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Ein Umstrittenes Denkmal

Ein umstrittenes Denkmal

Nach ihrer Machtübernahme planten die italienischen Faschisten mehrere Denkmäler entlang der neuen Grenzen Italiens, darunter auch im eroberten Südtirol. Am 06. Februar 1926 kündigte Benito Mussolini (1883–1945) den Bau des „Siegesdenkmals“ in Bozen in einer Rede vor dem italienischen Parlament an. Nach einer Bauzeit von zwei Jahren (man war sehr auf eine zeitgemäße Fertigstellung bedacht), wurde das Denkmal am 12. Juli 1928 in Anwesenheit des italienischen Königs Vittorio Emanuele III. (1869–1947) eingeweiht. Begleitet wurde der Festakt von einer martialischen Rede von Minister Giovanni Giurati (1876–1970), in der er unter anderem versprach, dass die Soldaten bereit seien, ihren Marsch wiederaufzunehmen, sobald es König befehle. Die bewusste Provokation nach Norden blieb dort natürlich nicht unbemerkt. Nicht nur in Tirol, sondern in ganz Österreich war die „Siegesfeier“ (stets mit Anführungszeichen versehen) auf den Titelseiten, ebenso in vielen Zeitungen in der Deutschen Republik. Der Allgemeine Tiroler Anzeiger kommentierte beißend:

„Das Siegesdenkmal in Bozen wurde in der ihm gebührenden Weise eingeweiht. Von einem treubrüchigen König. Von einem Bischof, der diese Kundgebung eines fanatischen Nationalismus billigt, anstatt ihn zu verurteilen. Von einem Minister der mitten im Frieden Kriegsfanfaren blies. Es war eben wirklich ganz Italien versammelt, um das ihm entsprechende Monument so einzuweihen, dass alle Welt wissen muss: so etwas kann tatsächlich nur in Italien vorkommen.“  

Allgemeiner Tiroler Anzeiger, 13. Juli 1928

Auf der Stirnseite des Triumphbogens prangt die Inschrift „HIC PATRIAE FINES SISTE SIGNA; HINC CETEROS EXCOLVIMVS LINGVA LEGIBVS ARTIBVS” (dt. „Hier an den Grenzen des Vaterlandes setze die Zeichen. Von hier aus bildeten wir die Übrigen durch Sprache, Gesetze und Künste.“) Darüber spannt die Siegesgöttin Victoria ihren Bogen, dessen Pfeil nach Norden zeigt. Der Ort war ebenfalls nicht zufällig gewählt, an seinem Platz war bereits mit einem Denkmal für die in Galizien gefallenen Kaiserjäger begonnen worden, dessen Steine teilweise nach der Sprengung desselben in das Siegesdenkmal integriert wurden.

Dabei ließ man bei diesem Denkmal noch diplomatische Zurückhaltung walten – anstatt CETEROS (die Übrigen) sah der ursprüngliche Plan BARBAROS vor.

(Signatur Ph-13031)

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare
  1. Ein oppressives Wahrzeichen des Faschismus, das unbeirrt seinen dunklen Schatten über Süd-Tirol wirft. Die Fasces (Rutenbündel, Symbol und Namensgeber des Faschismus) bilden die Säulen, auf welchen die Siegesgöttin thront und die Unterdrückung der „Anderen“ ausgerufen wird, während gesichtslose Soldaten martialisch ins Leere stieren.

    Normalerweise bin ich ja kein Freund davon, Denkmäler der Vergangenheit einzureißen, doch in diesem Fall mache ich gerne eine Ausnahme. Nicht nur, weil es an und für sich abgrundtief hässlich ist und stilistisch mit keiner Triumphpforte dieser Welt mithalten kann (weder mit dem Innsbrucker Original, noch mit ihrer kleinen Schwester in Paris ;), sondern auch und gerade wegen dem, wofür es (bis heute) steht.

  2. Das ist derzeit Tabuthema. Jetzt, wo alles der kühlen Vernunft abgeschworen zu haben scheint, brauchts da nur einen Funken, eine Sprayschmiererei, und schon haben wir das schönste Hasspingpong.
    Apropos Vernunft: Gibts am Brenner immer noch die Duce und Führer Weine? Werden hauptsächlich von ahnungslosen Jungen gekauft.
    Und der Vers des Inno di Mameli, also die offiziellle Staatshymne, enthält immer noch ein längst überholtes Schmählied auf den harmlosen Nachbarstaat, das trauen sich nicht einmal die Amis. Nur kommt niemand bis zur vierten Strophe. Nur, was haben die Österreicher Mitte des 19. Jhdts., als der Inno entstanden ist, in Oberitalien verloren gehabt? Sie sollen abgrundtief verhasst gewesen sein. Betrunkene Lümmel. Wie manche Touristen heute noch.

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