Einsatz für die Feuerwehr
Heute ist es beinahe undenkbar, eine Postkarte, die als Motiv einen Unglücksfall zeigt, zu versenden. Zu Zeiten in denen es kein Fernsehen gab und in den Zeitungen kaum Bildmaterial verwendet wurde, war es nicht unüblich Postkarten mit Motiven von Sturmschäden, Überschwemmungen und anderen Katastrophen zur „Information“ oder zur „Erinnerung“ herzustellen und auch zu versenden.
Die am 17. Mai 1913 gelaufene Postkarte zeigt die Möbelfabrik Michael Brüll in der Anichstraße Nummer 7. Zahlreiche Feuerwehrleute sind gerade mit dem Löschen eines Brandes, der am Vormittag des 17. Mai 1913 ausbrach, beschäftigt.
In den Innsbrucker Nachrichten vom 19. Mai wurde über den Vorfall ausführlich berichtet: „(Der Dachbrand bei Brüll.) Nach der Beendigung der Löschaktion am Haupthause der Möbelfabrik Brüll in der Anichstraße hat der gegen Mittag ziemlich heftig einsetzende Wind noch einiges Unheil dazugefügt. Der Dachstuhl war zur Gänze dem Feuer zum Opfer gefallen, es ragten nur mehr die Firstmauern empor. Gegen 1 Uhr mittags ist nun die freihstehende, aus einer Ziegellage aufgebaute Firstmauer an der Südostseite des Hauses vom Winde umgestoßen worden und mit großem Gepolter stürzte das Mauerwerk vom Dache herab. Zum Glücke wurde von den umherfliegenden Ziegelstücken niemand auf der Straße getroffen, denn der Großteil des Mauerwerks fiel auf den Anbau am Brüllhause, wo die Firma ein kleines Arrangement von Möbeln ausgestellt hatte. Darin befanden sich eine Speisezimmer- und eine Schlafzimmereinrichtung, die natürlich in kleine Trümmer geschlagen wurde.“
(Stadtarchiv Innsbruck, Sommer 4-210)
Ja, dieses Haus – das „Brüll“-Haus!
Da hatten Sie doch schon dieses Rätselbild – mit dem gepflasterten Hof und den vielen Angestellten.
Und auch andere Erinnerungen tauchen auf…
Zum Beispiel – als eine junge Postkollegin so um 1960 heiratete und erzählte „Wie wir beim Möbelkauf erwähnt haben, daß mei Oma alser Junger bei der Familie als Köchin g’arbeitet hat, da sein mir mit so ausg’suchter Höflichkeit behandelt worden… i habs gar nit glaabn kennen!“ ja…!
Als das Hauptpostgebäude im 3.Viertel des 20.Jahrhunderts aus allen Nähten platzte, hat die Post in diesem Hause für die Fernmeldegebühren-Abrechnungsstelle der Buchhaltung der Post- und Telegraphendirektion für Tirol und Vorarlberg in Innsbruck (damit wir nur ja den korrekten Titel haben!) im ersten Stock Räume gemietet. Und – ich glaube – auch Arztpraxen gab es in diesem Haus.
.
So war auch der Schreibtisch meines Mannes im letzten Jahrzehnt vor seiner Pensionierung hier in diesem Hause untergebracht – und zwar im Erkerzimmer des 1.Stocks. So wird auch dieser Teil unserer Familiengeschichte wieder lebendig.