Auge um Auge (XII.)
Die erste Hinrichtung in Innsbruck nach dem Zweiten Weltkrieg fand im April 1947 statt. Verurteilt worden war der 27-jährige Schneidergehilfe Ferdinand Walch. Ein Geschworenengericht hatte ihn bereits am 11. Dezember 1946 des Mordes an seiner Geliebten, Anna Vonbun, für schuldig befunden. Nachdem sein Gnadengesuch vom Bundespräsidenten abgelehnt worden war, hatte er erklärt, als ehemaliger Angehöriger der SS Informationen für die Aufdeckung von Kriegsverbrechen liefern zu können. Er wurde diesbezüglich eingehend verhört, womit er seine Hinrichtung verzögern, aber nicht verhindern konnte. Am 23. April um 06.00 Uhr früh wurde er im Hof des Gefängnisses des Innsbrucker Landesgerichtes durch den Strang hingerichtet.
Anscheinend war diese erste Hinrichtung nach dem Krieg auch die letzte in Innsbruck. Am 24. Mai 1950 stimmte der Nationalrat 86 zu 64 für die Abschaffung der Todesstrafe, das war exakt zwei Monate nach der letzten Hinrichtung in Österreich, des Doppelmörders Johann Trnka.
Damit endet die Geschichte der Todesstrafe in Innsbruck und in Österreich. Was die Zukunft bringt, wissen wir nicht, aber hier geht es schließlich um die Dinge, an die sich Innsbruck erinnert.
(Das noch von Bomben beschädigte Landesgericht kurz nach Kriegsende, Signatur Ph-A-244)