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Die Studentenschaft Wählt

Die Studentenschaft wählt

An der Universität Innsbruck finden vom 18.­ bis zum 20. Mai wieder die Wahlen zur Österreichischen Hochschülerinnen und Hochschülerschaft (ÖH) statt. Die ÖH ist seit 1945 provisorisch und seit 1950 durch Bundesgesetz die offizielle Vertretung der österreichischen Studierenden auf der Ebene des Bundes sowie auf jener der einzelnen Universitäten, damit auch an der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck.

Allerdings hatten die Studierenden an der Innsbrucker Universität bereits vor 1945 eigene Interessensvertretungen. Bereits seit der Gründung der Universität 1669 gibt es immer wieder Nachrichten über studentische Versammlungen, die Forderungen der Studenten vorgebracht haben. Damals erfolgte dies aber ohne gesetzliche Grundlage. Erst seit der Mitte des 19. Jahrhunderts ist es den Studierenden offiziell erlaubt, sich für Versammlungen innerhalb der Universität zu treffen, wobei es dem jeweiligen Rektor freistand, die Sitzungen zu beobachten und gegebenenfalls abzubrechen. Ein festgeschriebenes Recht zur Mitsprache hatten die Studenten allerdings auch dann noch nicht, vielmehr versuchten die Studenten Forderungen mit Streiks, Blockaden und Demonstrationen durchzusetzen. Dies führte gerade gegen Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts häufig zu Protesten und Konflikten an der Universität.

Überdies verstanden sich die zahlreichen Studentenverbindungen als Interessensvertretung ihrer Mitglieder und Sprachrohr gegenüber der Universität und den Professoren. Die unterschiedlichen weltanschaulichen Ansichten der einzelnen Studentenverbindungen verhinderten aber vielfach ein gemeinsames Auftreten.

Erst in der Republik erhielten die Studierenden dann eine allgemeine Interessensvertretung, die sog. Deutsche Studentenschaft, die durch Wahlen innerhalb der Studentenschaft legitimiert wurde. Wie der Name es allerdings schon verrät war die Zugehörigkeit und damit die Vertretung jedoch an ein völkisches Prinzip gebunden und schloss damit ausländische, aber auch jüdische Studierende aus.

Schon damals gab es verschiedene studentische Gruppen, die sich für Sitze in der Deutschen Studentenschaft bewarben. In Innsbruck dominierten traditionell die katholischen Studierenden. Allerdings gewannen deutschnationale Gruppen und im Laufe der 1920er Jahre besonders der Nationalsozialistische Deutsche Studentenbund mehr und mehr Stimmen und prägten mit ihrer radikalen deutschnationalen und antisemitischen Haltung das Auftreten der Studentenschaft bis 1933. In diesem Jahr wurde die Deutsche Studentenschaft in Österreich verboten. Dies führte in Innsbruck zu Unruhen am 2. Mai 1933. Die Proteste der Studenten arteten in pro-nationalsozialistische Demonstrationen aus, weswegen städtische Spritzwägen eingesetzt wurden, wie im Titelbild zu sehen ist. An die Stelle der Deutschen Studentenschaft setzte das austrofaschistische Regime stattdessen eine linientreue Sachwalterschaft der „Hochschülerschaft Österreichs“ als offizielle Studentenvertretung ein.

Nach 1938 wurde diese studentische Vertretung schließlich durch den Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund ersetzt, Burschenschaft lösten sich auf, katholische Verbindungen wurden verboten.

Wahlplakate der einzelnen studentischen Gruppen, Wahlblock (Vorläufer der heutigen AG), VSSTÖ und RFS im Jahr 1967. Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck, Signatur Ph-2855.

Mit dem Neuanfang nach 1945 waren schließlich auch wieder Wahlen für die studentischen Vertreter erforderlich, in denen die unterschiedlichen wahlwerbenden Gruppen mit Flugzetteln, Plakaten, Werbegeschenken und Kundgebungen auf sich und ihr Programm aufmerksam machten, wobei es bis heute immer wieder, auch durchaus skurrile Formen, gab und gibt, um Aufmerksamkeit zu erregen.

(Titelbild: Unruhen in Innsbruck nach der Auflösung der Deutschen Studentenschaft der Leopold-Franzens-Universität durch die Tiroler Landesregierung am 2. Mai 1933. Die Unruhen arteten in pro-nationalsozialistische Demonstrationen aus, weswegen städtische Spritzwägen eingesetzt wurden. Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck, Signatur Ph-27580.)

Dieser Beitrag hat 3 Kommentare
  1. Wer Wahlblock wählt ist selber schuld…als Motto des VSStÖ. In abgewandelter Form österreichweit bei jeder beliebigen Wahl gültig.
    Interessant ist die Liste der Alternativen unter dem Soziplakat. Ich hab damals noch nicht studiert, und an die dann einige Jahre später selbst mitgestimmte ÖH-Wahl kann ich mich nicht so erinnern. Grüne hats damals ja nicht gegeben, war das der Vorläufer des in den 68ern Mode gewordenen ultralinken Flügels?

    Unglaublich, mit welchem Nachdruck und Wasserdruck man die Rechtsradikalen damals bekämpft hat, und wie gegenteilig die Volksstimmung 5 Jahre später gewesen ist. Kann auch eine Lehre für heute sein, das hingeworfene Beissholz soll man ignorieren.

    Zurück zum Hauptthema: „Erinnern“ Diesen Blick aus der Gilmstraße auf den Sparkassenplatz hab ich auf den ersten Blick nicht sofort erkannt weil ich stur Nord-Süd dachte.

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