Landesfeuerwehrschule passen würde.
    Nächster Schritt: Wann wurde die Landesfeuerwehrschule in der Reichenau gebaut? Irgendwann hatten wir das schon in einem Beitrag!

        1. Gerne, Herr Roilo! Das mit der Tankstelle ist eine sehr interessante Beobachtung. Diesbezüglich erinnere ich mich noch gut an das Foto und die Kommentare in diesem Beitrag:
          https://innsbruck-erinnert.at/gaaaaaanz-viel-zu-entdecken/comment-page-1/

          Die Tankstelle dürfte 1952 eröffnet worden sein. Es gibt in der Nationalbibliothek nämlich mehrere Fotos vom 23.05.1952, welche die neue Tankstelle bzw. Auto-Servicestation der BP von innen und außen zeigen, z.B. dieses Foto, welches mit „Abschmierhalle“ beschriftet ist:
          https://digital.onb.ac.at/rep/osd/?10C0F336

      1. Auf die Lösung bin ich jetzt gespannt.

        Unprofessionell sieht das Boot nicht aus, nur stark gebraucht. Immerhin hat es eine ummantelte Schiffsschraube, die direkt auf das Ruder wirkend eine bessere Manöverierbarkeit verspricht, gegen Eis und gegen Verletzungen, z.B. zu rettender Personen, besseren Schutz bedeutet, aber aufwendiger ist als ein schlichter Propeller. Vielleicht hat es die Feuerwehr für Einsätze auf dem Inn betrieben? Der Ort wäre ja günstig.

    1. Vielen Dank für die präzise Verortung und zeitliche Einordung. Ich bin immer wieder erstaunt was sie alle hier herausfinden.

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