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„Freunderl, Was Denkst Du Denn,

„Freunderl, was denkst du denn,

woll’n wir nach Hause geh’n, oder wir bleib’n noch hier, bist du dafür?“ Mit dieser schwerwiegenden Frage, die in der Introduktion zu Carl Michael Ziehrers (1843-1922) berühmten Nachtschwärmer-Walzer op. 466 aufgeworfen wird, sah sich wohl jeder von uns schon einmal konfrontiert. Und meistens bleibt man dann doch noch sitzen „bis dass der Tag erwacht, und uns die Sonn‘ anlacht.“ Das scheint auch der Plan gleich zweier illustrer Runden gewesen zu sein, die am 30. April 1887 bzw. am 1. Mai in die Restauration Pizzini (eröffnet 1886) in der Mentlgasse 1 zusammengekommen waren und jeweils erst lange nach der Sperrstunde den Heimweg antraten.

Für den Wirt Ludwig Pizzini hatten diese feucht-fröhlichen Abende mit Südtiroler Wein und Salzburger Bier jedoch ein Nachspiel, denn am 5. Mai flatterte ein Schreiben der Wiltener Gemeindevorstehung in seine Gaststube. Darin hieß es:

Nachdem Sie eingestandenermaßen Ihre Wirtschaft vom 30t. April auf den 1t. Mai bis 2 Uhr Nachts u. vom 1t. Mai bis 2t. Mai bis 4 Uhr Früh Gäste darin hatten, obwohl das Lokale von Außen geschlossen war. so werden Sie der Übertretung der Ministerial Verordnung über die Polizeistunde vom 3. April 1855 R.G.B.N. 62schuldig erkannt u. nach § 11 der kaiserlichen Verordnung vom 20t. April 1854 zu 3 fl. [das wären heute rund 42 Euro] Strafe zu Gunsten des Armenfonds in Wilten verurteilt.
Gegen dieses Erkenntniß steht Ihnen der Rekurs an die k. k. Bezirkshauptmannschaft in Innsbruck innerhalb von 3 Tagen offen.
Wilten den 5t. Mai 1887
Der Gemeindevorsteher

Wenn man die recht human anmutende Strafe bedenkt, scheint die Obrigkeit für die Nachschwärmer doch Verständnis gehabt zu haben …

(Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck)

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