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„Fürwahr Kein Vergnügen“ – Teil 4

„Fürwahr kein Vergnügen“ – Teil 4

Noch ist Josef Gruber im Etappengebiet, wo es neben der militärischen Ausbildung auch ein Unterhaltungsangebot für die Soldaten gibt – etwa im Rahmen der sogenannten „Karl-Woche“. Mit dieser Aktionswoche, die eine Reihe von Vorträgen, Theatervorstellungen und Kinovorführungen mit sich bringt, soll der Kaiser u. König Karl Kriegsfürsorge-Fonds auch an der Front beworben und zugleich unter den Soldaten und Offizieren Spendengelder gesammelt werden. Nach einem Sonderurlaub Ende April erfolgt schließlich die Einteilung zum Regiment (7. Kompanie des 1. TKJR) und der Abmarsch in die Stellungen, dem Gruber (zunächst) mit einer gewissen Begeisterung entgegensah.

Am 21./4. sollte ein Volksfest in Serrada gefeiert werden, denn es begann die Karlwoche für den Kaiser u. König Karl Fürsorge Fond. Es sollte das Höttinger Peterlspiel mitwirken. Zum Essen u. Trinken sollte es auch was geben mit Militärmusik. – Aber o weh! Es schneit den ganzen Tag Leintücher! Ich gehe nicht nach Serrada zum Peterlspiel.
Nachzuholen wäre, daß wir am Samstag, den 19./4. in Serrada Gasmasken faßten u. in der Gaskammer ausprobierten. Meine paßt mir gut.
Am 21./4. nachm. etwas Hustenreitz [sic]. Wahrscheinlich bei diesem nassen Wetter verkühlt. Temperatur 37,7.
Am 22./4. wegen außerordentlich starkem Schneefall kein Ausrücken. Ich wollte nicht zur Marodenvisite gehen, weil ich am 27. in Innsbruck sein sollte. Marodmelden konnte ich mich dort auch. Also blieb ich den ganzen Tag liegen, Temperatur abends 37,8.
Am 23. rückten wir wieder aus. Fliegerkampf beobachtet. 2 sind brennend abgestürzt.
Am 24. abends kam die Bewilligung vom Rgt. mit Urlaub in Existenzangelegenheiten, 4 Tage. Schwarzbauer u. Engelbrecht hatten 6 Tage bekommen, weil ihr Komp. Kmdt. das Gesuch nur zum Gruppenkmdo. geleitet u. von Obstlt. [Rudolf] Freiher[r] Handel-Mazzeti [sic] 6 Tage bekommen hatten. Ich bekam von Lt. [Alois] Kolb die Erlaubnis, ebenfalls nach 6 Tagen, dh. am 1. Mai vorm. einzurücken.
Um 6h 20‘ marschierten wir drei bei furchtbarem Schneefall von Serrada fort, über Guardia nach Calliano. Im Tale alles vom Regen reingewaschen, wunderbar grün. 8h 15‘ Ankunft Calliano. 9h Abfahrt. In Trient umsteigen, Weiterfahrt um 11h 15‘. Ankunft in Innsbruck um 9h 30‘ vorm.
In Innsbruck ist es halt fein, da gibt’s schon gar nichts z‘ rugglen. – Ich hatte mich im Jänner bei der Staatsbahn vormerken lassen zwecks Aufnahme als Beamtenanwärter. Bahnärztlich untersucht, formell einen deutschen Aufsatz gemacht, der Aufnahme stand nichts im Wege.
Am 27. mußten alle zur Vorladung kommen (gleichzeitig ein Schwindel, von der Front abzutachinieren). Alle wurden wir einem Minister aus Wien vorgestellt. Es ging alles gut. Im Falle einer Aufnahme sollte ich auf 8 Monate nach Wien zum Telegraphenkurs einrücken. Doch von den 24 Mann, die sich vorstellten, darunter sehr viele Offiziere, sollen nur 4-5 Mann aufgenommen werden. Bin wirklich neugierig. Heilo!
NB. Sehr erstaunt war ich, unter den Vorgeladenen meinen alten Schulkollegen u. Banknachbar, E. F. Ptfr. Joh. Gollner zu finden.
Am 30. wollte ich in der Frühe nach Brixen fahren, um dort bei Familie Kuprian zuzukehren. Doch ohne meine lb. Eltern dabei zu beleidigen, konnte ich dies kaum durchsetzen. Also blieb ich zu Hause, u. fuhr am 30. um 11 nachm. von Innsbruck fort (2. Klasse bis nach Trient. Dort umsteigen, der Sammelstelle und damit der Entlausung glücklich entgangen). Weiterfahrt bis nach Ria secca, 3km vor Calliano. Dann zu Fuß über Guardia, Finocchio zu unseren alten Nauk [?] Baracken ½ 5h nachm. Von 5h 30 – 6h 30 Platzmusik der T.J.2.
1.2.3. Mai. Das Wetter viel schön.
Am 3. Mai nachm. Inspizierung durch Oberst Lustig u. Oberstlt. [Maximilian] Bart[h] v. Barthenau; gut ausgefallen.
Am 4. Freitag [recte Samstag]. Handgranaten fassen u. werfen scharfer Handgranaten.
Am 5. vormittag[s] Aufteilung des ganzen Marschbaons. Huber u. ich wurden beide zur 7. Feldkomp. zugeteilt. Heilo!
Samstag u. Sonntag vorm. 4. u. 5. Mai wurden scharfe Handgranaten geworfen.
Am 6. um 6h vorm. Abmarsch in die Stellung. Über den Abkürzungsweg von Serrada nach Piazza. Dort wurden unsere Rüstungen mit der Drahtseilbahn weiterbefördert. Wir marschierten weiter über Geroli (1h), Malga sarta (3h) u. Malga Bistorte (1/2h). Von dort nach 40 Minuten zur Labestation ½ 2h nachm. Wir bekamen Tee, Bäckerei, alles gratis im Off. Zimmer. Dann nach 20‘ zur Drahtseilbahnstation, wo wir unsere Rüstungen holten. Dann mit voller Rüstung u. mit Führer u. zwar feldkomp.weise marschierten wir in unsere Stellung. Dort kam ich mit Emil zum 2. Zug.
Um ½ 6h nachm. waren wir ganz erschöpft vom 1. großen Marsch angekommen. Um ½ 7h erfuhr ich, daß ich schon in der Nacht den Dienst eines Aufführers [sic] bzw. Grabeninspektion U.Off. versehen müßte. Das freute mich weniger, da ich nach dem Marsche gerne geschlafen hätte. Es ist jetzt 1h nachts u. mein Dienst beginnt erst. Draußen heult der Wind u. es ist bitter ungemütlich dabei Schnee zu stapfen. Ich muß es lassen, denn mein Kerzenstumpf erlischt schon bald!

(Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck, Nachlass Dr. Josef Gruber)

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