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„Fürwahr Kein Vergnügen“ – Teil 1

„Fürwahr kein Vergnügen“ – Teil 1

Als im Frühjahr 1917 in Österreich-Ungarn die Männer des Geburtsjahrgangs 1899 zur Musterung antreten mussten, befand sich unter ihnen auch der Innsbrucker Josef Gruber (1899-1967). Geboren als Sohn eines k. k. Staatsbahnbeamten in Bregenz, besuchte er von 1905 bis 1910 die Volksschule in Kematen bzw. Innsbruck und sodann das hiesige Staatsgymnasium. Am 11. Feber 1917 wurde er für Tauglich befunden und dem 1. Regiment der Tiroler Kaiserjäger zugeteilt.

Aufgrund seines Bildungsweges bzw. des zu erwartenden erfolgreichen Abschlusses des Gymnasiums stand ihm die „Begünstigung als Einjährig-Freiwilliger mit nur einjähriger Präsenz- und elfjähriger Reservedienstpflicht im gemeinsamen Heere oder in der Landwehr“ offen. Neben einer Besserstellung gegenüber den anderen Rekruten eröffnete der Dienst als Einjährig-Freiwilliger zudem die Aussicht, eines Tages zum Reserveoffizier befördert zu werden.

„Meine Kollegen in der Einjährig-Freiwilligen Rekruten-Abteilung im Frühjahr 1917: 1. Marsoner Rudolf / 2. Brändle Albert. “ Ganz links Josef Gruber.

Nachdem er noch im Dezember 1917 die sogenannte „Kriegsmatura“ abgelegt hatte, verließ Gruber am 8. Jänner 1918 mit einem Marschbataillon seines Regimentes Innsbruck in Richtung Südtirol. Zu dieser Zeit dürfte er sein Tagebuch begonnen haben, das im Mittelpunkt dieser Serie steht. Seine Aufzeichnungen eröffnen Einblicke in den „Krieg des kleinen Mannes“ (Wolfram Wette). Der Alltag bei der Ausbildung im Hinterland bzw. Etappengebiet wird darin ebenso greifbar wie die Entbehrungen, Strapazen und Gefahren an der Front. Wir bekommen Einblicke in die Erfahrungen und Wahrnehmungen eines jungen Mannes, der von der Schulbank aus in den Krieg zieht.

Inwieweit sich Grubers Teilnahme am Ersten Weltkrieg, der Zusammenbruch der Monarchie und die Krise der Nachkriegsjahre auf seine politische Einstellung auswirkten, lässt sich anhand des Tagebuches jedoch nicht eindeutig klären, zumal die Einträge mit 31. Juli 1918 enden und bislang nur die Eintragungen bis zum 14. Mai 1918 entziffert werden konnten (dazu später mehr). Fest steht aber, dass der begeisterte Alpinist und Turner – Gruber war Mitglied im Alpenverein und im „Deutschen Turnverein“ – spätestens in der Zwischenkriegszeit deutschnational gesinnt war und im Jahr 1938 der NSDAP und dem NSKK beitreten sollte.

Seinem Kriegstagebuch stellte Gruber eine kurze Rückschau auf die Zeit von Feber bis Dezember 1917 voran, mit der diese Serie beginnt:

Landsturmmusterung Jahrgang [?] 1899 am [?] 10. 11. 12. Febr. 19[17] für mich am 11. Februar. Tauglich!

Ergänzungsprüfung am 5. März 1917.
Meine freiwillige Assentierung zum 1. T.J.R. am 7. März 1917. Tauglich ohne [Einschränkung?]

Am 10. März 1917 Einrückungstermin im Ergänzungsbezirks-Kmdo (im Kriegsgebäude) in Innsbruck.
Einj. Fr. Rekruten-Abt. G. [?] Riesen Haymon, Innsbruck.
Am 12. März 17 habe ich das Gesuch um das unbedingte Einj. Freiw. Recht auf Grund des Zeugnisses über die Ergänzungsprüfung beim Ergänzungsbezirks-Kmdo abgegeben.
Am 15. März wurde die Zuerkennung des unbedingten Einj. Freiw. Rechtes im Befehl um 5h nachm. verlautbart.

Im Mai 17 lag ich krank zu Hause. Rippenfellentzüdung.
Am 20. Juli abends nach Freistadt in die Offiziers-Schule.
Am 7.9.1917 zum wirklichen Patfr. ernannt.
Mit 3. [?] Sept. 17 Schluß d. Off. Schule. Rgt. Rang = 6. Punktanzahl = 26.
Am 1. Nov. 1917 5h vormitt. nach Innsbruck ([Ankunft] 1130 nachm.)
Zugeteilt dem Ers.Baon. Innsbruck, II. Ers.Comp. [sic] Retterbaracke.

Vom 18. Nov. – 16. Dez. 1917 = Studienurlaub.
Anfangs Dez. die Kriegsmatura am k. k. Staats-Gymnasium in Innsbruck mit Stimmenmehrheit abgelegt.
Vom Urlaub eingerückt sofort zur Marschkomp.: 35 Marsch-Baon, II. Comp., II. Zug. Halbkompkmdt. = Lt. V[ictor] Kurz (1. Zug).

Mein Zugskomdt. (2. Zug) = Lt. [Friedrich] Katrain [recte Cathrein]
Assistenzbereitschaft bis Weihnachten. Über die Weihnachtsfeiertage starker Schneefall, daher Schneeschaufeln am Haupt- u. West-Bahnhof.

Tagebuch von Josef Gruber.

(Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck, Nachlass Dr. Josef Gruber)

Dieser Beitrag hat 3 Kommentare
  1. Ist dem Stadtarchiv-Team oder vielleicht einem/einer der Forumsteilnehmer/innen bekannt, wo sich die in diesem Tagebuch erwähnte Retterbaracke befand?
    Vielen Dank schon mal im voraus für Ihren Hinweis!

    1. Auf den Rettergründen, draußen beim ehemaligen Hafen, befanden sich schon zu Zeiten des ersten WK längs der Völserstraße einige Baracken, die nach dem Krieg auch als Unterkunft für italienische Truppen gebraucht wurden. Vielleicht bezieht sich der Name Retterbaracke darauf. (Quelle: Tagebuchausfzeichnungen meines Großvaters, der in der Nähe gewohnt hat.)

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