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Der Quasi-Bürgermeister – Teil 1

Der Quasi-Bürgermeister – Teil 1

Hannes Hundegger dürfte wohl auch heute noch vielen Bewohnerinnen und Bewohnern von Igls ein Begriff sein; auch wenn die Zeiten, wo er als Quasi-Bürgermeister von Igls amtierte mittlerweile über ein halbes Jahrhundert zurückliegen. Er prägte die Entwicklung von Igls in den Nachkriegsjahrzehnten entscheidend mit, engagierte sich im Vereinsleben, initierte die Igler Bergweihnacht und machte sich auch als Krippenbauer einen Namen. Grund genug also, dass wir uns an dieser Stelle mit seiner Biographie etwas näher befassen.

Geboren wurde Johannes Bapt. Sigbert Thomas Hundegger – so sein vollständiger Name – am 21. Dezember 1903 als sechstes von insgesamt zehn Kindern in Innsbruck. Sein Vater, Dr. phil. Josef Hundegger (1863-1922), war k. k. Universitätsbibliothekar in Innsbruck; seine Mutter Antonie, geb. von Preu zu Korburg und Lusenegg (1871-1960), entstammte dem niederen Tiroler Adel.

Hannes Hundegger (hinten, 3. v. l.) im Familienkreis, aufgenommen im Jahr 1916, als sein ältester Bruder Sepp als Einjährig-Freiwilliger (1. Regiment der Tiroler Kaiserjäger) an die Südwestfront abging. Sein Bruder Anton (hinten ganz links) musste bald ebenfalls einrücken; im Juli 1918 verlor er am Pasubio sein Leben. Anton sollte seinen jüngsten Bruder Heinrich (Heinz), der im Jahr 1917 zur Welt kam, niemals sehen.

Vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges führte die Familie Hundegger ein typisch (bildungs)bürgerliches Leben. Sie wohnte in der Leopoldstraße (zunächst im Haus Nr. 7, ab 1908/09 im Haus Nr. 9) und so begann Hannes seine Schullaufbahn in der Volksschule Wilten. Von dort wechselte er an die k. k. Oberrealschule am Carl-Ludwigplatz (heute Adolf-Pichler-Platz). Für die Innsbrucker Schülerinnen und Schüler war die Zeit des Ersten Weltkrieges hart, die Väter oftmals an der Front, die Mütter mussten sich neben dem Haushalt oft genug auch noch um den Broterwerb kümmern. Und selbst in bürgerlichen Familien hielt der Hunger einzug.

Die Familie Hundegger bildete nur insofern eine Ausnahme als Josef Hundegger aufgrund seines Alters nicht zu den Waffen gerufen wurde. Aber die rasch einsetzenden und sich immer weiter verstärkenden Versorgungsengpässe bekam auch sie zu spüren. Noch im hohen Alter erinnerte sich Hannes Hundegger lebhaft daran, wie groß damals seine Freude über ein kleines Stück Brot war.

Gelegentlich führte der große Hunger aber zu Episoden, über die sich Hannes – zumindest im Rückblick – durchaus amüsieren konnte, wie er mir im Jahr 2001 erzählte (Hannes war mein Urgroßonkel):

Von der Oberrealschule wechselte Hannes Hundegger schließlich an die Bundeslehranstalt für Hochbau, Elektrotechnik, Kunstgewerbe und Schlosserei, wo er seine Ausbildung zum Drechslermeister im Jahr 1924 mit „vorzüglichem Erfolge“ abschloss.

Hannes Hundegger an der Drehbank.

Nach dem erfolgreichen Abschluss seiner Ausbildung arbeitete Hannes Hundegger zunächst bei der Möbeltischlerei Brüll in Pradl, ehe er in die Kunstdrechslerwerkstatt des Gabriel Hammerl in der Karmelitergasse wechselte. Um das Jahr 1934 übernahm er den Betrieb.

Und wie es mit Hannes Hundegger weiterging, lesen Sie im nächsten Teil …

(Titelfoto: StAI, Ph-25658 / Fotos im Beitrag: Privatbesitz)

Dieser Beitrag hat 8 Kommentare
    1. Ja, genau. Dr. Joseph Hundegger (1823-1896) war mein Ur-Ur-Urgroßvater. Er wurde in Grießbruck bei Klausen geboren und studierte in Innsbruck Jus. Er hatte jedoch keine Aussicht auf eine der streng limitierten Advokatenstelle in Tirol und zog daher in die Steiermark. Im Jahr 1856 erhielt er die Advokatenstelle in Murau, gründete mit Maria Steyrer (geb. 1837) eine Familie und kehrte nach „der Freigabe der Advokatur“ im Jahr 1868 nach Tirol zurück.

  1. Im Adressbuch von 1903 findet sich für Dr. Josef Hundegger, wohnhaft in der Leopoldstraße 7, die schöne Berufsbezeichnung „k.k. Universitäts-Amanuensis“.

  2. Taufpate von Hannes Hundegger war Sigbert Genelin, stud. phil. in Innsbruck, damit erklärt sich Wahl des ungewöhnlichen und seltenen Namens. Sigbert war Sohn von Prof. Dr. Placid Genelin.

    Dr. Josef Hundegger stammte aus Murau in der Steiermark und heiratet 1895 in Innsbruck die Regierungsrats-Tochter Antonia.

    Geboren wurde Hannes um 4 Uhr Nachmittags im Hause Leopoldstraße 7.

  3. Der Vater Josef war interessanterweise auch Mitsodale der Kongregation „Mater misericordiae“. 1922 heißt es:

    „Marianische Herrenkongregation „Mater misericordiae“.
    Die Herren Sodalen werden ersucht, sich an dem am Sams­-
    tag, den 25. Februar, nachmittags 3 Uhr. vom Trauerhause,
    Leopoldstraße 9, aus auf den Stadt. Friedhof stattfindenden
    Leichenbegängnis unseres lieben Mitsodalen Herrn Ober-
    bibliothekar Dr. Josef Hundegger möglichst vollzäh­-
    lig beteiligen zu wollen.— Die hl. Seelenmesse wird am
    Dienstag, den 28. Februar, 7 Uhr früh, in der Fürstenka-
    pelle gelesen werden.“

  4. Nachruf Dr. phil. Josef Hundegger von 1922:

    „Oberbibliothekar Dr. Hundegger verstorben. Am 22. Februar
    starb hier an einer heftigen Kopfgrippe und Lungenent­-
    zündung Herr Dr. phil. Josef Hundegger, Ober-
    bibliothekar der Innsbrucker Universitätsbibliothek, im
    59. Lebensjahre. Der Verblichene stammte aus einer angesehenen Familie im Vinschgau, oblag an den Universitäten Innsbruck, Wien, Breslau und Straßburg den germanistischen Studien und wirkte seit 1890 an der hiesigen Universitätsbibliothek als Beamter, von 1909 ab als Bibliothekar, zuletzt als Oberbibliothekar oder Kustos. Den eifrigen, tiefreligiösen Mann trafen besonders in den letzten Jahren schwere Prüfungen. Er war ein
    pflichteifriger Beamter, ein verdienstvolles Mitglied der katholischen akademischen Verbindungen, ein überaus besorgter Vater seiner auf zehn Kinder angewachsenen Familie, von denen er einen Sohn im Weltkriege verlor.“

  5. Das gleiche Familienbild habe ich vor Jahren unbeschriftet am Flohmarkt als Postkarte gefunden. Jetzt weiß ich endlich, wer die Dargestellten sind, vielen Dank für diesen Beitrag.

    1. Vielen Dank für Ihre Anmerkungen und die Fundstücke, lieber Herr Auer. Dann liefere ich gerne noch die vollständinge Beschriftung nach:

      Hinten: Anton (1897-1918), Leopold, Hannes (1903-2007), Sepp, Karl und Ernst.
      Vorne: Maria, Vater Josef mit Sohn Franz, Mutter Antonie und Elsa.

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