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Ein Rätsel In Memoriam    Dr. Herbert Geiler

Ein Rätsel in memoriam Dr. Herbert Geiler

Vermutlich einer der eifrigsten Heimatforscher Innsbrucks lebte in Wien. Leider ist Dr. Herbert Geiler viel zu früh, kurz bevor er mehr Zeit für seine Forschungen gehabt hätte, verstorben.

Mit einem Kreis von SpezialistInnen aus den verschiedensten Gebieten löste er im Laufe der Zeit fast alle Mirakel, die er vor allem auf Luftbildern entdecken konnte. Ich wurde dieser Tage von Dr. Karl Hirsch, einem Freund von Herbert, auf ein Rätsel aufmerksam gemacht, das wohl noch ungelöst ist, obwohl schon viel gebastelt und auch gelöst wurde.

Ich darf die Fragestellung Dr. Hirsch überlassen:

„unser lieber Herr Dr. Herbert „Imsalz“ Geiler hat mit mir erfolglos gerätselt, um welches Objekt es sich bei einem auffälligen Dreieck am rechten Sillufer etwa im Bereich der jetzigen Lützowstraße handelt. Anbei eine Aufnahme von einer Anhöhe gegenüber und eine Luftaufnahme sowie ein Stück Stadtplan. Auf letzterem ist das Innere blau angedruckt, d.h. eine Wasserfläche. Dem widerspricht aber m.M. das Luftbild.

Das Bauwerk – wahrscheinlich ein Garten im Besitz eines „Betreten ausnahmslos verboten“ Fanatikers – hat anscheinend nur kurzen Bestand gehabt, in den frühen 20ern noch nicht zu sehen, war es mit der Verbauung im Pembauerbereich schon wieder verschwunden.“

Und weiter:

„Als Ergänzung noch weiteres Bildmaterial zum Thema. Die Skizze hab ich verbrochen, ich wollte die ungefähre Seitenansicht mit der erhöhten Mauer auf der Südwestseite veranschaulichen. . Herbert hat sich köstlich amüsiert.  Von ihm stammt die gezoomte, senkrecht von oben aufgenommene Luftbild-Ansicht. Die Luftaufnahmen stammen alle von Günther Thiem, dem Vater von Jörg Thiem, der die Schreibmaschinen gesammelt hat, die im Wattener Schreibmachinenmuseum ausgestellt sind. Ich hab die Fotos von einem Flugzeugbildsammler, Herrn Gerhard Wilhelmer.

Das zweite Bild von Pradl Richtung Nordkette zeigt die Umgebung des Grundstücks aus der Zeit vor dem Bau des Dreiecks (etwas oberhalb der Mitte ganz rechts).“

Die meisten guten Rätsel haben einen banalen und simplen Hintergrund. Vermutlich ist es auch hier so. Wir sind schon sehr gespannt, wie es sich diesmal klärt.

(Quellen: Sammlungen Dr. Herbert Geiler und Dr. Karl Hirsch inkl. Zeichnung, Luftbilder Bestand Gerhard Wilhelmer ex Günter Thiem).

Dieser Beitrag hat 15 Kommentare
  1. Interessant wäre diesbezüglich die Besitzgeschichte dieses Grundstücks.

    Offenbar ist der Name des Grundbesitzers noch völlig unbekannt. Dazu müssten folgende Fragen am Katasteramt sowie im Grundbuch systematisch erhoben werden:
    1. Wem gehörten die betreffenden Parzellen Nr. 1323 bzw. 3056, KG Pradl in den 1920er-Jahren?
    2. Gibt es aus der fraglichen Zeit Vermessungspläne der Parzelle am Katasteramt?
    Auf diesen Plänen könnte der Zweck des Dreiecks eingetragen sein.

    Mit dem Namen des Grundbesitzers könnte man mittels Volltextsuche in den Zeitungsarchiven recherchieren, ob die einschlägigen Zeitungen wie Innsbrucker Nachrichten usw. über das Dreieck jemals berichtet haben.

  2. Das Gebilde befindet sich offensichtlich nördlich des Jugendheimes Pradl Reichenauerstraße 15. Dazu gehörte auch eine sehr große Grundfläche, die bis zur Sill reichte. Besitzer war bis zur Machtergreifung 1938 der Peter Mayr Bund. Danach wurden auf diesen Gründen die Offiziersvillen gebaut.

    Ich wüsste sehr viel über diese Pradler Institution zu erzählen. Möchte es aber ganz kurz machen. Obwohl ich es selbst nicht kannte und auch nicht wusste, warum es dreieckig war – nein, ich sage es nicht – ich bin mir nicht ganz sicher. Vielleicht weiß ein anderer mehr. Jedenfalls habe ich eine Spur gelegt!

  3. Die Sektion Peter Mayr Sport hatte auch eine eigene Theatergruppe ….

    Könnte das Dreieck eine vielleicht Freilicht-Bühne mit Sitzplätzen sein??

  4. Dieser riesige Grund – ein ehemaliges Bauernanwesen – wurde um 1900 herum vom rührigen Jesuitenpater Alois Mathiowitz gekauft (besser gesagt ‚zusammengebettelt‘). Die Grundrechte wurden dem „Hilfsverein zum Wohle der männlichen Jugend“ übertragen. Er baute darauf das Jugendheim. Im Laufe der Jahre entwickelte sich daraus der Peter Mayr Bund und damit dieses große Pradler Jugendzentrum der Vorkriegszeit. Es gab sogar ein eigenes Schwimmbad!!!

  5. Die beiden ältesten Häuser in diesem Bereich sind Reichenauerstraße 17 und 17 a – das kann man in fast all diesen Fotos erkennen. Sie bildeten die Ostgrenze des Jugendheimareals. Das „Dreieck“ ist mit der Ostseite an diese Häuserflucht angepasst (in der Verlängerung dieser Häuserflucht) . Das Haus 17a ist das „Stöcklgebäude“ von Haus 17, meine Mutter ist hier aufgewachsen.

  6. Aha. Ein Schwimmbad für eine Jugendorganisation. Das wäre zumindest eine Erklärung. Das würde auch die Darstellung auf dem hier leider nicht abgebildeten von mir erwähnten Stadtplan von 1930 als Wasserfläche erklären. An der nördlichen Spitze sieht man am Luftbilddetail auch eine rohrähnliche Struktur, würde ebenfalls passen.

    Stadtplanausschnitt 1930
    https://s12.directupload.net/images/210117/qkv4dkhn.jpg

    Lage des Dreiecks im Vergleich zur heutigen Bebauung.
    https://s12.directupload.net/images/210117/q6do7siq.jpg

    @Herrn Auer: Sie haben natürlich recht. Freilich hätte ich zuerst einmal aufs Grundbuch gehen können. Das hätte ich aber nur in der Vor-Internetzeit getan. Heute fragt man zuerst einmal die virtuell Herumstehenden. Das ist auch der Unterschied zwischen Historikern und neugierigen Laien. Aber es macht Spaß.

  7. Ich habe gerade einen gedruckten Bericht von der 1. Generalversammlung des Hilfsvereins zum Wohle der männlichen Arbeiterjugend! Vom 1. April 1900 vor mir liegen, welche im Gasthaus zum „grauen Bären“ stattgefunden hat. Der Schriftführer verlas dabei den Jahresbericht und ich zitiere daraus: „Die wichtigste Entschließung dieses Jahres war der Erwerb eines 4125 Quadrat Klafter großes Grundstückes nordöstlich der Gasfabrik durch Kaufvertrag vom 8. Feber 1899, verfacht sub Fol. 402, mit Fräulein Anna Raggl um den Preis von 4500 fl. = 9000 K. Fräulein Anna Raggl übergab dieses Grundstück dem Hilfsverein …. unter der Bedingung, dass derselbe ….. dem Wohle der männlichen Arbeiterjugend von Innsbruck und Umgebung im Sinne einer katholischen Erziehung und Bildung ….. gewidmet bleibe“.
    In diesen Bericht wird auch Frau Anna Raggl „für die billige Überlassung dieses Grundstückes“ gedankt!

    Die Umrechnung dieser 4.125 Quadratklafter bzw. der Kaufsumme überlasse ich anderen, ich möchte nun in den in Kurrent geschrieben Originaltagebüchern von Pater Mathiowitz weiter nach dem „Dreieck“ forschen

    1. Diese Information ist sehr interessant!
      Das Raggl´sche Grundstück wurde bereits 1900 an die Stadt Innsbruck zur Errichtung des Gaswerks weiterverkauft. Mit dem Verkaufserlös wurde der betreffende Baugrund in der Reichenauer Straße gekauft, wo das Jugendheim dann auch tatsächlich gebaut wurde.

      Vgl. dazu folgenden Zeitungsbericht von 1922, in welchem die Geschichte des Jugendheims geschildert wird:
      https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=tan&datum=19220729&seite=7&zoom=33&query=%22ANNA%2BRAGGL%22&ref=anno-search

      1. Ich habe genau gewusst, dass Sie Herr Auer, allerhand finden und noch finden werden! Danke!

        Ich habe in den Tagebüchern inzwischen entdeckt, dass tatsächlich am 25.8.1901 (wie auch in diesem Zeitungsbericht erwähnt) die „Schwimmanstalt“ bzw. auch „Schwimmschule“ feierlich eingeweiht und eröffnet wurde. Sie erhielt den Namen „Franzensbad“ zu Ehren des „Gönners“, wahrscheinlich auch Planers und Erbauers, Baumeister Franz Mayr. Wie schon geschrieben: Es ist alles in Kurrent, dazu noch in dem seinerzeitigen Stil, und damit für einen Ungeübten schwierig zu lesen. Leider befindet sich kein Bild dabei – nur vom Jugendheim der damaligen Zeit. Dazwischen sind einige Zeitungsartikel eingeklebt.

        Ein Wahnsinn, was dieser Pater Mathiowitz alles leistete!

        Leider wurde er, wahrscheinlich wegen seines Erfolges, von vielen angefeindet!!

  8. Dann gebe ich mich damit zufrieden, daß es sich höchstwahrscheinlich um die Schwimmschule gehandelt hat. Zuerst nur mit Bewuchs an den Grenzen, dann (Abwehr von Vereinsfremden?) mit richtiger Mauer bzw Palisade.

    Fragt sich nur noch, warum Dreieck und nicht Viereck. Die Planung der zukünftigen Bebauung ließ vielleicht die den Häuserfluchten schlecht anpassbare und wertlosere Dreieckparzelle übrig.

    Aber jetzt schickt mich Herr Auer (danke für die, wie ich zu sagen wage, Lösung!) endgültig aufs Grundbuchamt. Im Sommer dann, wenn ich an der Sicherheitsschleuse nicht die derzeit gefühlten 100 Taschen, Seitentaschen, Hosenaschen, Gilettaschen, Jackentaschen usw nach Metall durchsuchen muß.

    1. Viel Erfolg bei den weiteren Recherchen!

      Die Vermessungspläne der betreffenden Parzelle befinden sich am Vermessungsamt in der Bürgerstraße. Gut möglich, dass hier ein genauer Plan zu finden ist. Ein dreieckiges Schwimmbecken ist extrem ungewöhnlich und der urkundliche Beweis wäre wirklich eine große Besonderheit.

      Im Buch von Irmgard Plattner 1999, Fin de siècle in Tirol: Provinzkultur und Provinzgesellschaft um die Jahrhundertwende, Seite 204 findet sich zur Form des Schwimmbads kein Hinweis, dafür ist darin folgende Anekdote überliefert: demnach wurde das Vereins-Schwimmbad des Peter-Mayr-Bunds von den Sozialdemokraten als „Gimpelteich“ bezeichnet…..

  9. Vielleicht ergibt sich aus dieser Alpenvereinskarte aus dem Jahre 1935 (Karwendel Mitte), warum diese Schwimmschule dreieckig war https://hik.tirol.gv.at/?basemap=bm0&category=Detailkarten_georef&scale=9027.9954667531&centerx=1270489.8160940679&centery=5986183.91960592&centerspatial=102100&map=344
    Der von Pater Matthiowitz 1901 gekaufte Grund (siehe mein Eintrag weiter oben) hatte eben diese Form, die Schwimmschule wurde im weitest entfernten Eck errichtet.

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