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Der Bilderblog aus dem Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck
Die Kaltschmiede (I.)

Die Kaltschmiede (I.)

Das Wort Schmiedehandwerk evoziert für gewöhnlich glühende Kohlen, sprühende Funken und heißes Eisen – eben alles anderes als etwas Kaltes. Aber es gab auch einen bedeutenden Zweig dieses Handwerks, dessen Angehörige als Kaltschmiede bekannt waren. Zwar ist der Begriff etwas irreführend, denn auch die „Kalt“-schmiede hatten eine Esse in ihrer Werkstatt, um ihren Werkstoff, das Kupfer, bei Bedarf zur besseren Verformbarkeit anzuwärmen, aber einen Großteil ihrer Arbeit verrichteten sie mit dem kalten Metall. Alternativ waren sie auch als Kessler oder Kesselschmiede bekannt.

Ihre Zunft genoss vielerorts besondere Privilegien, so auch in Tirol. Im Gegenzug dafür waren sie auch zu höheren Abgaben an den Landesfürsten verpflichtet, besonders im Kriegsfall mussten sie ihn mit Waffen beliefern und Büchsenmeister für die Artillerie stellen. Im Gegensatz zu vielen anderen Bestimmungen für Aufgebote, die eine zeitliche Frist festlegten, konnte der Fürst sie auf unbegrenzte Zeit im Felde halten. In Friedenszeiten musste jeder Meister dem Fürsten einen Zentner Kupfergeschirr pro Jahr liefern.

Zu den genannten Privilegien gehörte eine eigene Gerichtsbarkeit in das Handwerk betreffenden Belangen. Dafür zuständig war ein vom Landesfürsten ernannter „Kesselrichter“. Besonders von Bedeutung war die Zollbefreiung für die Einfuhr des zu ihrer Arbeit benötigten Kupfers. Die Zunft achtete auch besonders auf den sittlichen Lebenswandel ihrer Mitglieder. Es war ihnen etwa verboten, beim Wirt Schulden zu machen – tat es ein Kupferschmied doch, so musste er es bei der nächsten Zunftversammlung offen eingestehen und die Schuld binnen 6 Wochen (und drei Tagen) begleichen.

Der erste Kesselschmied, der uns in Innsbruck begegnet, wird in einer Urkunde des Stadtarchivs aus dem Jahr 1350 erwähnt. Zusammen mit zahlreichen anderen Handwerkern spendet dort „Herman der Chezzelsmit“ sein Vermögen an das Stadtspital.

(Signatur U-103 – schön zu sehen ist auf dem anhängenden Siegel das alte Wappen der Stadt mit drei Brückenpfeilern)

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