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… Und So Saß Ich Vor Meinem Leeren Tisch Ganz Ratlos Da.

… und so saß ich vor meinem leeren Tisch ganz ratlos da.

Auch hohe Beamte haben (meist) einmal klein angefangen. Die Laufbahn des späteren k. k. Statthalters in Tirol und Vorarlberg, Markus Freiherr (ab 1917 Graf) von Spiegelfeld (1858-1943,) bildet hier keine Ausnahme. Im Sommer 1880 trat er als Konzeptspraktikant in das von Anton Reichsgraf Arz von Arzio-Vasegg (1820–1896) geleitete zweite Department der Innsbrucker Statthalterei ein. Für den jungen Juristen dürften die ersten Eindrücke und Einblicke in die kakanische Verwaltung jedoch recht ernüchternd gewesen sein:

[…] es herrschte die Ansicht vor, die beste Verwaltung bestehe darin, dass man die Leute in Ruhe lasse und so ließen auch uns die Leute in Ruhe […]. Gearbeitet wurde eigentlich nur vormittags, nachmittags war nur der alte Graf Arz im Büro, der dort sein copioses Diner verdaute und Zeitung las. Ausserdem waren noch zwei ältere Statthaltereisekretäre da, ein sehr intelligenter, kränklicher Herr von Gasteiger und ein ganz verrückter Herr von Lutterotti. Alle waren sehr freundlich zu mir, keinem fiel es aber ein […] mich in die Geschäfte einzuführen. Acten bekam ich auch nicht und so saß ich vor meinem leeren Tisch ganz ratlos da. Namentlich, ich erinnere mich wohl, erschien mir der Begriff der Registratur als etwas Geheimnisvolles, fast Drohendes. Ich hörte oft davon reden, wusste aber nicht was das war, und wo sich dieses Ungeheuer aufhalte. […] Auf meine Bitte, mich doch etwas arbeiten zu lassen, gab mir Sekretär von Gasteiger einmal einen Act, ich glaube über etwas Landwirtschaftliches. Ich schrieb so gut ich es verstand eine Erledigung, fand sie aber zu meiner Beschämung bald darauf an einem Orte wieder, der nicht die Registratur war.

Ob diesem Anfang für Markus Spiegelfeld wirklich ein Zauber innewohnte, scheint zumindest fraglich. Dennoch ließ er sich nicht entmutigen, verfolgte konsequent den eingeschlagenen Berufsweg (unser Titelfoto zeigt ihn um 1883) und beendete seine Laufbahn schließlich auf einer der höchsten Beamtenstellen, die die Habsburgermonarchie zu vergeben hatte …

(Foto: Privatbesitz, Text: Lebenserinnerungen Markus Gf. Spiegelfeld, Privatbesitz)

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