skip to Main Content
Der Bilderblog aus dem Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck
Ein Ausflug Zur Messe In Den Fünfzigern – Für Jeden Geschmack Etwas Dabei

Ein Ausflug zur Messe in den Fünfzigern – für jeden Geschmack etwas dabei

In den letzten Wochen habe ich mich mit einem Stapel Bilder beschäftigt. Großteils ohne Personen- oder Ortsangaben, Jahreszahlen gab es auch kaum. Doch je länger die Recherche dazu wurde, desto mehr lässt sich zu diesen Bildern sagen, die sonst nur den Titel „unbekannte Personen an unbekanntem Ort zu unbekannter Zeit“ getragen hätten. Einige dieser Ergebnisse möchte ich in dieser Blogreihe beschreiben. Und wie sich herausstellte, hat Vieles mit der Messe Innsbruck zu tun.

Heute, möchte ich Ihnen einen etwas informelleren Einblick geben, wie sich eine Messe in den Fünfziger Jahren abgespielt hat. Frei von geschlechtsspezifischen Stereotypen war sie damals sicher nicht. Einige Passagen aus der Tiroler Tageszeitung vom 22. Mai 1954, die einen Überblick über die Frühjahrsmesse gibt, bestätigen das. Der Artikel trägt den Titel „Erste Eindrücke beim Gang durch das Gelände“. Trotz des bitteren Beigeschmacks sind folgende Ausschnitte mitunter sehr unterhaltsam zu lesen.

„Wo Nähmaschinen, das [sic] auch Waschmaschinen. Eine Zeit, in der es viel Schmutziges gibt, braucht viele Waschmaschinen.“ – Wohl wahr, doch was mag der oder die AutorIn gemeint haben? – „Als Familienvater hat man die Pflicht, an den Ständen mit den neuesten und allerneuesten Modellen Ehegattinnen verweilen zu lassen und dabei still zu überlegen, ob es zweckmäßiger sei, eine Wäschereimaschine, eine Waschmaschine oder eine kleine Waschzentrifuge zu erstehen und abzustottern. Unter all diesen raffinierten Apparaten, die schon durch ihren gefälligen Bau verraten, daß sie Reinlichkeitsmaschinen sind, sei eine österreichische Vollmaschine erwähnt, die wäscht, schwemmt und schleudert, also eine mechanisierte Musterhausfrau darstellt.“

„Der Volks-Elektroherd interessiert den ‚kleinen Mann‘, die Küchenherde und Großküchenmaschinen, deren es viele zu bestaunen gibt, fesseln den Hotelier und Gasthofbesitzer.“

„Ein Geschirrspülautomat, der in der Stunde bis zu dreitausend Geschirrteile spült, wird auffallenderweise von Männern bewundert, die daheim zu gewissen Stunden verpflichtet werden, ihre Aermel hochzukrempeln und die Geschichte im Handbetrieb zu erledigen.“

Darauf folgt eine sehr ausführliche Aufzählung aller Ausstellungshallen und den wichtigsten Ausstellungsstücken, auf die ich noch in einem anderen Beitrag eingehen werde. Am Schluss des Artikels befindet sich eine Unterüberschrift: „Die Augen der Frau bemerken…“ Als wäre der gesamte Überblick, den der Artikel gibt, nur etwas, das man als Mann wahrnehmen könnte. Die Beobachtungen der Frauen beschränken sich angeblich darauf,…

„…daß sich hinter dem verbindlichen Lächeln der Aussteller häufig die Erschöpftheit nach durchgearbeiteter Nacht verbarg.“

„…daß die Verkäuferinnen in der Nähe der Türen sich frierend unter der starken Zugluft duckten und dennoch mit heißen Lobpreisungen ihre Artikel den Messebesuchern zu empfehlen vermochten.“

„…daß die Hausfrauen mißtrauischen Auges neue Allround-Geräte für die Küche bestaunten, die anscheinend tatsächlich keine geheimen Tücken in ihrem wunderbar funktionierenden Mechanismus verbargen.“

„…daß die Kinder sich am liebsten in der Nähe der Mixer aufhielten, die in Sekundenschnelle süßen Rahm zu flockigem Schaum quirlen und notgedrungen zwischen den einzelnen Vorführungen ausgeleert werden müssen.“

„…daß es in der Modenabteilung eine Fülle neuer Stoffe aus künstlichen Fasern gibt, so etwa mit Perlen beflockte Wolle, die warm und haltbar und ewig schön sein soll wie noch kein Gewebe je zuvor.“

„…daß die Schuhmacher luftige Schuhe in allen Farben zeigen, darunter eine für Leder ganz neue Nuance in Lila.“

„…daß viele Messebesucherinnen den Pelz, in den sie versuchsweise geschlüpft waren, am liebsten gleich anbehalten hätten wegen der Schönheit dieser Mäntel, ‚ja, und weil sie an diesen unfreundlichen Maientagen so schön warm gehalten hätten.“

„…daß sich überall dort, wo es etwas zu trinken und zu schmausen gab, die Geschmäcker trafen und Alkohol wie Kaffee sich gleichermaßen als Labung nach dem Rundgang trefflich bewährten.“

„…daß die Besucher des ersten Tages beschlossen, bald wiederzukommen mit der Freundin, mit der Familie, mit Kind und Kegel, weil man schließlich die Innsbrucker Messe nicht vorübergehen lassen kann, ohne so richtig dabei gewesen zu sein.“

Die Frau als emotionales Wesen, das immer um das Wohlergehen des Mannes und der Kinder bemüht ist. Sie ist empfindlich gegenüber Zugluft, lässt sich leicht von Verkaufsstrategien einwickeln, besitzt nicht die Fähigkeit, kritisch zu denken und interessiert sich für zwei Dinge: Haushalt und Mode.

Wie sich wohl die Rollen beim Paar links auf dem heutigen Titelbild gestaltet haben? Das Foto wurde in den Fünfziger Jahren aufgenommen und zeigt eine Gruppe Menschen vor einer der Messehallen. Dazu werde ich in den nächsten Beiträgen mehr sagen, doch vielleicht erkennen Sie schon jemanden auf dem Foto?

(Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck, Ph-39949)

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare
  1. Und, Frau Gabbe, glücklich in der heutigen Zeit angekommen zu sein???
    Meinem Gefühl nach hat Herbert Buzas den Artikel geschrieben! Nix Autorin!

  2. Der Herr mit der rechten Hand im Hosensack ist der damalige Handelsminister Illig (3 x Dr.“), links daneben der damalige Messepräsident Dr. Fink

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Back To Top
×Close search
Suche