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Ein Buntes Zeitfenster

Ein buntes Zeitfenster

Diese seltene Aufnahme (muss man dazusagen, aus der Sammlung Kreutz?) zeigt ein Kloster im Süden von Innsbruck, dessen Umgebung zu verschiedenen Zeiten unterschiedlich nummeriert als Klostergasse in den Geschichts- und Adressbüchern Innsbrucks erhalten ist. Hier grüßt uns die Fassade der allseits bekannten Pinselfabrik Heel&Dorner, östlich des Sübahnwalls und südlich der diesen durchfahrenden Straße nach Amras gelegen, die Adresse war damals Klostergasse 10, der Zeitpunkt der Aufnahme ziemlich sicher Mitte der 1920er Jahre. Hand aufs Herz: Haben Sie von dieser Firma schon einmal gehört?

Im Sommer 1924 annoncierten die Herren Fritz Heel, Otto Dorner und Josef Eckert ihre gemeinsam neu gegründete Fabrik. Fritz Heel war ein altgedienter Innsbrucker Farbenhändler und hatte zeitgleich sein Geschäft an die heute noch bekannt klingenden Herren Rudolf Gasperl und Arthur Schladeck verkauft, der Detailverkauf befand sich weiterhin in der Sillgasse 19.

Innsbrucker Nachrichten 2. Juli 1924

Im Jänner des selben Jahres hatte Fritz Heel noch die Prokura seines Geschäfts (präzise den „Handel mit chemisch-technischen metallurigschen Produkten, Farbwaren und Pinseln“) an den oben genannten Otto Dorner übergeben. Der war also gerade ein halbes Jahr Prokurist der Firma Heel gewesen und trat dann doch bereits im März 1925 als Gesellschafter der neun Monate zuvor gegründeten Pinselfabrik aus. Im Mai 1925 trat gleich auch noch Fritz Heel aus, im Geschäft verblieb weniger als ein Jahr nach der Gründung allein Josef Eckert. Das ganze Projekt schien nicht nur personell sondern auch finanziell nicht gut zu laufen, im Februar 1928 brannte das Haus mit seinen ganzen Chemikalien und Farben lichterloh und schon im August darauf wurde das Konkursverfahren gegen Josef Eckert genehmigt.

Klostergasse 10. Kennen Sie? Kaum, heute ist das eine etwas traurige Adresse in der Unterführung der Überquerung der Überbrückung der Umfahrung der A12, wenn man dem Bild glaubt, beziehungsweise der Mittelstreifen der Innsbrucker Südtangente am Tunnelportal, wenn man der Karte glaubt.

In den 1920er Jahren herrschten hier Aufbruchstimmung und bunt gefächerte Kreativität. Hier einige Betriebe, die über die Jahre an dieser Adresse firmierten:
Watte= und Wollflockenfabrik des Hans Katholnigg
Transitmagazin Innsbruck
Innsbrucker Isolierwarenfabrik, auch Kunstbaumwoll-Erzeugung des Flüß Albert
Schammler Max, Litographische Anstalt und Akzidenzdruckerei (vormals Fuchs und Schammler)
Josef Vorhauser, Feilenhauer

Das Haus gehörte lange Zeit dem Techniker und Maschinenfabrikanten Alois Salcher, der selbst aber nie dort wohnte. Insgesamt 123 Einträge kennt die Adressbuchdatenbank, es sind meist Arbeiter*innen und Handwerker*innen, die hier gemeldet waren, von Ager bis Zisterer.

Dieser Beitrag hat 3 Kommentare
  1. Wenn auch nimmer in dieser altertümlichen Form, so kannte ich diese Gegend doch noch in ihrem vom jetzigen Zustand nicht mehr erkennbaren Anblick zur Zeit der alten oberen Sillbrücke mit eigener Straßenbahnbrücke. Auch damals (bis anfangs 70er) gab es dort ein kleines Sammelsurium von Häusern und Häuseln. Es war aber die Zeit des „tunlichst alles mit dem Auto fahren“, sodaß mir die Engstelle der Durchfahrt unter der Brennerbahn genauer in Erinnerung ist als die Bauwerke. Was sich da oft abgespielt hat! Besonders lustig waren die Kombinationen „2 Rechthaber auf Gegenkurs“ und „1 Choleriker trifft auf einen Tollpatsch, der mit dem Retourgangfahren Probleme hat“. Köstlich.

  2. die Aufnahme muss demnach kurz nach 1924 entstanden sein. Weder die Brennerbahnlinie zeigt Zeichen von Elektrifizierung (elektr. Inbetriebnahme 1928), noch Anzeichen der 110 kV Leitung der TIWAG, die hier vorbeiführt (Inbetriebnahme 1926). Natürlich ist die Igler noch mit Dampf betrieben.

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